Spassmacher: Divertimento geht wieder auf Tournee

Komiker-Duo Jonny Fischer (37) und Manu Burkart (39) nehmen erneut eine Auszeit – allerdings nur im Programm «Sabbatical». Ein Gespräch über depressive Humoristen und misslungene Auftritte.

Bringt uns zum Lachen!
Jonny: Das können wir nicht. Peach Weber ist ein wunderbarer Witzeerzähler. Bei uns entsteht der Witz jedoch aus der Situation heraus. Schreibt man diesen Gag auf, funktioniert er nicht mehr.
Manu: Ich beneide Kollegen, die das draufhaben. Die Witze, die ich kenne, sind viel zu gruusig für eine Familienlektüre wie die Coopzeitung.

Wenn nun aber wir umso witziger sind – könntet ihr darüber lachen oder werdet ihr grantig, weil wir lustiger sind?
Jonny: Damit haben wir keine Probleme. Es gibt sehr viele Menschen, die im Alltag lustiger sind als wir. Das garantiert aber nicht, dass ihr Humor auch auf der Bühne funktioniert. Umgekehrt kennen wir viele Berufskollegen, die eher ernste Persönlichkeiten sind, auf der Bühne aber wie auf Knopfdruck abliefern. Früher glaubten wir, bei jedem Interview den Löli machen zu müssen, damit unser Gegenüber merkt: Die können etwas. Das machen wir heute nicht mehr. Wenn wir auf der Bühne witzig sein müssen, dann funktioniert es in der Regel auch.
Manu: Es ist sackschwer, im Alltag auf Bestellung lustig zu sein. Es gibt die Rampensäue – Marco Rima ist so einer –, die immer und überall Vollgas geben. Auf der Bühne und privat. So sind wir nicht, was aber nicht bedeutet, dass wir es im Freundeskreis nicht auch gerne lustig haben.

Wenn ihr einkaufen geht, erwarten dann die Leute einen Spruch von euch?
Jonny: Es ist vielmehr so, dass die Leute selber Sprüche machen. Vor allem Männer ab 45 Jahren finden, sie seien besonders witzig. Die wollen uns auch Tipps für die Shows geben: «Baut doch bitte diesen Spruch ein, dann sind die Lacher garantiert!» Von mir aus komme ich aber nicht auf die Idee, einen Wildfremden unbedingt zum Lachen bringen zu müssen.

Nervt diese Erwartungshaltung?
Manu: Ich habe es tatsächlich lieber, wenn jemand das ganz normale Gespräch sucht – ohne dass ich witzig sein muss. Oder noch schlimmer: Dass ich aus blosser Höflichkeit lachen muss. Das ist dann gar nicht lustig. (Lacht.)

Euer Programm heisst «Sabbatical». Benötigen kreative Menschen unbedingt Auszeiten, um kreativ zu bleiben?
Manu: Ich denke, jeder Mensch braucht Auszeiten, während denen er sich zurückziehen kann.
Jonny: Wenn man im Alltag keine Zeit mehr für sich hat, wird es kritisch. Das war bei uns der Fall. In den letzten fünf, sechs Jahren standen wir entweder auf der Bühne oder schrieben an unserem Programm. Dadurch nahmen wir gar nicht mehr am normalen Leben teil, zu dem mal ein gewöhnlicher Einkauf, der Besuch einer Hochzeit oder eines Fitnessstudios gehört.
Manu: Es ist aber das normale Alltagsleben, das uns Inspirationen für unser Programm liefert. Allmählich gingen uns die Themen aus.
Jonny: Also sagten wir uns: Jetzt müssen wir wieder an diesem Leben teilnehmen. Manu ging mit seinen Kindern ins Mukiturnen, war Familienvater, machte mit Freunden ab und vieles mehr. Ich besuchte Sprachkurse, arbeitete bei Tixi Taxi und reiste viel. Als wir uns nach der Auszeit wieder trafen, war unser Rucksack prall gefüllt mit neuen Geschichten.

Die Universität Oxford befragte in einer Studie 523 Komiker. Der gar nicht witzige Befund: Komödianten besitzen oftmals Charakterzüge, die Menschen mit manisch-depressiver Erkrankung oder Schizophrenie zugeordnet werden. Seid ihr auch davon betroffen?
Jonny: Bei mir ist es eher eine gewisse Melancholie, die sich bemerkbar macht. Auf der Bühne sind die Gefühle radikaler: Manchmal befindet man sich in einem Hoch, zwischendurch gehts auch wieder steil runter.
Manu: Nach aussen hin bist du als Komiker eigentlich immer im Hoch.
Jonny: Genau, auch wenns einem besch ... geht.
Manu: Daher kann ich mir gut vorstellen, dass du irgendwann – nach all den Jahren in diesem inszenierten Hoch – in ein Loch fällst. Von Mr. Bean weiss man, dass er solche seelischen Achterbahnfahrten durchmacht.

Sollte der Staat Sabbaticals finanziell unterstützen?
Manu: Weshalb jemanden unterstützen für eine Auszeit und weshalb jemand anderen nicht? Wir sind sicher sehr privilegiert, dass wir ein Sabbatical einschieben und das selber finanzieren können.

