Tanz vorm Parkhaus

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Schneider: Mit dem Auto in eine fremde Stadt reinzu­fahren macht mir nie Spass. Trotzdem gehts manchmal nicht anders. Wir planen nach einer Lesung einen Tag in Salzburg und Schreiber sucht online ein Parkhaus heraus: «Das klingt so schön, das nehmen wir: Mirabellen.» Sie kichert. Was meine Stimmung nicht verbessert, denn die Stadt begrüsst uns alles andere als mozärtlich, sondern mit Stau. Ganz Europa will hierher. Nach einer Ewigkeit erreichen wir endlich das Parkhaus, ich spure rechts ein. Eine brutal steile und perfid schmale Rampe führt hinab zum Zettelautomaten. Ich krieche Zentimeter für Zentimeter runter, immerhin reichen die zwei Meter Höhe für unseren VW-Bus aus.

«

Die Rampe im Parkhaus ist brutal steil und schmal.»

Schreiber flüstert: «Mann, ist das alles knapp hier.» Als wir an der Reihe sind, atme ich auf, drücke das Knöpfchen fürs Ticket. Nichts. Ich drücke erneut. Kein Ticket, keine Schranke, die hochgeht, nur eine Frau, die von hinten runtergerannt kommt und versucht, die Maschine mit Papierstreifen zu füllen. Hinter uns stauen sich die Autos. Mir platzt der Kragen, ich fluche aus dem offenen Fenster, was das Zeug hält, die Frau starrt mich an, dann springt plötzlich Schreiber raus und ruft: «Ich rette uns!» Auch das noch!

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Schreiber: Hinter uns hupts, wir können nicht vor, nicht zurück, und neben mir fliegt grad jemand in die Luft. Mir wird klar, dass diese hochexplosive Situation nach einer mutigen Frau schreit: «Ich rette uns.» Dann steige ich aus, quetsche mich an der steilen Rampe hinter unserem Auto in die Kolonne, breite die Arme aus, verbeuge mich, fuchtle, winke. Alle gucken, keiner schnallts. Ich hüpfe höher, winke wilder. Jetzt grinsen manche. ‚Ihr sollt nicht lachen, ihr sollt euch bewegen’, denke ich. Und dann, tatsächlich, dann schieben sich die Autos zurück, gaaaanz langsam, eines nach dem anderen. Ich tänzle mit, und als wäre ich Dirigentin, lotse ich die Autos auf der Hauptstrasse mit eleganten Wischbewegungen zur Seite.

«

Ich verbeuge mich, fuchtle, winke - keiner schnallts.»

Mein Einsatz wirkt: Sie können nun im Reissverschluss in die zweite Spur wechseln, wo der Ticketautomat noch funktioniert. Ich dirigiere weiter, um Blechschäden zu vermeiden, da höre ich den Motor unseres VW-Busses aufheulen. Ich sorge für eine Lücke, bedanke mich mit Kusshändchen und eile zum Auto zurück, Schneider zieht ein Ticket, ich erwarte eine Heldinnenfanfare. Doch er drückt aufs Gas, rast davon, und ich tröste mich damit, wie so viele Genies  zu Lebzeiten verkannt zu werden.

Die Kolumnisten live mit ihrem Programm «Mein Leben als Paar»: 21. September Dinnerlesung in Aeschi SO. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 25.09.2017, 15:45 Uhr

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