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Sir Colin in seinem Studio in Wädenswil. Hier mischt der DJ seinen House-Mix. Oft sind Eltern und Freunde aus der Türkei zu Besuch.



Sir Colin: «Nachtarbeit ist megahart»

Persönlich.  Star-DJ Sir Colin (34) über die Nebenwirkungen seines Berufs aufs Privatleben, die Entwicklung von Hip-House-Musik und die Geschehnisse in der Türkei.

Fussballklub würden Sie spielen, wenn Sie es in Ihrer ersten Leidenschaft so weit gebracht hätten wie als DJ?
Sir Colin: Ich wäre linker Flügel beim FC Barcelona! 

An Selbstvertrauen mangelt es Ihnen nicht …?
Nein, ich war talentiert und spielte mit 17 beim FC Wädenswil schon in der 1. Liga. Als ich wegen eines Kreuzbandrisses ein Jahr pausieren musste, brach für mich eine Welt zusammen.

Wie wurden Sie DJ?
Obwohl ich intensiv für mein Comeback trainierte und dafür betete, war ich nach der Verletzung nicht mehr so stark und schnell wie vorher. Aber wo eine Türe zu geht, tut sich eine andere auf. Ich begann, an Wochenenden Platten aufzulegen und konnte so meinen Lehrlingslohn aufbessern. Da war wichtig für mich. Ich bin in sehr bescheidenen Verhältnissen im Ausländer-Ghetto von Wädenswil aufgewachsen. So wurde mein Hobby zum Beruf.

Welche Beziehung hatten Sie vorher zu Musik?
Meine Eltern waren aus der Türkei in die Schweiz gekommen, damit meine Geschwister und ich es einmal besser haben sollten. Sie hatten nicht nur darauf bestanden, dass ich eine Lehre mache, sondern auch, dass ich die Möglichkeit nutzte, in der Schule ein Instrument zu lernen. So konnte ich bereits so viel Klavier spielen und Noten lesen wie es nötig ist, um selbst elektronische Musik zu produzieren.

Was unterscheidet den Star-DJ vom Sport-Star?
Der Ruhm ist der Gleiche – und die Schwierigkeit, damit umzugehen. In der Öffentlichkeit hast du kein Privatleben mehr. Auf die Gesundheit achtet ein DJ weniger – am Anfang jedenfalls ...

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Alkohol und Drogen sind für mich tabu. Aber ich esse gerne.»

Was meinen Sie damit?
Alkohol und Drogen sind für mich tabu. Aber ich esse sehr gerne. Während ich mir früher vor dem Fussball-Training zwei bis drei Teller Spaghetti und nachher eine Pizza leisten konnte, ging das dann nicht mehr: Die Kalorien schlagen an. Nach dem Fussball-Aus begann ich zu rauchen. Vor zwei Jahren habe ich aber damit aufgehört, weil ich merkte, was ich dem Körper antue.

Wie anstrengend ist die Nachtarbeit?
In den ersten sechs Jahren, als ich alles tat, um mir einen Namen zu machen, war es megahart. Oft hatte ich von Donnerstag bis Sonntag sieben Auftritte, zwischen Genf und St. Gallen. So machte ich 100 000 Kilometer im Jahr, einen Grossteil davon nachts. Nach den schweisstreibenden Sets musst du dich im Auto umziehen und pünktlich im nächsten Club eintreffen. Zum Glück kann ich mir inzwischen einen Chauffeur leisten und auf Jobs am Donnerstag und Sonntag verzichten. Aber hart ist es immer noch.

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Inzwischen kann ich mir einen Chauffeur leisten»

Ist das mit ein Grund, dass Sie Single sind?
Es ist tatsächlich nicht leicht, eine Partnerin zu finden, die dieses Leben teilen will. Wenn man mehr aneinander vorbei als miteinander lebt, bleibe ich lieber frei und allein. Ich fühle mich nicht einsam, da meine Schwester in meinem grossen Haus wohnt und uns meine Eltern aus der Türkei oft besuchen.

