Golf vor historischer Kulisse: Beobachtet von ihrer Familie, locht Ainhoa ein.

Stadtgolf

Bis zu 1000 Personen pro Jahr führen sich die Sehenswürdigkeiten der Thurgauer Hauptstadt golfenderweise zu Gemüte. Das macht Spass – und schlau.

Familie Moirón auf dem Weg durch Frauenfeld: Vater Pablo, Leano, Elea, Mutter Natalia und Ainhoa. 

Familie Moirón auf dem Weg durch Frauenfeld: Vater Pablo, Leano, Elea, Mutter Natalia und Ainhoa. 
http://www.coopzeitung.ch/Stadtgolf Familie Moirón auf dem Weg durch Frauenfeld: Vater Pablo, Leano, Elea, Mutter Natalia und Ainhoa. 

Weit liegt der Ball nicht mehr vom Loch entfernt. Einen halben Meter vielleicht. Noch einmal züngelt Ainhoa Moirón (10) kurz, holt rasch aus und – «Yeah!» Bahn 9 des Stadtgolf-Parcours in Frauenfeld ist gemeistert. Kein Hole-in-one zwar, aber fünf Schläge sind angesichts des rumpeligen Greens ganz okay.
Der Rasen vor Loch 9 mag höheren Ansprüchen zwar in keiner Weise zu genügen, die historische Kulisse macht den Mangel jedoch problemlos wett: das Schloss, das eigentliche Wahrzeichen der Thurgauer Hauptstadt. Der 14-Loch-Stadtgolf-Parcours führt vorbei an markanten Gebäuden und lauschigen Plätzen: an der alten Kaserne, dem Klösterli, den beiden Kirchen in der Altstadt, der neuen und der alten Kantonsschule, der Rüegerholzhalle, dem Marktplatz (Startplatz des jeweils im November stattfindenden Frauenfelder Waffenlaufs) oder dem Botanischen Garten. Wer den ganzen Parcours absolviert, ist gut vier Stunden unterwegs, darf vierzehn Mal einlochen und lernt dabei eine ganze Menge über das 25 000-Seelen-Städtchen. «Stadtgolf ist eine spezielle Art, Frauenfeld kennenzulernen», sagt denn auch Basil Zurbuchen (34), einer der Initianten der Anlage. «Und wer sich nicht so viel Zeit nehmen will oder wem der Weg zu lang ist, der pickt sich nach Lust und Laune ein paar Posten heraus.» Einen gedruckten Führer gibt es zwar nicht, doch auf den Platten für den Abschlag sind neben dem Emblem des Sponsors auch touristische und historische Informationen aufgedruckt.
Ainhoa und ihre Familie durchqueren mit dem Stadtplan, Schläger und Bällen die Altstadt und gelangen an deren Ende zu Loch 8 – mit der Reihenfolge nimmt man es im Stadtgolf nicht allzu genau –, das zwischen der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus und dem Regierungsgebäude liegt.

Spezielles Material: Der Schläger hat drei Spielflächen, die Bälle sind weich.

Spezielles Material: Der Schläger hat drei Spielflächen, die Bälle sind weich.
http://www.coopzeitung.ch/Stadtgolf Spezielles Material: Der Schläger hat drei Spielflächen, die Bälle sind weich.

Stadtgolf ist eine Mischung aus «richtigem» Golf und Minigolf. Gespielt wird auf Rasen – manchmal eher Gras – oder Kiesflächen. «Bei der Platzierung und der Ausgestaltung der einzelnen Posten mussten wir uns an die jeweiligen Örtlichkeiten anpassen», sagt Basil Zurbuchen. Nicht nur in Bezug auf die Länge der Bahnen, sondern auch, was deren Ausrichtung angeht. «Wir mussten uns überlegen, was passiert, wenn ein Schlag misslingt, der Ball zu weit oder in eine falsche Richtung fliegt.» 

Keine(r) zu klein, ein Golfer zu sein: Hier beim Posten 2 im Botanischen Garten.

