Auf dem Platz und am Netz ein grosser Kämpfer, in der Freizeit aber vor allem Familienmensch: «Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meiner Frau und meiner Tochter.»

Stanislas Wawrinka: «Es liegt in meinen Händen»

Stanislas Wawrinka, Achter der Tennis-Weltrangliste (ATP), spielt kommende Woche an den Swiss Indoors in Basel. Der Waadtländer fühlt sich aber nicht nur auf dem Platz, sondern auch in seiner Rolle als Familienvater pudelwohl.

Coopzeitung:  Im September feierten Sie an den US Open Ihren ersten Einzug in ein Grand-Slam-Halbfinal. Sie verloren dann aber gegen Novak Djokovic. Im Rückblick: Überwiegt die Freude oder eher die Enttäuschung?
Stanislas Wawrinka:  Am Anfang war die Enttäuschung schon sehr gross, denn ich habe gegen die damalige Nummer 1 der Welt ein tolles Match gespielt. Aber ich blicke auf jeden Fall mit grosser Zufriedenheit und Stolz auf die US Open zurück. Ich habe bis zum Schluss gekämpft und mein bislang bestes Resultat an einem Grand Slam erzielt. Es war eine unglaublich schöne Erfahrung.

Im Vergleich zu klassischen Tennisturnieren sind Grand-Slam-Turniere wohl immer etwas Besonderes.
Alle Spieler arbeiten auf die vier Grand-Slam-Turniere* hin und richten ihren Terminplan danach. Man will dann natürlich in Bestform sein. Der Druck ist immens hoch: Hier wird Tennisgeschichte geschrieben. Da kann ein Match schon mal über fünf Sätze gehen und vier, fünf Stunden dauern.

In Bestform möchten Sie sicher auch nächste Woche sein, wenn Sie die Swiss Indoors in Basel bestreiten. Was können wir erwarten?
Es gibt nicht viele grosse ATP-Turniere in der Schweiz. Ich geniesse deswegen die Events in Gstaad und Basel immer besonders. An den Swiss Indoors herrscht eine tolle Stimmung und das Turnier gehört sicher zu den schönsten Hallenturnieren der Welt. Das Teilnehmerfeld ist immer sehr stark. Ich freue mich auf diese Herausforderung und hoffe, dass ich gut spielen und die Fans begeistern werde.

Auch Roger Federer wird in Basel spielen. Er hat ja nur noch einen Ranglistenplatz Vorsprung auf Sie!
Ja, aber er hat mir viele Jahre und herausragende Turnierergebnisse voraus. Für mich ist er der grösste Tennisspieler aller Zeiten. Er hat in seiner Karriere grosse Erfolge gefeiert. Man kann sich an allem, was er geschafft hat und noch schaffen wird, ein Beispiel nehmen.

Verstehen Sie sich eigentlich gut mit ihm?
Ja. Doch durch den Sport und die Familie sind wir beide sehr eingespannt. Das heisst, wir sehen uns nur selten. Aber wenn wir uns sehen, verstehen wir uns gut. Von Zeit zu Zeit schreiben wir uns auch. Wir haben ein gutes Vertrauensverhältnis. Immerhin kennen wir uns seit Jahren und haben viel zusammen erlebt.

Zwei Schweizer Tennisstars in der Weltelite, doch weit und breit kein männlicher Nachwuchs in Sicht. Warum?
Man darf nicht vergessen, dass Frauen und Männer in den letzten Jahren gleichermassen hervorragende Ergebnisse erzielt haben. Martina Hingis und Roger sind grosse Genies. Mehrere Spieler waren unter den Top Ten: Hlasek, Rosset, Patty Schnyder – für so ein kleines Land wie die Schweiz eine echte und erstaunliche Leistung. Frankreich ist fast zehnmal so gross wie die Schweiz und hatte seit Jahren keinen Spieler in den Top Ten. Ich hoffe, noch lange spielen zu können. Roger auch. Und in der Zwischenzeit wächst vielleicht eine neue Generation heran. Bei den Frauen etwa haben wir das Wunderkind Belinda Bencic, die dieses Jahr bei den Junior French Open und beim Junior Wimbledon abgeräumt hat.

«

Für mich ist Roger der grösste Tennisspieler aller Zeiten.»

Apropos «Junior», wie sind Sie eigentlich zum Tennis gekommen?
Als ich klein war, wollten meine Eltern, dass mein Bruder und ich als Ausgleich zur Schule etwas Sport treiben. Fünf Minuten von unserem Haus entfernt gab es einen Tennisclub. So fingen wir an zu spielen. Das brachte Abwechslung und neue Freunde. Mir gefiel der Sport sofort, denn ich renne sehr gern. Wie alle anderen bin ich dann einmal pro Woche ins Training, am Mittwochnachmittag.

Was gefällt Ihnen sonst noch am Tennis – abgesehen vom Rennen?
Beim Tennis ist man auf sich allein gestellt. Das Schicksal liegt in deinen Händen. Technik, Kondition und Konzentration sind gleichermassen wichtig. Da wird man in jeder Hinsicht voll gefordert. Will man gewinnen, müssen alle drei Faktoren hundertprozentig stimmen. Der Platz und die äusseren Bedingungen ändern sich permanent. Selbst wenn du diese Woche gegen einen Gegner gewinnst, kann das nächste Woche ganz anders aussehen, etwa wenn die Rückhand schwächelt oder die Vorhand nicht passt. Du weisst nie, was dich erwartet.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meiner Frau und meiner dreieinhalbjährigen Tochter Alexia. Das ist oft nicht einfach, denn ich bin viel unterwegs. Ich liebe es, Vater zu sein und geniesse die Nachmittage mit meiner Familie im Schwimmbad oder am See. Ansonsten bleibt nicht viel Zeit und ich bin froh, wenn ich einen Film schauen kann, etwa im Flugzeug. Da vergeht die Zeit schneller. Und bei einer guten Komödie kann man hervorragend abschalten. Auch ein Essen unter Freunden weiss ich sehr zu schätzen.

* Australian Open, French Open, Wimbledon Championships, US Open.

Stanislas Wawrinka

Beruf: Tennisspieler
Zivilstand: verheiratet mit Ilham Vuilloud, Ex-Model und TV-Sprecherin aus der Westschweiz; Tochter Alexis (3).
Wohnort: im Kanton Waadt, zwischen Genf und Lausanne.
Laufbahn: Als Nummer 8 der Weltrangliste ist Wawrinka derzeit so gut platziert wie noch nie. Der Westschweizer hat bereits vier Turniere im Einzel gewonnen, darunter im Frühling die Estoril Open. Ebenfalls im ersten Halbjahr 2013 hat er in drei weiteren Turnieren das Finale erreicht. 2008 gewann er im Doppel mit Roger Federer bei den Olympischen Spielen in Peking die Goldmedaille. 2003 gewann er die Junior French Open. «Stan» gilt als einer der weltweit konditionsstärksten Profispieler. Seine einhändige Rückhand ist ein Augenschmaus für Puristen.
Aktuell: Swiss Indoors Basel, 19. bis 27. Oktober 2013

Mehr Informationen auf der Internetseite von Stanislas Wawrinka

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Text:
Didier Walzer
Foto:
Darrin Vanselow
Veröffentlicht:
Montag 14.10.2013, 16:12 Uhr

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