Herkunftsbezeichnungen auf Flaschen sollen helfen, den Wein einzuordnen.

Süss und süss gesellt sich gern

Moscato d’Asti ist der Traumpartner für Obst und Desserts. Doch besonders die Paarung mit dem italienischen Osterkuchen Colomba ist legendär.

Zugegeben: Mit maximal 5,5 Volumenprozent ist er äus-serst bescheiden für einen Italiener. Doch genau deshalb gehört der Moscato d’Asti auch zu den alkoholischen Getränken, die mit gutem Gewissen schon zu früherer Stunde konsumiert werden können.

Besonders beim österlichen Mittagsmahl steht der süffige Perlwein in seinem Herkunftsland hoch im Kurs. Bei etwa zehn Grad serviert, macht er beispielsweise mit einem Stück Colomba Pasquale, dem traditionellen italienischen Osterkuchen in Form einer Taube, die Feiertage perfekt. Auch hierzulande.

Spritziges Kulturgut

Es sind insgesamt 53 Gemeinden, die im Piemont den berühmten Schaumwein herstellen. Den gibt es dort schon seit dem Mittelalter. Im 17. Jahrhundert, als die ans Tessin grenzende Region noch zu Savoyen gehörte, verbesserte Giovanni Battista Croce die Anbau- und Produktionstechniken der Weinkeller der Herzöge von Savoyen. Und Carlo Gancia wurde zum Begründer des weissen Schaumweines, als er 1870 das Champagner-Verfahren einführte.

Moscato oder Spumante?

Der Moscato d’Asti trägt den Namen Perlwein, weil der Kohlensäuredruck lediglich 1,5 Bar beträgt. Der Spumante hingegen gilt als Schaumwein, weil seine Gärung etwas weiter fortgeschritten ist. Mit 3 Bar Druck hat er daher eine deutlich besser spürbare Perlenbildung. Nur bei Sekt, Prosecco Spumante und vor allem Champagner ist der Druck mit bis zu 6 Bar noch höher. Doch es gibt noch einen weiteren Unterschied: Während vom süsseren Moscato pro Jahr nur rund 4 Millionen Flaschen produziert werden, sind es beim Spumante über 80 Millionen. Damit steht der Massen-Schaumwein, der bis zu 9,5 Prozent Alkohol enthalten kann, nach dem Champagner an zweiter Stelle der Produktions-Statistik. Weltweit.

Bloss nicht aufsparen

Wer zu lange auf den richtigen Moment wartet, um eine gute Flasche Moscato d’Asti zu entkorken, wird ihn höchstwahrscheinlich verpassen. Denn jung schmeckt er am fruchtigsten. Aus diesem Grund sollte man die piemontesische Spezialität auch nicht länger als zwei Jahre nach der Abfüllung liegen lassen. Daher: trinken! Am besten gleich zu Ostern.

Doch Achtung! 

Es gibt eine einfache Regel, die man bei der Zusammenstellung von Wein und Süssspeisen beherzigen sollte: Bitterstoffe und Säuren addieren sich, Zucker und Süs-
se hingegen heben sich auf. So wirkt beispielsweise ein Dessertwein wesentlich weniger süss, wenn er zu einer Nachspeise getrunken wird, als wenn man ihn solo konsumiert. Deshalb liegen die Italiener auch goldrichtig mit der genussvollen Kombination der Colomba Pasquale mit einem Glas kühlen Moscato d’Asti. 
Zum Glück haben bei unseren Nachbarn die gekochten und gefärbten Eier in diesem Fall keinerlei Bedeutung an Ostern. Wen wunderts. Geschmacklich würden die nämlich so ganz und gar nicht zum Moscato passen.

Der Druck in der Flasche

Die Kohlensäure im Schaumwein stammt entweder von einer alkoholischen Gärung mit Hefe oder von einem Dosiergerät, welches die Kohlensäure in den Wein pumpt. Laut EU-Regelung muss ein Schaumwein mehr als drei Bar Druck aufweisen. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Champagner, deutscher Sekt, Cava, Asti und Prosecco Spumante.

Zum Vergleich: Ein Autoreifen hat im Durchschnitt einen Druck von 2,5 Bar. Die Flaschen müssen also eine enorme Belastung aushalten und sind deshalb auch dickwandig und schwer. Die Halbschaumweine, in Italien als Frizzante und Frankreich als pétillant bezeichnet, haben nur einen Druck von 1,5 bis 2,5 Bar. Deshalb schäumt beispielsweise ein Prosecco Frizzante viel weniger stark als ein Champagner.

Jan Schwarzenbach, Önologe

Moscato d’AstiMoscato d’Asti DOCG Piazzo, 2014

Ein süsser Wein mit ansprechenden Traubensaftaromen, feinperlend, sehr erfrischend. Wenig Säure, im Gaumen mit viel Frucht. Passt zu Fruchtdesserts, Apéro, asiatischen Gerichten, Currys und Wasabinüssen. Fr. 8.95/75 cl.

Moscato d’Asti DOCG Conica Araldica, 2014

Helles Strohgelb, klassisches Bouquet nach reifer Frucht mit Noten von Zitrusfrüchten, frisch-fruchtige Aromen. Wunderbar erfrischend mit dezenter Süsse, prickelnder Kohlensäure. Passt zu Fruchtdesserts und Apéros.

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Nadine Bauer

Redaktorin

Foto:
Heiner H.Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 30.03.2015, 07:17 Uhr

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