Sprung-Probe für den Fotografen: Stéphane Lambiel zeigt im Saal des Hotels Beau Rivage in Lausanne, dass er noch nichts von seiner Eleganz verloren hat.

Stéphane Lambiel: «Ich trainiere noch jeden Tag»

Der zweifache Eiskunstlauf-Weltmeister Stéphane Lambiel über seine Rollen als Showläufer und Zirkusdirektor, sein Nicht-Comeback für Olympia und seinen Plan, eine Eislaufschule zu gründen.

Coopzeitung:  Haben Sie heute schon trainiert?
Stéphane Lambiel: Heute nicht. Aber das ist eine grosse Ausnahme. Norma-lerweise trainiere ich jeden Tag auf dem Eis. Aber ich lief gerade bei der Gala «Opera on Ice» in Verona, kam zurück, hatte am Wochenende mehrere Proben und Shows mit «Rock Circus» in «Das Zelt» und trainierte am nächsten Tag – jetzt brauche ich einfach einen Ruhetag. 

Wenn Sie Ihr heutiges Leistungsvermögen mit dem bei Ihrem Rücktritt 2010 vergleichen – wie viel können Sie noch?
Alles!

Alle Sprünge, alle Pirouetten ...
… ja, sicher. Ich bin nicht schlechter geworden. Im Gegenteil: Ich habe mich künstlerisch weiterentwickelt.

Warum bestreiten Sie dann keine Wettkämpfe mehr?
Es gibt, wenn du jung bist, eine Zeit, wo du wissen willst, wie gut du bist, wo du dich mit anderen messen willst. Ich brauchte diese Challenge auch, und ich habe es sehr genossen. Da stellst du dein Programm dann logischerweise so zusammen, dass du möglichst gut bewertet wirst. In den letzten Jahren wurde das Wettkampfreglement nun in dem Sinne geändert, dass es nur noch um die Technik geht. Da geht es nur noch darum, alle Elemente, die gezeigt werden müssen, abzuhaken. Das Künstlerische tritt völlig in den Hintergrund. Das finde ich nicht gut. In den Shows zeige ich die meisten dieser Elemente zwar auch, aber ich integriere sie in eine Choreografie, die dem Publikum gefällt. Meine Flamenco-Kür hat den Leuten nicht – oder nicht nur – wegen der technischen Elemente gefallen, sondern wegen der Ambiance, den Emotionen, die ich damit erzeugt habe – das ging ans Herz. 

Aber der künstlerische Eindruck wird ja auch bewertet.
Aber auch da gibt es genaue Vorschriften, welche Elemente man zwischen den technischen Elementen einbauen muss. Und dann gilt: gemacht ist gemacht. Ob die Übergänge passen und das ganze Programm eine Einheit ist, spielt kaum eine Rolle. In Shows hast du alle Freiheiten. Du kannst Emotionen zeigen und erzeugen. Das liebe ich. Warum gibt es so viele Reality-Shows? 

«

Ich sehe mich heute als Entertainer, auch auf dem Eis.»

Das frage ich mich auch.
Weil es darin viele Emotionen gibt. 

Ihr langjähriger Konkurrent Jewgeni Pljuschtschenko wagt im Hinblick auf die Olympischen Spiele einmal mehr ein Comeback. War das für Sie kein Thema?
Nein, daran habe ich keine Sekunde gedacht.

Wenn man Ihre Agenda anschaut, stehen da nur selten Eiskunstlauf-Events, aber ganz, ganz viele Termine als Zirkusdirektor in «Das Zelt».
Das täuscht. Ich war zum Beispiel von Juni bis August in Asien, lief dort Galas oder trainierte japanische Nach-wuchsläufer. Aber Sie haben recht: Ich hatte während des letzten Jahres viele Shows im «Rock Circus». Das war eine gute Erfahrung. Ich nahm dafür auch Gesangs- und Schauspiellektionen. Das sind Dinge, die ich sehr gerne mache, und das hilft mir für meine Karriere.

Wenn Sie von Karriere sprechen, meinen Sie immer Eiskunstlauf?
Immer, ja. 

