Knorrli.

Suppengeist

Was hat ein Berggeist auf der Suppe zu suchen? Auf den ersten Blick nichts, doch bei Knorr war diese ungewöhnliche Liaison ziemlich erfolgreich.

Nein, nein, ich esse meine Suppe nicht.» Der Suppenkaspar aus dem «Struwwelpeter» hats vorgemacht und Generationen von Kindern haben Suppe gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Was die meisten Eltern weder mit guten Worten noch mit reichlich Schelte fertiggebracht haben, hat ausgerechnet eine Firma aus dem schaffhausischen Thayngen geschafft: Knorr machte den Kindern die Suppe schmackhaft. Gebraucht hat es dazu allerdings keine neue Rezeptur, sondern eine sympathische, kleine Werbefigur, die auf den Suppenbeuteln auftauchte und bald zum Liebling der Kinder wurde: der Knorrli.

Sein grafischer Schöpfer Hans Tomamichel (1899–1984) definierte ihn als freundlichen Berggeist, der – ähnlich wie die Erd- und Wichtelmännchen in den Alpensagen – den Menschen hilfreich zur Hand geht. «Den Knorrli hatte ich rot gemacht. Ich machte ihm einen runden Kopf – wie bei einem Suppenteller. Stellte zwei Augen und eine Nase hinein und eine flatternde Zipfelkappe», erklärte der Maler und Grafiker einst das unverwechselbare und bis heute typische Aussehen. Das erste Mal tauchte der kleine Kobold in diesem Kleid aber nicht als Knorrli auf, sondern als Knorritsch-Maa auf den Haferflockenpackungen. Seine Taufe als Knorrli erlebte er am 15. September 1948 mit einem Inserat im «Beobachter» und dem Taufspruch: «De Knorrli bin i – Knorr-Suppe bring i». Von da an war der Knorrli auf Suppenpackungen zu finden. Zu grosser Beliebtheit kam er aber vor allem als kleine Kartonfigur in den Haferflöckli, denen er als Überraschung für die Kinder beigelegt war. Etwa in Gestalt eines Turners oder Hampelmanns. Dass sein Schöpfer einen Berggeist vor seinem geistigen Auge hatte, darauf kam niemand.

Knorrli tauchte zum ersten Mal auf einer Hafenflocken-Packung auf, damals noch unter dem Namen Knorritsch.

Knorrli tauchte zum ersten Mal auf einer Hafenflocken-Packung auf, damals noch unter dem Namen Knorritsch.
http://www.coopzeitung.ch/Suppengeist Knorrli tauchte zum ersten Mal auf einer Hafenflocken-Packung auf, damals noch unter dem Namen Knorritsch.

Für Knorr war die Figur ein Glücksfall. Nicht zuletzt dank der urschweizerischen Verkleinerungsform «li» löste er seine Aufgabe als Sympathieträger zum oft als hart empfundenen Firmennamen mit Bravour. Kein Wunder, wurde er fortan auf allen Packungen und in allen Werbemitteln eingesetzt. Vor allem aber präsentierte nicht mehr Knorr ein neues Produkt, sondern Knorrli. Und die Produkte, auf denen die Figur prangt, erreichten oft einen ähnlichen Bekanntheitsgrad wie die Werbefigur selbst. Zum Beispiel das 1953 eingeführte Aromat, das man getrost als das Schweizer Nationalgewürz betrachten darf. Ob der Erfolg der Streuwürze nun am Produkt selber oder am Knorrli liegt, sei dahingestellt. Mit einem, gemäss Marktstudie, Bekanntheitsgrad von 93 Prozent ist Knorrli einer der berühmtesten Schweizer, was der Popularität von Aromat gewiss nicht geschadet haben dürfte.

Aromat gilt seit 1953 fast schon als Schweizer Nationalgewürz.

Aromat gilt seit 1953 fast schon als Schweizer Nationalgewürz.
http://www.coopzeitung.ch/Suppengeist Aromat gilt seit 1953 fast schon als Schweizer Nationalgewürz.

Aus der Schweiz nicht wegzudenkenKnorr ist die viertgrösste Marke im Schweizer Lebensmittelhandel (ohne Tabak und Alkohol; Quelle: Nielsen) und verkauft in der Schweiz über 70 Millionen Produkte jährlich. Das 1838 von Carl Heinrich Theodor Knorr (1800–1875) im deutschen Heilbronn gegründete und heute zu Unilever gehörende Unternehmen verfügt über eine über 100-jährige Produktionstradition im schaffhausischen Thayngen. Dort werden rund 90 Prozent der hierzulande vertriebenen Produkte nach Schweizer Rezepturen exklusiv für den hiesigen Markt hergestellt. Darunter Schweizer Küchenklassiker wie Knorr-Bouillonwürfel, Aromat, Stocki-Kartoffelpüree, Bratensauce oder Quick Soup.

Hier geht es zur Webseite von Knorr

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Stefan Fehlmann

Redaktor

Foto:
Keystone, zVg
Veröffentlicht:
Montag 19.01.2015, 00:00 Uhr

Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?