Der Traum eines jeden Weinliebhabers: ein guter, optimal temperierter und schöner Weinkeller.

So fühlt sich Ihr Wein wohl

Auch wenn es schön aussieht: Das Regal im Wohnzimmer ist der falsche Ort, um Wein aufzubewahren. Edle Tropfen mögen es lieber dunkel, ein bisschen feucht und weder zu warm noch zu kalt.

Eines vorweg: Nicht alle Weine profitieren davon, wenn sie ein paar Jahre gelagert werden. «Anders als noch vor 20 bis 30 Jahren kommen heutzutage die meisten Weine schon trinkreif auf den Markt», sagt Thomas Küpfer, Leiter Lager und Logistik bei der Weinhandlung Cultivino in Liebefeld bei Bern. Allerdings gebe es auch heute noch höherwertige Weine, die länger im Fass ausgebaut wurden. «Frisch in Flaschen abgefüllt, sind diese oft noch etwas verschlossen und entwickeln ihre Aromen erst nach einer gewissen Lagerzeit», sagt der Weinfachmann.

Ein Barolo etwa eigne sich zur längeren Lagerung. Ebenso ein Amarone oder ein Châteauneuf-du-Pape. Entscheidend sei aber die Machart des Weines. Modern gekelterte Barolo könne man auch schon jünger geniessen. Bei Weissweinen lohne sich die Lagerung etwa bei Weissen aus dem Burgund, die aus Chardonnay-Trauben hergestellt werden. «Auch Rieslinge sind prädestiniert», sagt Thomas Küpfer. «Die frischen Fruchtnoten verschwinden, während die sogenannte Petrolnote sowie erdige Noten nach gedörrten Früchten entstehen.» Schlussendlich sei das Ganze aber auch Geschmackssache. «Nur weil man einen Wein lagern kann, heisst das noch nicht, dass man es auch muss.»

Für einen idealen Lagerraum sind die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit entscheidend. Glücklich, wer einen Naturkeller sein Eigen nennt. Moderne Keller haben oft einen Betonboden und sind tendenziell zu trocken. Auch schlecht isolierte Heizungsrohre können ein trockenes Klima begünstigen. Generell gilt Folgendes:

Möglichst dunkel sollte es im Weinkeller sein. UV-Strahlen können das Aroma und die Farbe des Weines ungünstig verändern. Handelsübliche Weinklimaschränke (siehe z. B. www.fust.ch) haben daher einen UV-Filter.

Wärme trägt zur schnelleren Alterung des Weines bei. Studien haben gar gezeigt, dass Wein bei 20 Grad etwa doppelt so schnell reift wie bei 10 Grad Celsius. «Die ideale Lagertemperatur beträgt 12 bis 14 Grad», sagt Thomas Küpfer. Zudem sei eine gewisse Konstanz wichtig. Die Weinqualität leide bei kurzfristigen Temperaturschwankungen – etwa, wenn die Temperatur innert einer Woche um zehn Grad steige und kurz darauf wieder sinke. Wenn sich die Temperatur hingegen über Monate hinweg nur leicht verändere, sei dies weniger dramatisch. Das Lager der Cultivino habe derzeit knapp 14 Grad. Im Winter sei es etwas kälter, im Sommer etwas wärmer.

Auch bei der Luftfeuchtigkeit gilt es, ein gutes Mittelmass zu finden. «Ist es allzu feucht, lösen sich die Etiketten, ist der Raum zu trocken, können die Korken brüchig werden.» Thomas Küpfer sieht die ideale Luftfeuchtigkeit bei 50 bis 60 Prozent. 

