Strategiespielchen

Sie: Vor mir liegt ein Nachmittag in Zürich. Wie ich mich darauf freue! Freunde treffen in meiner Lieblingsstadt, in Ausstellungen gehen und dann zur Krönung einen gemeinsamen Abend mit Schneider im Kino verbringen. Wir wollen uns am Paradeplatz treffen und von dort zum Kino flanieren. Ich steige aus dem Tram und suche ihn unter all den Menschen, die hektisch herumwuseln. Da – jetzt sehe ich ihn. Er geht auf der anderen Seite der Bahnhofstrasse. Und nun spurtet er in meine Richtung. Mein Liebster! Während wir uns in der Menge näher kommen, blicken wiruns an. Und ich frage mich, was er wohl denkt?

«

Wie ich mich freue: ein Nachmittag in Zürich»

Ich trage einen Daunenmantel, meine schwarze Mütze habe ich tief ins Gesicht gezogen, den bunt karierten Schal, ich nenn ihn meine Picknick-Decke, mehrmals um den Hals gewickelt. Ob ich alt aussehe? Womöglich wuchtig? Ich strecke mich durch. Ob der Mantel ein bisschen aus der Mode ist? Er gibt ja warm, aber eine gute Figur macht er nicht. Bestimmt findet Schneider, dass ich früher besser aussah. Ich muss ihn auf andere Gedanken bringen, beginne zu hüpfen und wild zu winken, als hätten wir uns ewig nicht gesehen. Wenn er jetzt etwas denkt,dann hoffentlich:«Immerhin ist sie lustig.»

Er: Ich bin ein bisschen spät dran und hetze die Bahnhofstrasse runter. Schreiber, mit der ich mich zum Kino treffen will, soll nicht auf mich warten müssen. Sie schätzt es, wenn man pünktlich ist. Atemlos erreiche ich den Paradeplatz, mein Blick kreist entlang schick gekleideter Menschen, darunter viele Anzugmänner. Ich komme mir in meiner schweren Jacke etwas deplatziert vor. Müsste mich dringend wieder mal neu einkleiden, Jetzt sehe ich sie. Sie fuchtelt mit ihren Armen und albert rum, typisch Schreiber. Mann, ist die gross! Sie überragt die meisten hier. Ich gehe auf sie zu und sie strahlt mich an. Toll! Wenn ich das so sehe, dann verliebe ich mich vom Fleck weg wieder in diese gut gelaunte, spontane und unkomplizierte Frau. Verrückt, dass sie sich auch in mich verliebt hat! Etwas klein geraten, O-Beine, kaum Haare auf dem Kopf. Und trotzdem diese Klassefrau an meiner Seite.

«

Sie fuchtelt mit ihren Armen rum. Typisch! »

Welch’ Glück! Aber ich sollte ihr nicht gleich unter die Nase reiben, dass ich so ein Glückspilz bin. Nicht, dass sie es sich mal anders überlegt. Deshalb sage ich nur cool: «Hey, auch schon da?»

 (Coopzeitung Nr. 08/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 22.02.2016, 17:01 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Mägert Andrea antwortet vor 2 Monaten
Die Kündigung
Hiermit Kündige ich meine Coop ... 
Miguel de Antony y Maura antwortet vor 2 Monaten
Der längste Tag
Wie schon oft irrt sich Frau S ... 
Die Kroatin antwortet vor 2 Monaten
Schweizer Hymnen
Numme e so näbebii... die kroa ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?