Eishockey ist das Steckenpferd von Steffi Buchli – kein Wunder ... denn mit Stecken kennt sich die dreimalige Unihockey-Schweizermeisterin aus.

Tausendsassa

Sportmoderatorin Steffi Buchli polarisiert seit Beginn ihrer TV-Karriere. Nach 14 Jahren und 1000 Interviews verlässt sie SRF. Die einen bedauern es …

Wir treffen Steffi Buchli auf der Dachterrasse des Vegi-Restaurants Hiltl in Zürich – sie isst nämlich kein Fleisch. Die 38-Jährige hat noch immer kurze rote Haare, noch immer stahlblaue Augen, noch immer rund 80 Paar Schuhe, noch immer eine grosse Tätowierung und behauptet sich nach wie vor und ohne Probleme in der Männerdomäne Sport. Die scheinbar interessantesten Fakten und was sie schon gefühlte 259 Mal gefragt wurde, sind also auf dem Tisch. Wir fragen nicht mehr danach – Steffi Buchli ist uns dankbar.

Steffi Buchli, gibt es eine Frage, die Ihnen noch nie gestellt wurde, zu der Sie sich aber gerne äussern würden?
Es ist so: Diese Frisur-, Schuh-, Frau-in-Männerdomäne-Fragen, die langweilen mich. Lieber würde ich über meine Arbeit und meine Gedanken dazu sprechen. Aber anscheinend ist das schlicht weniger spannend.

Die Gedanken zu Ihrer Arbeit? Wir hören:
Jaaa … das ist jetzt sehr allgemein, das ist gemein (lacht). Aber ich versuchs. Ich denke, viele wissen nicht, dass hinter der Arbeit eines Sportmoderators ziemlich viel Büez steckt. Es ist nicht so einfach, wie es scheint.

Sondern?
Das ist nicht nur «Sich schminken lassen, eine halbe Stunde in die Kamera lächeln und ein wenig Blabla». Da verrichtet ein grosses Team viel Arbeit. Ich finde, dass diesem Aspekt vor lauter Oberflächlichkeiten zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Aber beklagen will ich mich nicht, ich habe längst begriffen, dass diese Reduktion auf Köpfe und Äusserlichkeiten Teil des TV-Business ist.

Dann können wir es jetzt nicht lassen, doch noch eine oberflächliche Frage zu stellen – zum Dauerthema: Ihren Haaren. Sieht man Sie wieder einmal mit langer Mähne?
Uff! Das habe ich mir noch nie überlegt. Wobei ich viel zu ungeduldig bin, mir diese wachsen zu lassen. Daher … wohl eher nicht.

Lassen wir diese haarsträubenden Fragen und wenden uns wieder ernsteren Themen zu.
Sehr schön!

Warum polarisieren Sie derart?
Das kann ich mir selber nicht ganz erklären. Ich denke aber, dass es in der Schweiz ganz wenig benötigt, damit sich die Menschen provoziert fühlen. Die Grenze zwischen dem sogenannten
Normalsein und dem etwas Speziellen ist in unserem Land sehr dünn. Ich muss jeweils schmunzeln, denn ich finde mich eigentlich sehr normal.

«

In der Schweiz benötigt es wenig, damit sich die Menschen provoziert fühlen.»

Vor Kurzem haben Sie beim SRF gekündigt. Sie wechseln Anfang Juni zum Privatsender MySports von UPC. Im Sportlerjargon: ein Transfer aus der Topliga zu einem Provinzclub. 
Ich sehe dies natürlich nicht so, sonst würde ich diesen Schritt nicht machen. MySports ist ein Sender, der schweizweit ausgestrahlt wird und auf stabilen Beinen steht. Zudem habe ich nach 14 Jahren beim SRF Lust auf eine Veränderung, eine neue Herausforderung mit mehr Verantwortung und Mitspracherecht. 

Dann haben Sie also bei MySports auch mehr kreativen Freiraum, als Sie beim öffentlichen Sender hatten?
Ja klar! Beim SRF sind die Leitplanken sehr eng gefasst. Innerhalb dieser hatte ich begrenzt Raum, mich zu entfalten. Bei MySports hingegen kann ich mir ebendiese Leitplanken selber setzen. 

War auch der Lohn ein Grund?
Es ist mehr das Gesamtpaket, das stimmt, und da gehört logischerweise auch der Lohn dazu. Mehr werde ich dazu aber nicht sagen.

Wie reagieren Sie bei einem Interview, das Sie selber führen, auf eben Ihren letzten Satz?
Bei solch absoluten Themen, wie Lohn oder sonstige Zahlen, gebe ich mich mit der Antwort zufrieden und wechsle das Thema.

