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Zurzeit im Fahrstuhl nach oben: Die Berner Hip-Hopperin Steff la Cheffe ist ein «Meitschi vom Breitsch» geblieben.





Steff la Cheffe: «Ich halte es mit Ying und Yang»

Persönlich.  Mit ihrem Hit «Ha ke Ahnig» stürmt Stefanie Peter alias Steff la Cheffe die Charts. Die Berner Rapperin über Erfolg und Kritik, afrikanische Einflüsse in ihrer Musik und was ihr Heimat bedeutet.

Coopzeitung: «Ha ke Ahnig» wird in den Radios rauf und runter gespielt. Was ist das für ein Gefühl?
Steff la Cheffe: Das ist schwierig zu fassen, eigentlich schon fast surreal. Wenn ich ins Bad gehe und aus dem Radio plötzlich meinen Song höre, denke ich zuerst mal «Ups», fühle mich dann aber auch bestätigt. Ich flippe sicher nicht jedes Mal aus, sondern nehme es gelassen. Ich freue mich natürlich über positive Feedbacks, bin aber nicht nur euphorisch. Es gab ja auch verbale Angriffe, vor allem über Facebook und von Leuten, die mich gar nicht kennen.

Nach der CD-Taufe in Luzern schrieb ein Kritiker von «Ethnokitsch» …
… ja und Afrika-Trallala. Das lasse ich mir ja noch gefallen; aber nicht, dass er meine beiden dunkelhäutigen Sängerinnen beleidigt. Die beiden sind absolute Profis. Doch es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis so eine Kritik kommen würde.

Wie reagieren Sie auf Kritik?
Das kommt drauf an, wie es mir geht. Es war schon ein bisschen eine Achterbahnfahrt in den letzten Monaten. Es kam ja auch Kritik aus der Hip-Hop-Szene, und die hat mich getroffen. Gleichzeitig ist da eine enorme Medienpräsenz und ich sehe mich auf Plakaten und hoffe, dass mich niemand erkennt.

Von all Ihren Songs wird vor allem «Ha ke Ahnig» gespielt.
Der Song hat die richtige Mischung aus kritischem Text und Sommergroove, um ins Radio zu kommen. Wobei, die Erarbeitung des Arrangements und der Refrains war eine «Höllenbüez». Ich reflektiere in diesem Lied vieles, was passiert ist, auch die immer wiederkehrenden Journalistenfragen und die Frage, was ist Wahrheit, was können wir wissen.

Es hat auf der aktuellen CD ja auch Lieder wie «Tiefer gah» oder «Chrieg i dim Chopf». Sind Sie ein tiefgründiger Mensch?
Sicher, ich denke über vieles nach. Darüber, was wichtig ist, was real ist und was nicht. Bildung zum Beispiel ist ein Privileg, aber auch ein Statussymbol und in diesem Sinne für mich zweitrangig. Ich bin mehr für die Herzebene.

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Zürich ist für mich Arbeit, und Bern ist mein Zuhause.»

Sie haben Ihre neue CD teilweise in Afrika aufgenommen. Weshalb Afrika?
2009 war ich mit Andreas Vollenweider in Johannesburg und wusste: Da will ich nochmals hin. Was in Südafrika in Sachen Musik abgeht, «fägt» einfach. Durch Musik kann man an die Menschen herankommen, denn Musik ist eine gemeinsame Sprache. Jetzt sind wir nach Südafrika gegangen, weil mein Produzent Dodo und ich halt immer etwas anderes machen wollen als die anderen. Die meisten Hip-Hopper schielen nach Amerika, wir machen unser eigenes Ding. Durch unser Projekt sind in Südafrika tolle Beziehungen zu den unterschiedlichsten Menschen entstanden, die ich auch weiterhin pflegen möchte.

Trotz Afrika sind Sie noch immer ein «Meitschi vom Breitsch». Was bedeuten Ihnen Breitenrain und Bern?
Dort bin ich aufgewachsen, habe meine Kindheit und Jugend verbracht und kenne die Menschen, die Lädeli, den Kiosk und die Frau an der Kasse. Und die meisten behandeln mich immer noch wie früher. Das Breitenrain-Quartier ist mit seinen schönen alten Häusern sehr beliebt, wird aber leider immer teurer. Deshalb ziehe ich jetzt ins Herz der Stadt. Auch in Zürich fühle ich mich mittlerweile ein bisschen daheim. Doch Zürich ist für mich Arbeit, und Bern ist mein Zuhause. Bern mit seinem historischen Teil in der Aare-Schlaufe ist eine schöne Stadt, die mir Geborgenheit gibt. «Home is where your heart is». Wenn ich wegziehen würde, dann eher in eine grosse Stadt wie Berlin.

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Wer, wie ich, auch schon untendurch musste, nimmt nicht alles als selbstverständlich.»

