Still verständigt

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Schreiber: Ich fahre gerne Auto, vor allem, wenn Schneider nicht neben mir sitzt. Früher gab er zu jeder Kurve seinen Kommentar ab, das lässt er heute zum Glück bleiben. Er sagt nicht mehr viel, guckt dafür umso mehr. Ich glaube, dass er meinen Fahrstil pausenlos analysiert.

Vor mir stellt ein Bus den Blinker und spurt links zur Strassenmitte ein. Ich könnte mich rechts vorbeiquetschen, ist aber eng. Also bremse ich und warte. Schneider wirft sich ruckartig nach vorne und blickt in den Seitenspiegel. Aha! Er kontrolliert, wie viele Autos hinter uns anhalten müssen, und das alles nur wegen mir.

«

Ich fahre gern Auto – wenn er nicht dabei ist.»

Dabei habe ich alles im Griff. Kein Auto im Rückspiegel. Schneider könnte sich also entspannen, denn ich bin kein Verkehrshindernis. Trotzdem schüttelt er jetzt demonstrativ langsam den Kopf.

Ach! Ohne Copilot wäre es so schön. Sitzt hingegen Schneider neben mir, muss ich nicht nur auf die Strasse achten, sondern auch auf seine Körpersprache. Das verdoppelt den Stress.

Ehrlich: wozu drängeln und zwängen? Wegen einiger Sekunden? Was soll das bringen? Schneider schnauft. Ich warte mal ab, ob er doch noch seinen Senf abgibt. Sollte er das tun, gebe ich nämlich mächtig Gas. Aber nur verbal.

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Schneider: «Schreiber sitzt am Steuer. Ich daneben. Und dafür, dass sie früher erbitterte Autogegnerin und glühende GA-Besitzerin war, fährt sie heute ganz passabel. Ich habe nie Bedenken, wenn sie mit den Kindern unterwegs ist, denn sie bewegt unser Auto ausgesprochen vorsichtig.

Aber auch das kann man übertreiben. Vor uns setzt ein Bus den Blinker, um nach links abzubiegen. Er lässt rechts Platz, sodass es einfach wäre, durch die Lücke zu fahren. Aber Schreiber hält an. Grundlos. Dabei sollte man den Fluss im Strassenverkehr immer fliessen lassen, sonst staut er.

«

Man kann mit der Vorsicht ja auch übertreiben.»

Gilt auch für den Kreisel. Aber Schreiber nähert sich jedem Kreisverkehr so vorsichtig, dass sie die Autos hinter uns runter- oder gar ganz abbremst. Das mag ich nicht. Was ich mag: Auf der Strasse mithelfen, damit alles in Bewegung bleibt. Ein gelingender Reissverschluss am Ende einer Fahrbahnverengung etwa ist das Resultat aufmerksamer, wortloser Kommunikation unter Wagenlenkern. Das beglückt mich.

Doch Schreiber hält lieber an. Früher hätte ich was gesagt. Jetzt nicht mehr – mittlerweile klappt auch bei uns die Kommunikation wortlos. Ich schau bloss demonstrativ in den Seitenspiegel. Sie weiss dann, was ich meine.

Die besten Kolumnen als Buch «Mein Leben als Paar» auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 30.01.2017, 16:00 Uhr

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