Nebst Klassikern wie der Burgunder-Flasche (ganz links) gibt es Modelle in verschiedenen Formen und Farben, etwa den Bocksbeutel (3. von rechts) oder die Schlegelflasche (2. v. r.). 

So ne Flasche!

Ob klein und bauchig oder gross und schlank, Wein wurde schon in die verschiedensten Flaschenformen abgefüllt. Trotzdem haben sich vor allem drei Versionen durchgesetzt.  

Breite, hohe Schultern, ein  dünner Hals und ein zylindrischer Körper – nein, das ist nicht die Beschreibung eines Männermodels, sondern die einer Weinflasche und einer bekannten noch dazu – nämlich der Bordeaux-Weinflasche. Weltweit ist sie die am häufigsten verwendete Weinflasche. Typisch sind die bereits erwähnten akzentuierten Schultern und der Bodeneinstich. Letzterer soll  dazu dienen, dass das Einschenken sehr elegant wirkt. Der Daumen der Hand verschwindet im Einstich und die anderen vier Finger werden am unteren Flaschenrand platziert. Das soll auch den Vorteil haben, dass das bei langer Lagerung entstandene Depot beim Aufrichten der Flasche im schmalen Inneren zu liegen kommt. Und beim Einschenken wird es wenig aufgewirbelt. 

Neben dem Einstich sollen auch die markanten Schultern nicht nur der Schönheit dienen: Sie sollen ebenfalls verhindern, dass das Depot beim Dekantieren oder Karaffieren in die Karaffe fliesst. Eine nicht ganz unwichtige Rolle spielte bei der Entwicklung dieser Flaschenform jedoch auch, dass sie sich von der älteren Burgunderflasche unterscheiden sollte.

Die Burgunder-Flasche

Mit ihrer bauchigen Form, dem kurzen Hals und den abfallenden Schultern ähnelt die Burgunderflasche der Ur-Weinflasche, die noch bauchiger war. Sie wird heute im Burgund, aber auch weltweit eingesetzt, im Wesentlichen für die Rebsorten der Burgunderfamilie: Das sind Pinot Meunier, Pinot Noir, Pinot Gris, Pinot Blanc und Chardonnay. Damit wird den Ursprüngen der Rebsorten Rechnung getragen.

Die Schlegelflasche

Der Ursprung dieser lang gezogenen Flasche liegt in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Verwendet wird sie traditionell für Rieslingweine, Gewürztraminer und Dessertweine. In der Schweiz ist sie auch als Rheinweinflasche bekannt. 

Einheitsflaschen

Das Aufkommen von regionaltypischen Flaschen begann Mitte des 18. Jahrhunderts. Ziel war es, sich durch das äussere Erscheinen von anderen Regionen zu unterscheiden. Heute ist es eher umgekehrt: Die Weinproduzenten wählen eine der bekannten Flaschenformen, da sie sich erhoffen, dass mit der gleichen Flaschenform auch ein Teil der Reputation der Qualitätsweine mit ihrem Wein in Verbindung gebracht wird. Ein anderer Grund für die Vereinheitlichung: Eine eigene Flasche herstellen zu lassen (30 000 bis 50 000 Franken - einmalige Kosten allein für die Formen) kann ins Geld gehen. 

Eigene Richtlinien

Was den meisten Flaschen jedoch gemein ist, ist das Inhaltsvolumen. Dieses wurde 1977 von der Europäischen Gemeinschaft auf 75 cl und 100 cl festgelegt sowie das Vielfache und Teilbare davon. Weltweit halten sich die meisten Produzenten an diese Richtlinie. In der Schweiz waren und sind wir aber immer schon ein wenig eigen gewesen und so wird hier auch weiterhin – primär im Laveaux im Waadtland und im Wallis – traditionell Wein in 70-cl-Flaschen abgefüllt.

Kein Zusammenhang

Jan Schwarzenbach, Önologe

Oft wird der Anspruch des Weinproduzenten auf hohe Qualität seines Weins oder zumindest auf einen höheren Preis mit einer schweren Glasflasche unterstrichen. Vor allem weniger versierte Weingeniesser und Weinliebhaberinnen bringen deshalb schwere Flaschen mit hochwertigen Weinen in Zusammenhang. Allerdings sagt die Flaschenform und das damit verbundene Gewicht oft mehr über die Herkunft oder den Stil des Weines aus als über seine Qualität. In den 1980er-Jahren kamen viele regionaltypische Flaschen auf, wie die geprägte Flasche aus dem Châteauneuf-du-Pape und der Bocksbeutel. Letzteres bezeichnet eine plattgedrückte bauchige Flasche aus Franken. In diese Flaschen werden alle Qualitäten der Appellation gefüllt. Alteingesessene Spitzenweine wie die bekannten Châteaux aus dem Bordeaux verlassen sich auf ihre Etikette und ihre Markenstärke und verwenden meist unauffällige Flaschen. Schwere Flaschen verkörpern also einen Anspruch auf hohe Qualität und nicht diese selbst. 

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Michaela Schlegel

Redaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt jr. 
Veröffentlicht:
Montag 09.03.2015, 17:04 Uhr

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