Sie haben sich für die «Tanz dich frei»-Bewegung stark gemacht. Auch heute noch?
Ich stehe zu meinen Aussagen. Wenn noch mehr Clubs zugehen und jeder Freiraum für Jugendliche eingeschränkt wird, dann «fägts» nicht mehr. Dann hat die «Reclaim the streets»-Bewegung ihre Berechtigung. Leider hat der Anlass viele Krawallmacher angezogen.

Sie werden als eines der vielversprechendsten Talente in der Schweizer Musikszene bezeichnet. Sind Sie dort angekommen, wo Sie hinwollten?
So lange man lebt, ist man nie angekommen, sonst kann man gleich den Sarg bestellen. Ich halte es mit der Ying-und-Yang-Philosophie: Manchmal ist man oben, manchmal unten. Ich bin oft getrieben von etwas, habe ein Ziel vor Augen. Und wenn das Resultat dann da ist, bin ich schon mit dem nächsten Projekt beschäftigt.

Andreas Vollenweider hat gesagt, man merke Ihrer Musik an, dass Sie intensiv gelebt hätten.
Sicher prägt einen das, was man erlebt hat. Und wer, wie ich, auch schon untendurch musste, nimmt nicht alles als selbstverständlich. Ich denke, es geht im Leben um mehr als den gradlinigen Karriereweg. Es geht um Menschen, Herz und Beziehungen, nicht um die materiellen Dinge. Und es braucht den Mut, zu dem zu stehen, was man ist und was man kann.

Stefanie Peter alias Steff la Cheffe

Geburtsdatum: 4. April 1987
Beruf: Musikerin
Zivilstand: ledig
Wohnort: Bern
Laufbahn: Erste Songtexte und Beatboxen als 13-Jährige. 2007 von Produzent und Reggae-Sänger Dodo entdeckt und gefördert. Zusammenarbeit für CD «Reggae against the Machine». Tour mit Andreas Vollenweider in der Schweiz, Europa, Südafrika und China. 2009 Beatbox-Vizeweltmeisterin, m4music Award für Demo Tape «Urban» und «Demo of the year». 2010: Debüt-Album «Bittersüessi Pille» und DRS3 Best Talent im Monat April. 2011: Swiss Music Award «Best Talent National» und Prix-Walo-Sparte «Newcomer». Aktuell: CD: «Vögu zum Geburtstag»

Zur persönlichen Webseite von Steff la Cheffe

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Viele: Die Renaissance der Menschheit (Charles Eisenstein), Das Recht auf Rückkehr (Leon de Winter), Die Chinesische Mauer (Max Frisch), Mutter Courage und ihre Kinder (Bertolt Brecht), Warten auf Godot (Samuel Beckett) u.v.m.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
-

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
-

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
More than honey, Django unchained usw.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Amores Perros, Ghostdog, Moonwalk.

Ihr Lieblings-Filmheld?
Nikita.

Was für Musik hören Sie gerade?
Major Lazer: Free the universe, Knackeboul: Picasso, Skor: Und Nachteil, Stereo Luchs: Stepp usem Reservat, Gigi Blues: Kaffe, Chuechä, Kiffä.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Hörbuch und Survivalguide.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Erykah Badu.

Was kochen Sie selbst?
Italienisches, wie z.B. Sugo, Rattatouile, Vegi-Lasagne, selbstgemachte Pizza, indische oder Thaicurries, Mamas Rezepte, Salate.

Ihre Lieblingsspeise?
dito.

Ihr Lieblingsgetränk?
Hahnenwasser, Tees (Grüntee Jasmin, Chai, frische Verveine vom Balkon). Drinks: Moscow Mule, Amaretto sour.

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit der Familie und guten Freunden.

Und wo essen Sie am liebsten?
Bei der Mama, zu Hause, oder im Tibits.

Mac oder PC?
Mac.

Auto oder Zug?
Meistens Zug.

Wein oder Bier?
Kommt drauf an. Als Apero Bier und zum Essen ein Glas Rotwein.

Pasta oder Fondue?
Pasta.

Joggen oder Walken?
Walken. Ist zwar uncool, aber joggen ist so anstrengend.

Berge oder Meer?
Meer.

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Vor ca. 2 Monaten.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Wortspiele, Scharfsinn, Lebensfreude, Albernheit, Humor, lustige Körpersprache und Mimik.

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Vogel oder Katze.

Wovon träumen Sie?
Momentan davon, wie ich meine neue Wohnung wohl einrichten werde.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Gute Beziehungen zu guten Menschen, Gesundheit, Zufriedenheit.

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!

Steff la Cheffe mit ihrem aktuellen Song «Ha ke Ahnig» (Quelle: YouTube):

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Text: Martina Gradmann

Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Freitag 12.07.2013, 16:49 Uhr

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