So ist sie, Giada Ilardo: etwas hyperaktiv mit quirliger Dynamik und meist guter Laune.

Stichhaltig: «Grenzen setzen wir selber»

Giada Ilardo reitet mit Tattoos und Piercings auf der Erfolgswelle. Die Expansion ist noch nicht zu Ende.

Giada Ilardos Imperium ist stichhaltig. Und durch seine Adern fliesst Tinte, die unter die Haut geht: Tattoos und Piercings sind das Kerngeschäft der 34-jährigen Zürcherin, die von der «Bilanz» unlängst in die Ruhmeshalle der erfolgreichsten Jungunternehmer aufgenommen worden ist. Neuerdings gehören auch Gastrokonzepte zum Portfolio von «Giahi», wie Ilardo ihre Tattoo Stores nennt. Und Accessoires stechen ins Auge: Auf Moos gebetteter Schmuck, Uhren und Portemonnaies liegen in den Vitrinen ihres Shops an der Löwenstrasse in Zürich – einer von insgesamt vier Läden.

Auf mehreren Etagen verteilt sich hier das Angebot. Edel-Trash zwischen Vintage-Möbeln, überall Bücher mit Tattoo-Art, grossformatige Kunstfotografie besticht an den Wänden abwechselnd mit Objekten wie glitzernden Totenköpfen oder Geweihen. In einer Ecke des bunten Mix aus Popkultur und klassisch-rebellischer Tätowier-Kunst hängen Zeitungsausschnitte, die Ilardo mit Ikonen wie dem Ganzkörper-Tätowierten «Zombie-Boy» zeigen oder den Musiker Pete Doherty, wie er gerade im Shop einkauft.

Mondän ist auch ein Teil der Kundschaft, die sich unter die Nadel legt. Vor allem Musiker – international und stilübergreifend. Zum Beispiel Fred Durst, Sänger der US-Nu-Metaller Limb Bizkit, alle Bandmitglieder der finnischen Rocker Sunrise Avenue oder der Zürcher House-DJ und Produzent Remady. Aber auch Schweizer Sportler wie der Fussballer Mladen Petric oder der Snowboard-Weltmeister und Olympiasieger Iouri Podladtchikov.

Am Puls der Branche

Plötzlich steht sie da, die attraktive, bunt tätowierte Business-Lady. Sie strahlt, entschuldigt sich für die Wartezeit und füllt den Raum sofort mit dieser quirligen Dynamik, wie sie hyperaktiven Menschen eigen ist. Soeben ist sie vom Ausland zurückgekehrt, von einer ihrer regelmässigen Reisen, die sie an mondäne Hotspots wie New York oder Berlin führt. Dort fühlt sie den Puls der Branche und des Zeitgeistes, um ihn umgehend ihrem «Giahi»-Imperium einzutätowieren. Dieses ist mittlerweile rund fünf bis zehn Millionen Franken schwer.

Macht Geld glücklich? «Nein, aber auch nicht unglücklich», sagt sie. Es sei denn, man lasse sich von ihm in einen Käfig stecken. Für sie bedeute es Freiheit. Nicht materielle, sondern künstlerische und unternehmerische. So fährt Ilardo seit über zehn Jahren den gleichen «Göppel», während sie die Früchte ihrer Arbeit stets ins Unternehmen investiert. Und das seit 18 Jahren. Damals machte sie einen Piercing-Kurs und begann, in den eigenen vier Wänden Kollegen zu stechen. «Meine ersten 50 Franken Verdienst habe ich in neue Piercings investiert.» So ist es weitergegangen bis heute: mit Fleiss und Zielstrebigkeit stetig aufwärts.

Längst sticht Ilardo keine Tattoos mehr, «dafür fehlt mir schlicht die Zeit, das machen heute andere». Und diese anderen stehen bei ihr unter Vertrag: Nebst den 40 Festangestellten arbeitet «Giahi» mit rund 60 freischaffenden Tattoo-Künstlern zusammen. «Ich sehe mich heute als Vollblutunternehmerin», sagt sie, die sich nun um alles kümmert, was hinter den Kulissen geschieht, die Mitarbeiter führt und – nach einer Selbststudium-Weiterbildung – auch Kaderschulungen macht. Nur Piercings sticht die Chefin ab und zu noch selbst. Ist ja auch keine Selbstverständlichkeit, von einer der hundert reichsten U40-Schweizerinnen persönlich bedient zu werden.

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Ilardos Karriere, die sich wie die klassische «vom Tellerwäscher-zum-Millionär»-Story liest, begann in einem Kunstgymnasium in ihrer alten Heimat Italien. «Aber das hat mich als Hyperaktive zu wenig gefordert; meine Hände mussten immer etwas zu tun haben», erinnert sie sich und lacht. Die 15-Jährige brach die Ausbildung ab, kam zurück in die Schweiz und schnupperte hier und dort. «Aber nichts hat mich gepackt». Sie wohnte noch zu Hause bei der Mutter und genoss die jugendliche Freiheit. «Ich wusste ja, dass ich immer noch eine Lehre anfangen kann.» Doch erst beim Besuch eines Piercing-Kurses leckte sie Blut, zog die Sache durch – und der Grundstein für ihren bemerkenswerten Aufstieg zur klaren Nummer eins war gelegt.

Zusammenfassend könnte man sagen: Ilardo kam, stach und siegte. Und was bringt die Zukunft? Mehr Stiche! Ilardo will ihre Tattoos durch Verbindungen längerfristig zu einem «Bodysuit» wachsen lassen. «Am Schluss soll mein ganzer Körper tätowiert sein ausser meinem Gesicht sowie am Oberkörper je ein Mittelstreifen vorne und hinten.» Und geschäftlich? «Wir wollen ausserhalb des Raums Zürich weitere Läden eröffnen.» Wo genau, will sie nicht verraten, ausser dass mehrere Kantone für einen Standort infrage kommen. Und sie sagt schmunzelnd: «Wir haben auch vor Expansion im Ausland keine Angst.» Achtung, Giada Ilardo sticht vom Zürichsee aus in internationale Gewässer.

 

Frau Kapitänin: Giada Ilardos Freizeit

Lesen: Giada Ilardo liest viel Sachliteratur wie die Steve-Jobs-Biografie.

Sport: Sie joggt, geht Fall-schirmspringen, macht gerade die Boots-, danach die Fliegerprüfung.

Musik: Zu Hause hört Ilardo Chill-Out, im Ausgang am liebsten Hip-Hop und House.

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