Und genau das machen wir jetzt auch. Meist sieht man Sie mit einem Strahlen im Gesicht. In welchen Situationen vergeht Ihnen das Lachen?
Wenn zum Beispiel in meinem privaten Umfeld etwas nicht stimmt oder wenn jemand krank ist. Ich bin von Natur aus ein positiver Mensch. Aber ich trete nicht vor die Kamera und denke: So, jetzt setze ich mal mein Fernsehlachen auf.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie moderieren heute Abend «Sport Aktuell». 15 Minuten vor Sendebeginn gibt Roger Federer seinen Rücktritt bekannt! Wie würde Ihre Anmoderation lauten? 
Oje!! Da würde ich kurz im Archiv nachschauen, wann zum ersten Mal jemand geschrieben hat: Jetzt sollte Federer zurücktreten – das war wohl vor ungefähr acht Jahren der Fall. Beginnen würde ich dann die Sendung mit dem Satz: Vor acht Jahren wurde Roger Federer erstmals der Rücktritt nahegelegt. Er hat noch eine kleine Extrarunde eingelegt, doch heute ist es definitiv so weit.

Was denken Sie, wie lange spielt er noch?
So viel Spass, wie er jetzt wieder an seiner Arbeit hat … sicher noch zwei bis drei Jahre.

Können Sie beziffern, wie viele Interviews Sie in Ihrer Karriere schon geführt haben?
Ich habe nie gezählt …  wohl gegen die tausend.

Wer war der bisher schwierigste Gesprächspartner?
Extrem nervös war ich vor einem Interview mit Gennaro Gattuso (ital. Fussballlegende, d. Red). Alle Kollegen haben mir gesagt, dass er ein Grummli sei und schwierig im Umgang mit Journalisten. Ich war aber dann positiv überrascht. Denn er war sehr gut gelaunt. Das Einzige, was er nicht wollte, und zwar als Einziger in meiner ganzen Fernsehkarriere, war, sich schminken lassen. Er sagte: Questo è per le donne – das sei nur etwas für Frauen.

Wie ist der Teamspirit unter den SRF-Sportmoderatoren? Das sind doch alles extrovertierte Alphatierchen. 
Also grosse Eklats haben wir bisher nicht gehabt (lacht). Und ich finde, der Teamgeist ist sehr gut. Aber man merkt natürlich immer, dass es wenige Plätze an der Sonne gibt und für diese wird gekämpft. Im Fussball würde man wohl sagen: Gemäss Regelbuch, es passieren selten Fouls.

Wenn Sie wählen könnten … in welcher Sportart würden Sie selber gerne zu den Besten gehören?
Hmmmmm, lassen Sie mich überlegen … im Tennis!

Weil man dort am meisten verdient?
Nicht unbedingt. Vielmehr ist es doch die Krönung, wenn man es in einem Einzelsport, der so global ist und bei dem es so viele Lizenzierte gibt, an die Spitze schafft. Ich spiele selbst auch Tennis, wenn auch nur hobbymässig und auf sehr bescheidenem Niveau.

Und FC-Basel-Fan sind Sie auch.
Nein, warum?

Weil Sie Ihre Tochter nach FCB-Legende Karli Odermatt benannt haben.
Haha, sehr lustig, aber nein. Obwohl ich denke, dass ihn das womöglich noch freuen würde, wenn ein Kind nach ihm benannt würde. Vorbild für den Vornamen unserer Tochter war aber Karlie Kloss – ein US-amerikanisches Model. Und einfach darum, weil mir der Name schon immer gefallen hat.

«Ich denke nicht: So, jetzt setze ich mal mein Fernsehlachen auf.»

«Ich denke nicht: So, jetzt setze ich mal mein Fernsehlachen auf.»
http://www.coopzeitung.ch/Tausendsassa «Ich denke nicht: So, jetzt setze ich mal mein Fernsehlachen auf.»

«Lachen ist das einzig wahre Doping» oder «Gespräche sind mein Lebenselixier» – zwei Zitate auf der Webseite von Steffi Buchli, die den Charakter der Powerfrau aus Zürich auf den Punkt bringen. Rund 1000 Interviews hat die 38-Jährige in ihrer journalistischen Laufbahn mit berühmten Sportlern geführt – immer mit einem Lachen auf den Lippen. Beim Schweizer Fernsehen hat sie als Sportmoderatorin polarisiert. Entweder man liebte sie oder ... fand sie eben nicht so gut. Per Anfang Juni wechselt Steffi Buchli zum Privatsender MySports von UPC – für die einen ein Segen, für die anderen  …  nun eben – nicht so gut!

Zur Webseite von Steffi Buchli

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