Stimmig

Er: Wir werden älter und sind somit auch immer länger ein Paar. Aber das heisst ja nicht, dass wir deswegen leidenschaftsloser werden müssen. «Liebste?» «Was ist?», fragt Schreiber, da ich nichts anderes hinzugefügt habe. Nun fahre ich fort: «Die Kinder sind aus dem Haus.» «Ich weiss. Warum?»
«Warum wohl?» «Vermisst du sie schon?», spottet Schreiber. «Sie sind ja nur mit dem Hund draussen und in einer Dreiviertelstunde wieder zurück.» «Eben.»

«

Die Kinder sind aus dem Haus. ‹Liebste›? »

«Eben? Eben was? Kannst du deutlicher sein? Worum gehts?» «Worum?» Ist das nicht klar? Dann
 endlich versteht sie. «Ach, das meinst du!» Mir scheint, sie seufzt ein bisschen. «Eben», wiederhole ich. «Also nein. Stell dir vor, die Kinder kommen früher zurück, weil sie was vergessen haben. Nein, das geht jetzt nicht.»

«Erstens kommen sie nicht früher zurück und zweitens … also, ehrlich, ist ja schon eine Weile her.»
«Was? Stimmt doch gar nicht.» «Oh doch!» «Und selbst wenn. Mir ist nicht so danach. So plötzlich, so aus dem Nichts. Ich bin so gar nicht vorbereitet.» Etwas viele «so’s», finde ich, und meine
Hoffnung, dass es unkompliziert werden könnte, zerschlägt sich … nur ein wenig. Denn zuletzt stirbt bekanntlich die Hoffnung: «Liebste?»

Sie: Ich müsste noch eine Wäsche aus der Maschine holen und aufhängen, Leseanfragen beantworten, und mich auf meinen Biografiekurs vorbereiten, den ich am Wochenende gebe. Doch Schneider meint, nur weil die Kinder mal rasch aus dem Haus sind, könnten wir übereinander herfallen wie zwei Frischverliebte. «Nein, das geht jetzt nicht», sage ich deshalb. «Ach, komm!»
«Weisst du», sage ich, «bei mir muss eben alles stimmen. Das ist mir jetzt zu plötzlich.»

«Ich weiss, aber ganz stimmt es doch nie», entgegnet Schneider, «und ich tu jetzt eben gerade etwas dafür, damit sich das ändert.» «Ich versteh gar nichts. Du redest zu kompliziert», sage ich und denke, dass er halt einfach will und ich halt einfach nicht. «Das ist wie das letzte Puzzleteil. Das muss man einfügen. Dann stimmts», behauptet er.

«

Das ist mir jetzt einfach zu plötzlich.»

«Bin ich für dich nur ein Puzzleteil?» «Nein. Aber danach wäre alles perfekt.» Merkt er nicht, dass sein «Danach» nicht zu meinem «Jetzt» passt? «Also, wenn du unbedingt meine Stimmung verbessern willst, dann kannst du dich schon mal an die Wäsche ...» «Wäsche wäre ein Anfang», fällt mir Schneider grinsend ins Wort. Doch ich stelle gleich klar: «… an die Wäsche machen, die noch in der Maschine liegt!» 

 (Coopzeitung Nr. 06/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 08.02.2016, 00:00 Uhr

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