Viele verschiedene Blumen: Das haben Honigbienen, Wildbienen und andere Bestäuber gerne.

Summsumm: Bienen brauchen Vielfalt

Im Juni finden Bienen auf einen Schlag weniger Nahrung. Blütenvielfalt im Bio-Landbau statt «grüne Wüsten» hilft, damit sie gesund über die nächsten Monate kommen und überleben.

Wo sind die farbenfrohen Felder und Äcker aus unseren Kindheitserinnerungen geblieben? Bunte Wiesen, so weit das Auge reichte. In denen es von März bis Oktober wimmelte von Bienen und anderen Insekten, die sich am Nektar und Pollen «betranken». Gras und Blütenstände, die so hoch wuchsen, dass man darin Verstecken spielen konnte. Liegt es daran, dass man als Kind einen «beschränkten Horizont» hatte?

«Grüne Wüste» droht

Fakt ist, die intensive Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten Flächen mit hoher Blütenvielfalt verdrängt, Insekten wie Honigbienen, Wildbienen oder Schwebfliegen verloren den Lebensraum. «Im Juni sprechen wir von der ‹grünen Wüste›, sagt Salvador Garibay, Spezialist für Honigbienen am Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL), das von Coop unterstützt wird. «Nach der Rapsblüte im Mai und wenn alle Felder abgemäht sind, geht das Nahrungsangebot für alle Bestäuber auf einen Schlag zurück», sagt er. Dabei wäre gerade in dieser Zeit wichtig, dass vor allem Bienen Energie tanken können.» Ein durchschnittliches Volk, das Ende Januar 10 000 Tiere zählt, wächst bis Ende Mai auf 25 000 und bis Ende Sommer auf über 40 000 Bienen an. Diese haben Hunger. «Je weiter die Tiere fliegen und nach Pollen und Nektar suchen müssen, desto mehr Kraft brauchen sie», erzählt Garibay, der seit 2001 Imker, seit 2004 bio- und seit 2008 auch Demeter-zertifiziert ist. «Wegen des knappen Futterangebots und der langen Wege gehen sie geschwächt in die Ruhephase und sind für Krankheiten anfällig.»

Blütenvielfalt machts aus

Nicht ausser Acht gelassen werden dürfen auch Wildbienen, deren Bestäubungsleistung stark unterschätzt wird. Sie sind ein verlässlicher Bio-Indikator: Je mehr Wildbienenexemplare und -arten, desto höher ist die gesamte Artenvielfalt. Vor allem der Bio-Landbau fördert ebendiese Diversität. In BioBetrieben gibt es 50 bis 70 Prozent mehr naturnahe Flächen, auf denen sich die natürliche Vielfalt entfalten kann und Bienen eine nachhaltige Lebensgrundlage finden. «Blühstreifen am Ackerrand mit einem Blumenmix sind ein gutes Beispiel», so der 53-jährige Garibay. «Bio-Bauern fördern weiter ganz bewusst die Blütenvielfalt in den Wiesen.» So lassen sie einst als Unkraut verschrieene Wildkräuter, die Wachstum und Ernte von Kulturpflanzen nicht beeinträchtigen, im Feld. Darunter sind Pflanzen mit märchenhaften Namen wie Acker-Gauchheil, Sommer-Adonisröschen oder Echter Frauenspiegel – viele blühen lange in den Herbst hinein. Auch in der Fruchtfolge erweitern blühende Kulturen wie Senf, Raps, Sonnenblumen oder Buchweizen das Blütenspektrum. Solche Massnahmen, die das FiBL erarbeitet und wissenschaftlich erforscht hat, zeigen Erfolg: So ist es erwiesen, dass es auf Bio-Feldern beispielsweise drei- bis viermal mehr Bienenarten und siebenmal mehr Bienen gibt. Diversität hilft den Bienen, kräftig und gesund zu bleiben. Und letztendlich ist der Mensch von starken Bienen abhängig. «Ohne sie würde es Äpfel, Kirschen und viele andere Obst- und Gemüsesorten nicht mehr geben», sagt der Bienenforscher.

Hier finden Sie die Tat Nr. 82
Hier finden Sie alle Taten auf einen Blick

Markus Kohler

Redaktor

Foto:
zVg
Veröffentlicht:
Montag 30.05.2016, 00:00 Uhr

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?