Alles andere ist gewissermassen Beilage.
Ich sehe meine Karriere immer als Ganzes. Ich sehe mich heute als Entertainer – auch auf dem Eis. Aber ich stehe einfach gerne auf der Bühne, sei es als Tänzer oder Sänger oder in einem Musical auf dem Eis oder einem Theater auf dem Eis. Die Türen sind weit offen, ich muss mich einfach für die passenden Projekte entscheiden. 

Und welches Projekt setzen Sie in nächster Zeit um?
Ich werde eine Schule für Eiskunstlauf gründen. Am Anfang eher eine Sommer-schule, später, wenn ich keine Shows mehr laufe, ganzjährig.

Gutes Thema: Sie sind bald 30 … 
… danke, dass Sie mich daran erinnern … 

… wie lange machen Sie diese Shows noch? 
Ich laufe, so lange es geht.

Sie können voraussichtlich auch mit 70 noch auf den Schlittschuhen stehen. 
Ich laufe weiter, so lange ich noch alle Figuren zeigen kann. Wenn mein Körper mir dies nicht mehr erlaubt, werde ich aufhören. 

Alles, was Sie machen, läuft darauf hinaus, dass Sie sich präsentieren, zur Schau stellen. Sind Sie ein Exhibitionist?
(lacht) Klar, ich mache ja auch Exhibitions. 

Da müssen Sie immer schön aussehen, das ist doch mühsam.
Nicht schön, präsentabel. Du musst präsentieren. Du kannst dich nicht irgendwie zurücklehnen, dich verste-cken, du musst präsent sein, das Publikum fesseln.

Schminken Sie sich selber?
Ja, das ist Teil meines Jobs. Am Anfang meiner Karriere hätte ich nie gedacht, dass ich so was machen würde. Da dachte ich, wenn ich ein blaues Hemd und eine schwarze Hose trage, ist das okay. Das ist es auch. Aber wenn die Show auf dem Eis mit der Musik und der Choreografie eine Einheit bilden soll, gehören das Auftreten, das passende Kostüm und eben auch das Schminken dazu. Im Fernsehen ist das ja nicht anders.

Stéphane Lambiel

Geburtsdatum: 2. April 1985
Wohnort: Lausanne
Zivilstand: ledig
Wichtigste Erfolge: Weltmeister 2005 und 2006, WM-Bronze 2007, Olympia-Silber 2006, EM-Silber 2006, 2008 und 2010. Neunfacher Schweizer Meister. 
Aktuell: Auftritte im «Rock Circus» von «Das Zelt». Art on Ice ab Ende Februar in Zürich, Lausanne und Davos.
Links: www.stephanelambiel.comwww.daszelt.ch und www.artonice.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
„Garp und wie er die Welt sah“ von John Irving

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Le petit prince – Der kleine Prinz

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Der Tänzer Rudolf Nurejew für seine Verdienste um die Welt des Tanzes und seine leidenschaftliche und extravagante Persönlichkeit

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Der grosse Gatsby

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Babel

Ihr Lieblings-Filmheld?
Frank W. Abagnale, Jr. in Catch Me If You Can

Was für Musik hören Sie gerade?
Hurts und James Blake

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
„Bad“ von Michael Jackson

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Justin Timberlake

Was kochen Sie selbst?
Ein bisschen alles. Ich versuch. Ich versuche, mit den Frischprodukten, die ich im Kühlschrank finde, erfinderisch zu sein.

Ihre Lieblingsspeise?
Eine grillierte Dorade mit Salat, wenn ich am Meer bin, oder ein Fondue mit Freunden in den Walliser Alpen

Ihr Lieblingsgetränk?
Japanischer Grüntee, den ich von meinen Reisen mitbringe

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meinen Freunden und meiner Familie

Und wo essen Sie am liebsten?
Bei meiner Grossmutter in Portugal

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Das hängt von der Situation ab

Wein oder Bier?
Wein – aus Wallis.

Pasta oder Fondue?
Fondue

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Ich mag beides

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Ich erinnere mich nicht

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Wenn man mich kitzelt – das funktioniert fast immer

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Steinbock, damit ich die Berge erklimmen könnte

Wovon träumen Sie?
Ich habe viele Träume, und ich hatte auch das Glück, viele davon zu realisiern. Eines Tages möchte ich mit einem Segelschiff die Welt umsegeln.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Gesund zu sein

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Olivier Evard
Veröffentlicht:
Montag 04.11.2013, 20:55 Uhr

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