Süsses Zwischenlager

Schneider: «Papa? Morgen fahren wir doch zur Nonna. Darf ich für sie Cupcakes machen?» Ich seufze. Unsere Tochter entwickelt sich immer mehr zur grandiosen Konditorin. Dauernd will sie backen. Andere 14-Jährige fragen ihre Eltern, ob sie zwei Stunden länger am Computer sitzen können oder in die Stadt shoppen gehen dürfen. Unsere hingegen tüftelt am liebsten in der Küche. Das ist zwar grossartig. Aber irgendwie wird es auch zu viel, wenn überall sehr leckeres, aber letztlich eben sehr süsses und sehr kalorienreiches Gebäck herumsteht, das gegessen werden muss.

«

Es wird zu viel, wenn überall süsses Gebäck rumsteht.»

Also haben Schreiber, obschon sie unersättlich ist in Sachen Zucker, und ich vereinbart, dass unsere Tochter nur noch zu bestimmten Anlässen backen darf. Und für ein anderes Zielpublikum als wir beide. Unsere Verwandtschaft und unser Bekanntenkreis profitieren davon, Schreibers und meine Linie auch. «Ja, du kannst für die Nonna backen. Einfach nicht zu viel», antworte ich deshalb. Meine Tochter lächelt: «Schon gut, Papa, ich weiss, dass du so tust, als ob du Süsses nicht magst. Aber ich kenne dein Geheimnis.» «Was für ein Geheimnis?» «Dass du Süssigkeiten hinter deinen Büchern im Regal versteckst.»

Schreiber:  «Wie verzweifelt bist du, dass du dein Zuckerdepot bereits in meinem Bücherregal anlegst?» Schneider baut sich vor mir auf und wettert gleich weiter: «Ich kann ja nicht verhindern, dass du dir deinen Nachschub organisierst. Aber ich bin derjenige in der Familie, der gegen diese Süssigkeitenflut ankämpft – und ausgerechnet hinter meinen Büchern finden dann unsere Kinder Süsses?» «Ja, also, jetzt hör mir mal zu, ich …» «Nein, du hörst zu. Erziehung hat damit zu tun, dass man Werte vorlebt! Unsere Kleine hat nur gegrinst, als ich ihr erklärt habe, dass nicht ich diesen Naschkram hinter die Duden gelegt habe, sondern du! Und das sagst du ihr gefälligst noch einmal selber!»

«

Es ärgert mich, wenn überall Schleckereien rumliegen.»

Endlich holt er mal Luft. Aber nur, um danach gleich abzurauschen. Schade. Ich wollte ihm sagen, dass diese Tüte ein Überbleibsel vom Geburtstagsfest der Kleineren war. Und dass ich mich geärgert habe, weil bei uns überall Schleckereien herumliegen. Noch dazu solche, die ich gar nicht mag, sonst könnte ich sie wenigstens selbst essen. Ich habe also kein Depot angelegt, sondern ein Zwischenlager, um die Tüte dann, wenn sie niemand mehr vermisst, ohne Schaden zu entsorgen.

Die besten Coop-Kolumnen von Schreiber vs. Schneider der letzten Jahre nun als Buch. «Spesen einer Ehe». Fr. 25.– plus Versandkosten: www.schreiber-schneider.ch

 (Coopzeitung Nr. 51/2014)

Essen wir alle zu viel Süsses?

Macht Schneider aus jedem Gummibärli gleich ein Zuckermonster? Oder ist Süsses gar gesund, wie Schreiber meint.  Stimmen Sie hier ab, wer recht hat.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 15.12.2014, 12:00 Uhr

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