Christoph Schwegler im Weinberg.

Staatskellerei Zürich: Gottfried Kellers «Erbe»

Spitäler und Anstalten waren gestern: Heute ist das Zielpublikum der Staatskellerei Zürich ein ganz anderes. Klar ist jedoch, dass diese seit über 150 Jahren ein sicherer Wert ist, wenn es um Weine geht. 

Christoph Schwegler kam früh mit Wein in Kontakt. Bei seinem Grossvater durfte er jeweils am Glas schnuppern, wenn dieser sein «Schöppli» trank. Dazu gabs dann die Geschichte des Weins – woher er kommt, aus welchen Trauben er gemacht wurde, wie er mundet und zu was er passt. «Eine spezielle Episode gabs auch immer», erzählt Schwegler. Wohl nach dem Motto «Se non è vero, è bon trovato» – wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden.

Einiges davon weckte das Interesse des Jungen und liess ihn nicht mehr los. Jahre später kam es zum Schlüsselerlebnis: «Als 20-Jähriger durfte ich an einer Degustation verschiedenster Jahrgänge des Spitzen-Bordeaux Château Cheval Blanc teilnehmen», so Schwegler. «Das hat mein Faible für Wein endgültig und unwiderruflich geweckt.» Zwar entschied er sich für eine Ausbildung im Tourismus, «ich hatte allerdings schon vor dem Abschluss der Tourismusfachschule mehr Bücher über Wein in meinem Regal stehen als solche über Tourismus». Auch heute noch stöbert er in Buchantiquariaten nach Weinbüchern und stockt seine Sammlung auf.

Alte Dinge haben es ihm so oder so angetan. Schwegler ist auch ein Liebhaber von altem Jazz, mag Sänger und Musiker wie Joe Dassin und Michel Fugain. Auch ältere Filme schaut er sich gerne an: «Solche mit Cary Grant oder Rock Hudson oder dann die Thriller von Alfred Hitchcock.» Am liebsten hält er sich aber in der freien Natur auf. Sei es an einem See, am Rhein oder auf einer Bike-Tour. Ab und zu kocht er zu Hause und findet: «Ein genussvoller Abend mit guten Freunden, feinem Essen und tollen Weinen ist doch etwas vom Schönsten.» Übertroffen werden könne das nur von einem warmen Sommertag, an dem er mit seiner Partnerin und natürlich einer Flasche Rosé aus der Staatskellerei am Ufer des Zürichsees sitze und das Leben geniesse.

In den noch immer genutzten Räumen der Klosterkellerei wurde schon 1862 Wein produziert.

In den noch immer genutzten Räumen der Klosterkellerei wurde schon 1862 Wein produziert.
In den noch immer genutzten Räumen der Klosterkellerei wurde schon 1862 Wein produziert.

Apropos Staatskellerei. Seit Ende 2006 ist Christoph Schwegler Geschäftsführer dieser Kellerei, die seit 1997 zur Mövenpick Wein AG gehört. Die «Staatsschreiber»-Weine haben fast schon Kult-Status: der weisse Cuvée aus Pinot Noir, Riesling-Sylvaner, Muskat und Gewürztraminer, und der rote Blauburgunder (siehe Kasten S. 30). Den «Staatsschreiber» tragen die beiden Weine als Erinnerung an den Dichter und Weinliebhaber Gottfried Keller im Namen. Dieser verfasste 1862 in seiner Funktion als Staatsschreiber des Kantons Zürich die Weisung, mit der die Klosterkellerei Rheinau nach Auflösung des Stifts unter kantonale Verwaltung kam. Hatte diese früher die Aufgabe, Trinkweine für Spitäler und Anstalten zu produzieren, so gelten heute andere Ansprüche. Schwegler lacht: «Auch das Zielpublikum ist heute ein ganz anderes.»

Es sei einiges passiert in der Staatskellerei in den vergangenen Jahren, sagt Schwegler. Man pflege die Tradition, visiere aber mit Innovationen eine moderne, trendbewusste Kundschaft an. Die grosse Nachfrage bestätige den eingeschlagenen Weg. Im 429 Jahre alten Klosterkeller in Rheinau werden heute jährlich rund eine halbe Million Flaschen Wein produziert. Die Trauben stammen von gegen hundert Winzern aus dem Kanton Zürich.