Mit welchen Gefühlen haben Sie als Secondo die Ereignisse auf Istanbuls Taksim-Platz verfolgt?
Von Freunden, die dort leben, weiss ich, dass Präsident Erdogan lange gut regiert hat, aber jetzt macht er Fehler und wird hinterfragt. Wenn Erdogan die Regeln unseres Staatsgründers Ata-türk ausser Kraft zu setzen und einen rein islamischen Staat zu errichten versucht, passt das auch mir nicht. Jeder Mensch soll seine Religion ausüben und seine Sprache sprechen können.

Der offizielle House-Mix zur Street Parade stammt wie vor zehn Jahren von Ihnen. Was hat sich verändert?
Heute ist er nur noch eine schöne Visitenkarte, verkauft sich jedoch kaum mehr, da eine CD, die am Freitag in der Schweiz he-rauskommt, schon am Samstag gratis von einem russischen Server runtergeladen werden kann. Nur der Upload wäre strafbar. Die Beats sind heute nur noch synthetisch, nicht mehr mit Schlagzeug eingespielt. Es gibt im Mainstream auch keine eigenständigen Stile mehr. Hip-Hop, House, Rock, Funk und Blues werden einfach in einen Song reingepackt.

… sagt ein Mashup-Pionier?
Ja, auch ein gutes Konzept wird versaut, wenn es weltweit fast nur noch auf billige, seelenlose Art kopiert wird!

Wie haben Sie die Street Parade 2012 erlebt, als Sie sich unters Festvolk mischten?
Ich habe viele Familien mit Kindern gesehen, die den Plausch hatten, aber auch zu viele besoffene junge Leute. Mit 16 darf man höchstens so viel Alkohol konsumieren, dass man noch stehen kann. Oft wird der Eindruck erweckt, abzustürzen wäre cool, aber das stimmt nicht.

Sir Colin

Geburtsdatum: 2. Februar 1979 in Richterswil als Engin Colin Kiliç
Beruf: House-DJ und Musikproduzent
Ausbildung: Hochbauzeichner-Lehre
Wohnsituation: Wädenswil, in Wohngemeinschaft mit Schwester Firuze (28) und English Bulldog Aragorn 
Laufbahn: Mit 12 Jahren legte Engin in der Jugi Wädenswil erstmals Platten auf, ab 1997 machte er sich als Sir Colin im Luzerner Club Pravda, dem Zürcher Oxa und an der Street Parade einen Namen. Von seinen letzten 12 Solo-CDs erreichten 10 die Top 10 der Schweizer Hitparade. 
Aktuell: CDs: «Play» und «Street Parade Official House 2013»
Auftritte: 9. August Rapperswil Seenachtsfest. 10. August Zürich Street Parade: ab 15 Uhr mit dem Wagen unterwegs, zwischendurch legt er auf den beiden Hauptbühnen auf, um 23 Uhr im Kongresshaus und um 3 Uhr an der Afterparty im Carlton. 

Mehr Infos: www.sircolin.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Sonea "Die Heilerin"

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Aragorn (Herr der Ringe) 

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Mein daddy

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Life of pie 

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Herr der Ringe

Ihr Lieblings-Filmheld?
Aragorn

Was für Musik hören Sie gerade?
Daft Punk "random access memories"

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Daft Punk (alle editionen)

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Giorgio Moroder

Was kochen Sie selbst?
Verschiedenes (Teigwaren, Reis usw)

Ihre Lieblingsspeise?
Karniyarik (türkisch, mit Hackfleisch gefüllte Auberginen a la atay)

Ihr Lieblingsgetränk?
Kaffee

Mit wem essen Sie am liebsten?
Family

Und wo essen Sie am liebsten?
Zuhause

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Auto

Wein oder Bier?
Keins der beiden

Pasta oder Fondue?
Fondue

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Vor ca 5 Jahren

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Gute Witze oder Sprüche

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Adler

Wovon träumen Sie?
Internationale Anerkennung meiner Musik

Was ist für Sie das grösste Glück?
Gesundheit!

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!

Sir Colin in Action:



Quelle: YouTube

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Siggi Bucher
Veröffentlicht:
Montag 22.07.2013, 12:45 Uhr

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