Die 220 Terrassen der Domaine du Mont d'Or vor den Toren Sittens umfassen insgesamt 15 Kilometer Trockenmauern.

Steinerne Zeitzeugen

Mit 3000 Kilometern Trockenmauern besitzt das Wallis ein einmaliges Weinkulturerbe, ohne das der Weinbau nicht das wäre, was er heute ist.

Trockenmauern gehören seit Urzeiten zur Identität der Walliser Weinbaulandschaft. Die älteste Trockenmauer hält den Witterungseinflüssen seit 6000 Jahren eindrucksvoll stand. Allerdings stammt die erste schriftliche Erwähnung der steinernen Weinbergeinzäunungen erst aus dem 12. Jahrhundert. Ohne die wertvollen Überreste der Trockenmauern wäre der Weinbau nicht das, was er heute ist. Das Wallis zählt 3000 Kilometer dieser Mauern, die ein Drittel der Reben des Kantons stützen.

 
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Aufwendiger Unterhalt

Doch wie werden sie unterhalten? Und wer finanziert das Ganze? Um das zu erfahren, machen wir uns auf den Weg Richtung Domaine du Mont d’Or vor Sittens Toren. Es ist ein ganz besonderes Weingut. «Die Domaine besteht aus 220 Terrassen», erklärt der Weinbau-Ingenieur und Direktor Simon Lambiel. «Zeitzeugen unserer Weingeschichte», nennt er die fragilen Mauern. «Der Weinberg umfasst 15 Kilometer Trockenmauern. Die Winzer kümmern sich um die kleinen Ausbesserungen und den täglichen Unterhalt. Alle sind sich der Bedeutung der Erhaltung bewusst – und wissen um die Gefahr, wenn man nichts unternimmt.»

Die Mauern zur Hangsicherung, die mittels spezieller Technik ohne Mörtel errichtet wurden, sind heute Gegenstand eines staatlichen Erhaltungsplans. Neben der finanziellen Hilfe, die für sorgfältige Bestandsaufnahmen wie in den Gemeinden Sitten und Fully zugesprochen werden kann, werden in der Walliser Landwirtschaftsschule Unterhaltskurse organisiert. «Es ist einfacher und billiger, präventiv für den regelmässigen Unterhalt der Mauern zu sorgen», sagt Simon Lambiel. «Man muss auf den Zustand des Fundaments achten, dieses ist zentral für das Tragen der Struktur.» In 25 Jahren hätten sie nur drei Mauern neu aufgebaut. «Dabei konnten wir von der Arbeit unserer Vorfahren profitieren, die Sorge zu diesem Erbe getragen haben.»

Lebendige Mauern

Dank einer interdisziplinären Forschung zu Trockenmauern konnte das Walliser Reb- und Weinmuseum 2012 ein umfassendes Werk zu diesem Thema herausgeben. Diese Arbeiten konnten auch gewisse Vorurteile aus dem Weg räumen, wie etwa die Annahme, die lokalen Winzer hätten die Mauern ganz alleine errichtet. Tatsächlich kamen die Bauleute oft von auswärts: aus Savoyen, Norditalien oder der Deutschschweiz. Die Steine stammen hingegen zu 100 Prozent aus dem Wallis und wurden vor Ort abgebaut. Diese Bauwerke aus längst vergangenen Zeiten sind auch Lebensraum einer grossen Artenvielfalt. Nicht weniger als 200 Pflanzenarten – wovon 12 nur im Wallis vorkommen – haben sich hier angesiedelt. Bei einer Rast auf einem Spaziergang kann man auch die Tiere beobachten, die hier herumwuseln. Mit etwas Geduld und der nötigen Zurückhaltung entdeckt man leicht Spinnen, kleine Skorpione und Eidechsen.

Sie unterstützen die Walliser Weinberge seit Jahrhunderten. Doch wie alt sind sie wirklich? Wer hat sie aus was für Steinen gebaut? Und wer bewohnt die Mauern? Diesen und weiteren Fragen hat das Walliser Reb- und Weinmuseum ein interdisziplinäres Forschungsprojekt gewidmet. Herausgekommen ist das 246-seitige Buch «Murs de pierres, mures de vignes» (nur Französisch), das die Geschichte, die Technik und den biologischen Wert der Trockenmauern anschaulich erklärt. Das deutschsprachige Standardwerk zu diesem Thema heisst «Trockenmauern – Grundlagen, Bauanleitung, Bedeutung» und ist 470 Seiten stark. Herausgegeben hat es die Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz SUS.

Hier können Sie das Buch «Murs de pierres, mures de vignes» bestellen
Mehr Infos und Bestellmöglichkeiten zum Buch «Trockenmauern – Grundlagen, Bauanleitung, Bedeutung» finden Sie hier

Weine der Domaine du Mont d’Or

Johannisberg AOC
Intensives Goldgelb, im Bouquet mit angenehmem Honigduft, Noten von reifen Pfirsichen. Wirkt konzentriert, im Auftakt süss mit finessenreichem Aromaspiel, mild und füllig, ausbalanciert. Konzentrierte Fruchtnote, weiche Säure mit einer starken aromatischen Nachhaltigkeit. Passt zu mildem Weichkäse und süssem Gebäck
Fr. 19.95/75 cl.

Saint-Martin Johannisberg AOC
Strohgelb, intensive Aromatik von kandierten Früchten und Quittengelee, Honig und Vanille. Vielschichtig und sofort ansprechend. Am Gaumen dickflüssige Textur, komplexe Aromatik. Die Süsse wird von einer erfrischenden Säure harmonisch ausbalanciert, sehr langer Abgang. Passt zu Cremen, Früchtekuchen, Fruchtsalat.
Fr. 32.95/50 cl.

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Text:
Sophie Dürrenmatt
Foto:
Olivier Maire, ZVG
Veröffentlicht:
Montag 01.06.2015, 19:44 Uhr

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