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Silvan Grütter
schreibt am 19.12.2017


Stille Nacht, eilige Nacht

Weihnachten sind ein bisschen wie schlechte Kinderwitze: Am Ende lacht man trotzdem – auch wenn einem gar nicht danach zumute ist.

Ich persönlich gehöre ja zur Gattung der Weihnachtsverdränger. Glühweinapéros in den Büros, Weihnachtsbeleuchtung in den Strassen und Adventskalender in den Kinderzimmern sollten zwar untrügliche Zeichen sein, dass das grosse Finale unmittelbar bevorsteht. Und trotzdem schaffe ich es immer wieder, dass aus dem Heiligen Abend eher ein eiliger Abend wird. Überstürzte  Menüplanung, panische Einkäufe und dann natürlich wieder kein gebügeltes Hemd im Schrank.
Und plötzlich steht er dann vor der Tür, der grosse Augenblick. Der Tannenbaum ist geschmückt, es duftet nach Guetzli und Braten, das Licht ist gedämpft, im Radio läuft Last Christmas, es klingelt, die Gäste stehen vor der Tür.

Und dann ist Weihnachten.

Alle Hektik ist verflogen, alles wird ruhig, der Abend nimmt seinen Lauf, es gibt kein Zurück mehr. Was eingepackt ist, ist eingepackt, was eingekauft ist, ist eingekauft, der Rest halt so, wie er ist, auch das ungebügelte Hemd.

Essen, trinken, Geschichten erzählen, alte Fotos anschauen und neue machen, in Erinnerungen schwelgen und Pläne schmieden, müde werden und dann doch noch eine Flasche Süsswein öffnen.
Das Geschirr stapelt sich in der Küche, das Kerzenwachs tropft auf den Parkett, die Kinder quängeln, der Magen rumort. Das ist Weihnachten.

Und nächstes Jahr wieder. Genau so.

Stille Nacht, eilige Nacht

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