«

Wir haben Stan Wawrinka den Vortritt gelassen, bis heute aber kein Merci erhalten.»

Reden wir über Humor. Wer sind eure Vorbilder?
Jonny: Bei den Komikern würde ich nicht von Vorbildern sprechen, das klingt so, als würden wir jemanden nachahmen wollen. Was wir aber nicht tun. Reden wir lieber von Komikern, die uns inspirieren. So wie Heinz Erhardt. Keiner konnte sich schöner ausdrücken als er. Eine Inspiration sind und waren auch Otto, Marcocello oder die Schmirinskis.
Manu: Mir gefallen auch Martina Schwarzmann und Massimo Rocchi. Und nicht zu vergessen Donald Trump. Keiner ist so tragisch komisch wie er.

Die «Sonntagszeitung» hat ein Ranking der beliebtesten Schweizer Komiker veröffentlicht. Platz 1 belegt Gabriel Vetter, ihr folgt auf Rang 6. Könnt ihr damit leben?
Jonny: Was Gabriel Vetter macht, ist brillant. Ich gönne es ihm, finde aber, dass man Komiker nur schwer miteinander vergleichen kann – so verschieden, wie ihr Humor ist. Das wäre, wie wenn man Fussballer mit Schwingern vergleichen würde.

Würde es anders tönen, wenn ihr gewonnen hättet?
Jonny: Nein. Wir waren schon einmal auf Platz 1, öffneten aber keinen Champagner. Weil das Ranking von einem einzigen Menschen erstellt wird.
Manu: Solche Ratings sind nicht repräsentativ. Humor in eine Rangliste zu setzen, finde ich ein No-Go. Humor ist etwas Individuelles.

Wie lustig fandet ihr es, als ihr 2014 hinter Stan Wawrinka den zweiten Platz in der Wahl zum Schweizer des Jahres belegtet?
Jonny: Das hat uns echt zu schaffen gemacht. Weil wir wussten: Diese Chance kommt nur einmal. Auch weil es Tausende von Menschen gibt, die in unserer Welt Wichtigeres anstellen.
Manu: An jenem Abend hingegen haben wir einen Champagner geöffnet … um uns darüber hinwegzutrösten. Stan aber hat dadurch, dass wir ihm den Vortritt liessen, einen zusätzlichen Schub erhalten. Kurz darauf gewann er das Australian Open. Bis heute haben wir kein Merci von ihm erhalten …  Ein typischer Welscher halt! (Lacht.)

Was geht gar nicht beim Humor?
Jonny: Privat gibt es keine Grenzen. Da gilt für mich die Devise: je schwärzer, desto besser.
Manu: Auf der Bühne lassen wir Themen aussen vor, die von Terrorismus, Naturkatastrophen, Armut oder Gotteslästerung handeln. Und wir schauen darauf, dass wir keine Menschen ausschliessen. Viel hat auch mit Erfahrung zu tun: Mit der Zeit kannst du besser abwägen, ob es wert und wirklich sinnvoll ist, einen Witz zu bringen oder nicht.
Jonny: Deshalb haben wir die Latte für unsere Gags hoch gehängt. Es wäre schade, wenn du die Zuschauer zwei Stunden bestens unterhältst, dann aber mit einem einzigen Spruch ein Drittel von ihnen verärgerst, sodass diese nicht mehr kommen. Würden wir mal ohne Rücksicht so richtig die Sau rauslassen und nicht salonfähige Witze reissen, müssten wir ein Spezial-Programm kreieren …
Manu: … «Only for Adults» zum Beispiel …
Jonny: … und in Kauf nehmen, dass die Hälfte unseres Stammpublikums nicht mehr kommen würde. Emil wurde kürzlich auch gefragt, weshalb er nie über heikle Themen Witze macht. Er antwortete, dass es genug Themen gebe, über die man sich problemlos lustig machen könne.

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Nennt bitte ein Beispiel, wo ihr die Grenze zieht!
Jonny: Du kannst einen Witz übers Mukiturnen machen oder aber darüber, wie du es mit deiner Frau auf dem Küchentisch getrieben hast. Beides kann lustig sein, aber im zweiten Fall schliesst du sicher einen Teil des Publikums aus. Weil es zu deftig ist.

Auf eurer Homepage schreibt ihr von «misslichen Umständen», unter denen ihr in eurer Anfangszeit aufgetreten seid. Was war ein solch misslicher Umstand?
Manu: Einmal durften wir in einer rauchgeschwängerten Turnhalle zum Jahresessen vor 280 hackedichten Lastwagenfahrern auftreten. Dort stellten sie für uns in der hintersten Ecke der Halle eine kleine Bühne auf. Ohne Mu-
sikanlage und Mikrofon. So naiv, wie wir waren, hatten wir nichts dagegen, dass während unseres Auftritts weiter serviert wurde. So kam es, wie es kommen musste: Keiner verstand auch nur ein Wort von uns. Es war ein Desaster.
Jonny: Einmal spielten wir an einem Anlass einer Internetfirma. 80 Prozent der Gäste waren englischsprachig und schauten uns nur ratlos an. Als wir jedoch einen Song präsentierten, kamen sie alle auf die Bühne und tanzten sofort ab. Sie glaubten, wir seien die Unterhaltungsband. Als das Lied zu Ende war, wurde es natürlich wieder unangenehm.

