Streifenalarm

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Schneider: Aus dem Nichts brüllt Schreiber auf dem Beifahrersitz: «Aaachtung!» Innert einer Sekunde mache ich mich erstens bereit, meinen Fuss aufs Bremspedal zu treten, zweitens sehe ich im Rückspiegel, dass ein Lastwagen dicht folgt, und drittens erhasche ich vorne rechts auf dem Trottoir einen älteren Mann mit Rollator, der sich in Zeitlupe auf den Zebrastreifen zubewegt. Im nächsten Sekundenbruchteil muss ich mich entscheiden.

«

Sie brüllt ‹Achtung›: Aber was muss ich jetzt tun? »

Option A: Runterbremsen und riskieren, dass der Laster hinter uns in uns reindonnert. Oder hoffen, dass er rechtzeitig ohne Unfall anhält. Dann könnte ich bei Schreiber punkten, sie liebt es, wenn ich an Fussgängerstreifen die Leute lächelnd über die Strasse lasse. Option B: Weiterfahren, denn bis der knapp Hundertjährige bis zum Zebrastreifen geklettert ist, bin ich längst weiter.

Einen Augenblick später habe ich mich entschieden: weiterfahren! Das hätte ich sowieso getan, hätte mir Schreiber nicht unvermittelt ins Ohr geschrien.

Dann atme ich auf. Den Mann sehe ich im Rückspiegel immer noch auf dem Trottoir und der Camion ist immer noch nah, aber ich habe alles im Griff.

Ausser Schreiber. Die zischt nämlich vorwurfsvoll: «Du hättest um ein Haar jemanden überfahren!»

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Schreiber: Schneider hat am Zebrastreifen nicht angehalten. Aber statt sich dafür zu entschuldigen, knurrt er: «Das war gefährlich!»

«Was genau?»

«Dass du so laut ‹Achtung› rufst.»

«Ich wollte dich warnen.»

«Ich bin so erschrocken, dass ich fast eine Vollbremsung hingelegt hätte.»

«Bremst du nicht für Menschen?»

«Natürlich tu ich das! Aber nicht für solche, die auf dem Trottoir spazieren!»

«

Ich wollte ihn ja bloss warnen.»

«Es war klar, dass der alte Mann über die Strasse wollte.»

«Ja. Irgendwann! In zehn Minuten.»

«Du hast ihn gar nicht gesehen! Gibs zu!»

«Klar habe ich ihn gesehen.»

«Aber zu spät! Ich wollte dich nur darauf hinweisen, dass da ein Mann auf dem Trottoir war, der vielleicht die Strasse überqueren wollte», sage ich, «man muss immer alles im Auge haben.»

«Genau, zum Beispiel auch, dass hinter uns an der Stossstange ein Lastwagen klebt.»

Ich blicke mich um. Tatsächlich. Ein Riesending. Hautnah. Schneider meint: «Der wäre bei uns hintendrauf geknallt.»

«Was ja wohl weniger schlimm wäre als ein überfahrener Fussgänger», erwidere ich. Denn genau deswegen ist ja eine Copilotin da, um mögliche Gefahren auszumachen. Und damit Schneider in Zukunft auch wirklich reagiert, sollte ich das einfach noch viel vehementer tun.

Dinnerlesungen mit den Kolumnisten und ihrem Programm «Mein Leben als Paar»: 26. Oktober 2017 «Hirschen» Erlinsbach SO; 27. Oktober 2017 «Rügel», Seengen AG; 2. November 2017 Unterengstringen AG. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 23.10.2017, 10:00 Uhr

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