Die Arbeit in Rheinau umschreibt der 42-Jährige mit einem Zitat des Mövenpick-Gründers Ueli Prager: «Wir tun nichts Aussergewöhnliches – wir sind bloss erfolgreich, weil wir gewöhnliche Dinge ganz aussergewöhnlich tun.» Gekeltert werden die Weine von Werner Kuster, der seit 22 Jahren in der Staatskellerei wirkt. Verarbeitet werden vor allem Blauburgunder und Riesling-Sylvaner, aber auch Cabernet Jura, Gamaret und Chardonnay. Im Team entstehen authentische Weine wie die Raritäten «EO»,und «Pinot Noir Tête de cru», ein «Gamaret Barrique» oder die Tropfen aus den Linien «Pankraz» und «Compleo». Dazu zwei biodynamisch produzierte Weine, ein Schaumwein und ein Likörwein. Bei Coop im Sortiment sind die Staatsschreiber-Weine, regional auch weitere.

Steckbrief: Christoph Schwegler

Geburtsdatum: 12. Oktober 1971
Beruf: Seit Ende 2006 Geschäftsführer der Staatskellerei Zürich in Rheinau
Laufbahn: Schwegler absolvierte die Tourismusfachschule Zürich und machte direkt nach Diplomabschluss sein Hobby zum Beruf: Er stieg ins Weingeschäft ein. Bei verschiedenen Weinhändlern arbeitete er im Einkauf, Verkauf und in der Administration. Dazwischen baute er mit einem Partner ein Fachgeschäft für Masskonfektion auf, später verkaufte er seine Anteile und landete 2005 bei Mövenpick.
Hobbys: Draussen sein, alte Bücher, Musik, Filme.
Freut sich: «Über die unglaublich fruchtigen und aromatischen Weine des Jahrgangs 2013.»

www.staatskellerei.ch

Ein ungebrochener Trend

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Italienische Weine schaffen es immer wieder von Neuem, die Weingeniesser zu begeistern. Ein aktuelles Beispiel ist der Prosecco. Dieser Schaumwein aus der Provinz Venetien war vor fünfzehn Jahren noch relativ unbekannt und nur in wenigen Märkten stark vertreten. Dann folgte ein bis jetzt ungebrochener Aufstieg. Mit leichtem Körper, erfrischender Zitrus-Aromatik, dezenter Restsüsse und vernünftigem Preis überzeugte Prosecco in kurzer Zeit die Schaumweintrinker weltweit. Im Jahr 2013 wurde zum ersten Mal mehr Prosecco als Champagner verkauft. Um den anhaltenden Durst nach Prosecco zu stillen, wurden 307 Millionen Flaschen verkauft, verglichen mit 304 Millionen Flaschen Champagner. Damit die Qualität der Weine auch bei explodierender Nachfrage mithalten kann, wurde im Juli 2009 der Name «Prosecco» unter einer neuen DOC-Regulierung geschützt.

Finden Sie Proseccos auf der Weinplattform Mondovino

Fast schon Kult

Beim roten Staatsschreiberwein Blauburgunder Zürich AOC steht die Traubensorte im Namen: Pinot Noir. Ein kräftiges Rubinrot und ein feines, fruchtiges Bouquet von Himbeeren und roten Kirschen machen ihn zum aromatischen, weichen und beerigen Partner von hellem Fleisch, Geflügel und zu nicht zu kräftig gewürzten Gerichten. Ideal auch zu Trockenfleisch. Fr. 14.50/75 cl.

Der Staatsschreiberwein Cuvée Blanc Prestige Zürich AOC wird aus Pinot Noir, Riesling-Sylvaner, Muskat und Gewürztraminer gekeltert. Charakteristisch ist die helle Zwiebelschalenfarbe. Seine frische Fruchtigkeit und die ausgewogene Aromenvielfalt machen ihn zum idealen Begleiter von Aperitif, Fischgerichten, Geflügel und Kalbfleisch. Fr. 14.50/75 cl.

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John Wittwer

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 09.06.2014, 00:00 Uhr

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