Keine(r) zu klein, ein Golfer zu sein: Hier beim Posten 2 im Botanischen Garten.
http://www.coopzeitung.ch/Stadtgolf Keine(r) zu klein, ein Golfer zu sein: Hier beim Posten 2 im Botanischen Garten.

Um unliebsame Überraschungen und Schäden nach einem Fehlschuss zu verhindern, werden für Stadtgolf spezielle Bälle verwendet. Diese sind etwas grösser als Minigolfbälle und so weich, dass Verletzungen oder Sachschäden ausgeschlossen sind. Speziell sind auch die Schläger. Diese haben drei Schlagflächen: eine für Linkshänder, eine für Rechtshänder, eine zum Einlochen.

Von Loch 8 gehts über den samstäglichen Wochenmarkt zu Loch 2 im Botanischen Garten. «Ich wusste zwar, dass wir in Frauenfeld einen solchen haben», sagt Ainhoas Mutter Natalia Moirón, «doch ohne die Stadtgolf-Tour hätten wir diesen kaum je besucht.» Überhaupt gehe sie mit Schläger und Ball in der Hand viel bewusster durch ihren Wohnort.
Basil Zurbuchen erzählt währenddessen von den Anfängen des Stadtgolf-Parcours. Diese gehen zurück auf 2009. Damals lernten er und andere Mitglieder der Jungen Wirtschaftskammer Frauenfeld (JCI) in Fribourg die Idee des Stadtgolfs kennen. Zurbuchen war fasziniert und die Vereinigung der jungen Kaderleute erhob die Einrichtung des Stadtgolf-Parcours zu einem ihrer Jahresprojekte. In anderen Jahren war es die Schaffung eines Planetenwegs, die Gründung einer sozialen Werkstätte, oder das Üben von Bewerbungsgesprächen mit Schülerinnen und Schülern – und diesmal eben Stadtgolf.

«

Stadtgolf ist eine spezielle Art, Frauenfeld kennenzulernen.»

Basil Zurbuchen

Basil Zurbuchen (34), Mitinitiant

Basil Zurbuchen (34), Mitinitiant
http://www.coopzeitung.ch/Stadtgolf Basil Zurbuchen (34), Mitinitiant

Eine Arbeitsgruppe wurde gegründet, Verhandlungen mit der Stadt aufgenommen, Standorte für die Bahnen evaluiert, Sponsoren gesucht, Gesuche eingereicht. «Normalerweise sind unsere Projekte nach einem Jahr abgeschlossen oder wir können sie einer Trägerschaft übergeben», sagt Zurbuchen. Diesmal dauerte es etwas länger, nämlich drei Jahre; seither steht der Parcours unter der Obhut der Stadt und jährlich ziehen bis zu 1000 Personen mit Schläger und Ball durch die Hauptstadt des Kantons Thurgau. Der Gedanke daran und an den Durchhaltewillen seiner Crew zaubert Zurbuchen noch heute ein Lächeln ins Gesicht.
Aus Ainhoas Gesicht dagegen ist das Lächeln etwas gewichen. Die geplanten Posten sind absolviert. Schluss mit lustig. Mit dem Versprechen ihrer Eltern, demnächst, «wenn es etwas wärmer ist», den ganzen Parcours zu absolvieren, fällt ihr der Heimweg etwas leichter. Im Mai oder Juni wäre ein idealer Zeitpunkt.

 

Stadtgolf: So sind Sie dabei

Ausrüstung: Bälle und Schläger sowie einen Stadtplan mit den Standorten der 14 Bahnen gibts beim Hallen-, Frei- und Sprudelbad und bei der Minigolfanlage (Rückgabe am gleichen Tag).

Preis:
6 Franken für Erwachsene, 3 Franken für Jugendliche bis 16 Jahre (bei der Schlägerübernahme muss ein Depot von 50 Franken hinterlegt werden).

Weitere Städte: Stadtgolf-Parcours und damit die Möglichkeit, eine Stadt golfenderweise kennenzulernen, gibt es zurzeit auch in Morges VD und Fribourg.

Stadtgolf in Frauenfeld
Stadtgolf in Morges VD
Stadtgolf in Fribourg

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 15.05.2017, 10:00 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:




Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?