Liegend oder stehend? Lange Zeit hiess es, Wein sollte ausschliesslich liegend gelagert werden. «So werden die Zapfen immer mit Wein benetzt und trocknen nicht aus», sagt Küpfer. Bei kostbaren Weinen, die zehn oder mehr Jahre gelagert werden, gelte diese Regel noch immer. «Wenn ein Wein eher kurz gelagert wird, ist es prinzipiell auch in Ordnung, die Flasche stehend zu lagern.» Denn der Korken kann die nötige Feuchtigkeit auch aus dem Wein ziehen, ohne mit ihm Kontakt zu haben. Bei Weinen mit Kunststoffkorken oder Schraubverschlüssen hingegen spiele die Lagerungsposition keine so grosse Rolle. 

Wer jetzt den optimalen Ort zur Lagerung von Wein gefunden hat, steht noch vor einer letzten offenen Frage: Wie behält man den Überblick über seine Trouvaillen? Soll man sie nach Jahrgang ordnen, nach Herkunft oder nach gar nach dem Preis? «Ich würde sie nach Herkunft, allenfalls gar nach Region sortieren», so Küpfer. Ausserdem mache es Sinn, Weiss- und Rotweine zu separieren. Auf Schildern am Flaschenhals könnte man zudem weitere Infos anbringen. Etwa, wann der Wein trinkbereit ist. Denn Wein nur zu lagern ist schliesslich nicht der Sinn der Sache …

«Schlechte» Jahrgänge: Auch positive Seiten

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

2013 war in vielen Weinbauregionen Europas ein sogenannt schwieriges Jahr. Ein kühles Frühjahr, Regen, Hagel, Frost, Stürme und unstetes Wetter zur Erntezeit führten zu Problemen mit Reife und Rebkrankheiten. Das heisst aber nicht, dass jetzt schlechte Weine auf uns warten. 

Heute wird im Rebberg und Keller sehr sorgfältig gearbeitet und wirklich schlechte Weine sind kaum mehr zu finden. Ausserdem haben weniger gut bewertete Jahrgänge ihre guten Seiten:

Erstens erlauben uns erst mittelmässige Jahrgänge, die Qualität der Topjahrgänge zu schätzen.

Zweitens sind Weine aus kühlen Jahrgängen mit erhöhter Säure und schlankem Körper hervorragende Essensbegleiter.

Drittens können in Regionen wie dem Bordeaux, dem Burgund oder der Toskana, wo die Qualität des Jahrgangs direkt Auswirkungen auf den Preis der besten Weine hat, Schnäppchen nur in weniger hochgejubelten Jahrgängen gejagt werden.

Der Power- Rosé

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin
Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

Ganz schön dunkel, dieser Rosé? Ich würde sogar noch weiter gehen: Dies ist beinahe schon ein heller Rotwein. Kein Wunder, bleibt der Most für diesen Tropfen aus dem südlichen Rhonetal doch bis zu 48 Stunden auf den Traubenschalen, welche ihm Farbe und Gerbstoffe geben; deutlich länger als viele andere Rosés. Entsprechend ausdrucksvoll kommt der Château d'Aquéria daher. Er duftet überschwänglich nach Erdbeere und Himbeere, begleitet von einer leicht blumigen Note. Am Gaumen zeigt er viel Stoff, dezente Fruchtsüsse und sogar einen leichten Tannineindruck im Finale. Ein hocharomatischer Qualitätstropfen, der wie viele Rosés aus der Appellation Tavel auch einige Jahre im Keller reifen kann. Fast zu schade für den Apéro – passt toll zu weissem Fleisch.

Tavel AOC Rosé Château d’Aquéria, 2012

Preis: Fr. 14.95/75 cl
Herkunft: Frankreich
Region: Provence
Rebsorten: Bourboulenc, Clairette, Grenache noire, Mourvèdre, Cinsault, Picpoul
Genussreife: 1–3 Jahre ab Ernte
Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen und bei Coop@Home

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Nicole Hättenschwiler

Stv. Chefredaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt, zVg
Veröffentlicht:
Montag 07.04.2014, 21:00 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Recettes
Entdecken Sie spannende Rezepte


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?