Ihre Heimat ist Zürich-Wiedikon: Marc Latzels Bienen geht es in der Stadt gut.

Stadtbienen: Der Honig vom Dach

Paris, New York, London, Berlin – in Metropolen auf der ganzen Welt halten immer mehr Leute ihre eigenen Bienenvölker.

Auch in der Schweiz liegt urbanes Imkern im Trend. Etwa in Zürich, wo der Fotograf Marc Latzel seinen eigenen Honig produziert. Vor vier Jahren hat er mit einem Bienenvolk angefangen, heute besitzt er deren sieben. Latzels Bienen wohnen in Magazinen (Bienenkästen) auf dem Flachdach einer Wohngenossenschaft in Zürich-Wiedikon. Vom Dach aus sieht man die Häuser der Nachbarschaft, einen Kirchturm, dahinter den Üetliberg. Das alles passt so gar nicht zum gängigen Bienenbild, das eher in einer ländlichen Idylle verhaftet ist: summende Immlein in einem Meer von Blumen draussen in der Natur ... Doch die Realität ist eine andere. Bienen auf dem Land haben es heute schwer. Wo landwirtschaftliche Monokulturen vorherrschen, finden Bienen kaum mehr Blüten. Oft blühen dort sogar weniger Blumen als in der Stadt! Gebiete wie die Linth-Ebene werden unter Imkern als «grüne Wüsten» bezeichnet.

Natürlich gibt es auf dem Land auch Wiesen mit allerlei Blumen. Diese werden jedoch regelmässig und schon früh in der Saison gemäht. Daher bieten sie kein konstantes Angebot für Bienen auf Nektarsuche. Wenn Raps und Löwenzahn verblüht sind, finden die Tierchen nur noch wenig, woraus sie Honig machen können. Die Imker müssen ihre Tiere dann mit Zuckerwasser füttern. «Macht die industrialisierte Landwirtschaft so weiter», sagt Latzel, «dann glaube ich, liegt die Zukunft der Bienen in der Stadt, nicht auf dem Land.»

Doch: Bienen in einer zubetonierten Stadt? Geht das überhaupt? Aber sicher! Viele Menschen haben Blumen auf ihren Balkons, es gibt Gärten, Trockenbiotope, Brachflächen und Parks. Auch ist in der Stadt das Klima oft milder als auf dem Land. Dadurch können die Bienen länger fliegen. Die Bienensaison in der Stadt beginnt rund einen Monat früher als auf dem Land und dauert auch länger. Im Frühling blühen zum Beispiel der Kirschbaum und der Löwenzahn, Ende Sommer gibts Sonnenblumen, Lavendel. «Die Bienen finden jede Blüte», weiss Latzel. «Wir Menschen merken oft nicht, dass es so viele Blüten hat und wo die überall sind.»

Und noch einen Vorteil haben Stadtbienen gegenüber ihren auf dem Land umherfliegenden Artgenossinnen: Sie leiden nicht unter den Pestiziden, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, ihr Nervensystem schädigen und im schlimmsten Fall den Orientierungssinn stören. Zwar ist in der Stadt dafür die Belastung durch Abgase grösser. Diese scheinen den Bienen allerdings nicht zu schaden. Auch auf die Qualität des Honigs haben die Schadstoffe keine Auswirkung: Der Körper der Bienen funktioniert wie ein Filter, sodass die Gifte nicht in den Honig gelangen. Gemäss Untersuchungen des Zentrums für Bienenforschung der Forschungsanstalt Agroscope ist Stadthonig nicht stärker verunreinigt als solcher vom Land.

«

Die Bienen finden jede Blüte.»

Marc Latzel, Stadtimker

Wer den Bienen etwas Gutes tun will, kann ganz einfach Blumen auf dem Balkon pflanzen, die für Bienen anziehend wirken, etwa einen Mix aus einheimischen Blumen. Neophyten (aus dem Ausland eingeschleppte Pflanzen) interessieren die Bienen nicht. Auch Rosen oder Geranien lassen sie kalt. «Vor allem Spät- und Frühstblüher wie die Saalweide helfen den Bienen», sagt Latzel. «Im Frühling und Sommer ist das Angebot gross genug.»

Davor, sich selber kurzerhand ein Bienenvolk zuzutun, rät er ab. «Imkern will gelernt sein, ist aufwendig und braucht sehr viel Zeit», weiss Latzel aus eigener Erfahrung. «Es ist auch nur sinnvoll, wenn man mehrere Völker hält. Und das gibt eine Menge Arbeit.» Zu viele Bienen sind übrigens auch nicht gut. Sonst hat es auch in der Stadt irgendwann nicht mehr genügend Nahrung für alle, und die Gefahr von Krankheitsübertragungen unter den Völkern nimmt zu.

Wann ist Honig bio?

Die Biene weiss ja nicht, welche Blüten biologisch sind.

Seit Kurzem hat Coop den ersten Knospe-zertifizierten Bio-Blütenhonig aus der Schweiz im Sortiment (250 Gramm, in den meisten Läden erhältlich).

Ob ein Honig biologisch ist oder nicht, hängt von der Haltung und der Pflege der Bienen durch den Imker ab: Ein Bio-Imker befolgt strenge Vorschriften – unter anderem folgende Punkte: Er verwendet Bienenkästen aus natürlichen Materialien, er verzichtet auf chemisch-synthetische Arzneimittel für die Präventivbehandlung, er bekämpft die Varroamilbe nur mit organischen Säuren und biotechnischen Verfahren, er füttert seine Bienen nur mit Bio-Zucker, Bio-Futtersirup und Bio-Honig. 

Der Schweizer Bio-Honig stammt unter anderem von der Ligustica.

Der Schweizer Bio-Honig stammt unter anderem von der Ligustica.
Der Schweizer Bio-Honig stammt unter anderem von der Ligustica.

In der Bio-Imkerei wird die Haltung der Bienen einmal pro Jahr auf die Einhaltung der Bio-Verordnung und der Bio-Suisse-Richtlinien kontrolliert.

Der Bio-Honig bei Coop stammt von den Bienensorten Carnica, Buckfast und Ligustica (Bild). Alle drei sind Unterarten der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera).

Unterkunft für Wildbienen

Das Insektenhotel «5 Sterne» von Windhager bietet Schutz und dient als Nist- und Überwinterungsplatz für viele nützliche Insekten wie zum Beispiel Marienkäfer oder Wildbienen. Wespen siedeln sich hier nicht an. Gefüllt ist das Insektenhotel mit Naturmaterialien wie Rinde, Kiefernholz, Föhren- und Tannenzapfen. Das Häuschen selber ist aus unbehandeltem Massivholz. Die rote Farbe der abnehmbaren Klappe ist auf Wasserbasis.

33,5 × 13 × 50 cm. Erhältlich bei Coop Bau + Hobby.

​​Weitere Informationen auf der Internetseite von Coop Bau + Hobby

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Noëmi Kern

Redaktorin

Foto:
Marc Latzel, Imago Stock & People, zVg
Veröffentlicht:
Montag 26.08.2013, 09:47 Uhr

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