Ist es einfacher, als Duo zu funktionieren?
Jonny: Nein, es ist schwieriger. Weil wir uns bei jedem Satz entscheiden müssen: Wer sagt was, damit der Anschluss passt. Vergisst du etwas, weiss dein Partner oft auch nicht mehr weiter. Und die Pointe ist im Eimer.
Manu: Weil wir aber schon seit mittlerweile 16 Jahren zusammen arbeiten, läuft vieles automatisch ab. So wie während der gestrigen Aufführung. Ich bin ja kürzlich Vater geworden …
Jonny: … das sagst du mir erst jetzt in diesem Interview?
Manu: (Lacht.) Wir sprachen vor der Show nicht darüber, doch an einer Stelle war beiden klar, dass das der richtige Zeitpunkt für einen Witz zu diesem Thema ist. Das geht nur, weil wir uns nach all den Jahren genau spüren.

Besteht bei einem Duo nicht die Gefahr, dass der eine auf den anderen neidisch ist, weil dieser besser beim Publikum ankommt?
Jonny: Duos funktionieren meist wie Dick und Doof. Der Doofe ist der Lustigere. Das kann man nicht ändern, das Publikum will das auch nicht umgekehrt. Der eine ist der Flankengeber, der andere schiesst das schöne Tor. Beide Spieler haben ihre Aufgabe, beide sind wichtig. In unserem Programm ist das aber fast gleichmässig aufgeteilt.

Ihr wart früher Lehrer. Welcher Beruf ist fordernder, Komiker oder Lehrer?
Jonny: Beide Berufe sind anstrengend. Als Komiker wird es dann hart, wenn du eine Pointe in den Sand setzt. Nirgendwo ist es stiller, als wenn du vor 2000 Zuschauern auf der Bühne stehst und keiner der Zuschauer auf einen Gag reagiert. Niemand lacht nur aus Höflichkeit. Dann kann es schnell peinlich werden. Das ist, wie wenn der Onkel Heinz an einer Hochzeit Witze erzählt und die Gäste sind peinlich berührt. Du stehst also unter dem dauernden Druck, die Leute zum Lachen zu bringen. Damit muss man erst fertig werden.

Könnt ihr euch vorstellen, nochmals zu unterrichten?
Manu: Nicht als Volksschullehrer, aber sonst kann ich mir schon vorstellen, irgendwann wieder in der Bildung, vielleicht sogar in der Erwachsenenbildung, tätig zu werden.
Jonny: Ich nicht. Ich würde wohl auch keine Stelle mehr finden. Weil sich die Rektoren denken: Der macht dann im Klassenzimmer den Clown.

Jonny Fischer kommt 1979 laut, überraschend und nicht minder ungestüm zur Welt. Der Baselbieter beginnt nach dem Progymi eine Verkäuferlehre, die er wieder abbricht. Danach nimmt er in Zug die Lehrerausbildung in Angriff.

Im Internat St. Michael lernt er den Zürcher Oberländer Manuel «Manu» Burkart kennen, der 1977 – vom grellen Neonlicht geblendet – geboren wurde.

Die Geburtsstunde von Divertimento erfolgt 1999 an einem depressiven Novemberabend, als Manu im Singsaal des Internats am Klavier improvisiert und sich Jonny als blödelnder Duettpartner dazugesellt.

2001 stehen sie als Divertimento erstmals auf der Bühne. Der Rest ist eine einzigartige Erfolgsstory mit zahllosen ausverkauften Vorstellungen.

Die Comedyshow «Sabbatical» von Divertimento ist auch im zweiten Tourneejahr bereits ausverkauft. Dank des Presenting Sponsors Coop können Leserinnen und Leser der Coopzeitung aber exklusiv noch Tickets mit 20 Prozent Supercard-Rabatt kaufen. Eintrittskarten gibt es in limitierter Anzahl für alle Vorstellungen ab dem 3. Oktober 2017 in Zürich. Tickets gibts ab Dienstag, 26. September 2017, um 12.00 Uhr unter www.starticket.ch oder an allen anderen Starticket-Vorverkaufsstellen.

www.coop.ch/divertimento

Leider konnten nicht alle Tickets, die am 26.9.2017 um 12.00 Uhr in den Vorverkauf gingen, mit einem 20% Supercard-Rabatt gekauft werden. Ein technisches Problem seitens Starticket hat dies verhindert.

Bitte wenden Sie sich an den Starticket Kundendienst unter ticketing@starticket.ch damit Ihnen der Rabatt von 20% gutgeschrieben werden kann. Bitte teilen Sie hierfür Ihre Bestellnummer mit, sie finden diese auf jedem Ticket oberhalb des Barcodes hinter der Bezeichnung «ord:».

Entschuldigen Sie den entstandenen Mehraufwand.

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