Stau-Raum

Sie:  In unserem Freundeskreis jagen sich die runden Geburtstage und wir werden zu einigen Partys eingeladen. Gute Gelegenheiten, um mich ein bisschen aufzuhübschen. Oder aufzubretzeln, wie man in meiner Heimat Bayern sagen würde. 

 
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Darum muss ich jetzt ins Bad, denn in einer Stunde fahren wir los, doch da sitzt bereits Schneider – hinter einer Zeitung. «Du, ich würde mich gerne schminken.» «Mach’ nur.» «Äh, während du das hier machst?» «Kein Problem, ich sitz’ nur noch.» «Ach, ja, aber sitzen könntest du doch auch woanders.» «So gemütlich ist es sonst nirgends.»

«

Kurz vor dem Fest gehört das Badezimmer den Frauen.»

«Aber es könnte mich vielleicht stören, wenn du hier mit runtergelassener Hose ... – ist kein sexy Anblick.» Er raschelt mit der Zeitung: «Du willst dich schminken, nicht wahr? Dann schaust du eh nur in den Spiegel, oder?» Er macht mich ganz nervös. Soll ich meinen gesamten Schminkkram rausräumen, bloss damit der Herr noch ein bisschen die Klobrille wärmen kann? Da rufen im Gang unsere Töchter: «Können wir ins Bad? Wir wollen uns schminken.» Die Gelegenheit! «Klar, kommt nur. Papa sitzt noch eine Sekunde auf der Schüssel, aber dann wird auch er merken, dass kurz vor einem Fest das Badezimmer ein reines Frauenzimmer ist.»

Er: Vor einer Party ist die Hölle los: Mutter und Töchter räumen Kleiderschränke aus, schmeissen Schuhe in den Gang, es riecht nach Parfum, Nagellack und Stress. Da gehe ich gern in Deckung. Und dann ist es besonders hart, wenn man im eigenen Haus aus dem Badezimmer geworfen wird. Als ob wir nicht noch andere Spiegel hätten! Überhaupt: Die Kleine hat ein eigenes Zimmer, die Grosse auch und Schreiber sowieso. Ich hingegen habe nicht mal eine Garage!

«

Party? Da geh ich vorher gern in Deckung.»

Das Bad ist darum mein Refugium, vermeintlich sicher. Meine Oase der Gemütlichkeit. Doch nein, Frauen müssen unbedingt dort hin, wohin ich mich wegducke, und das noch dazu Stunden, bevor wir aus dem Haus müssen! «Was stresst ihr so? Auf der Einladung steht: ‹Ab 18.30 Uhr›, da können wir auch später eintrudeln.» «Papi!», schnaubt meine jüngere Tochter. «Du freust dich doch auch, wenn deine Mädels sich hübsch machen», wirft Schreiber ein. «Ihr seid doch alle schon so schön», antworte ich. Mein Kompliment wird übertönt von meiner Grösseren, die auftaucht, sich die Nase zuhält und «Boah, stinkt das» trötet. Genau. Mir stinkts auch! Ich ziehe die Hose hoch und verdufte. Vielleicht setze ich mich einfach schon mal ins Auto.

Das Buch mit den besten Coop-Kolumnen der letzten Jahre, «Spesen einer Ehe», bei www.schreiber-schneider.ch erhältlich.

 (Coopzeitung Nr. 19/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 04.05.2015, 12:00 Uhr

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