Tennis-Queen: Der Kampf der Geschlechter lebt neu auf

In ihrem neusten Film betritt Emma Stone den Tenniscourt, um einen überheblichen Rivalen in die Schranken zu weisen.

In «Battle of the Sexes» spielt Oscar-Preisträgerin Emma Stone (28) die Tennis-Legende Billie Jean King. Diese verlässt Anfang der 1970er-Jahre mit anderen Spielerinnen den US-Tennisverband aus Ärger darüber, dass die Frauen an Turnieren viel weniger kassieren als die Männer. Der Ex-Champion Bobby Riggs befürwortet die Ungleichbehandlung und fordert King heraus: Mit 29 und auf dem Zenit ihrer Karriere habe sie gegen ihn, den 55-Jährigen, keine Chance.

30 000 Zuschauer verfolgen 1973 diesen «Kampf der Geschlechter» im Astrodome von Houston, plus 90 Millionen weltweit im TV – damals ein neuer Rekord bei Sportübertragungen. Der Tennis-Macho ist dabei zur Freude des angeblich schwachen Geschlechts chancenlos: Er unterliegt King mit 4:6, 3:6, 3:6.

Emma Stone, wie spielt eine Hobbysportlerin die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste?
Indem man vorher ordentlich trainiert … (Lacht.) Körperlich war das die anstrengendste Rolle, die ich bisher gespielt habe. Zu meiner Vorbereitung habe ich im Fitnessraum Gewichte gestemmt und natürlich richtig viel Tennis gespielt. Ich versuchte dabei, den Stil von Billie Jean King zu kopieren. Das war eine Herausforderung.

Aber durch das Tanz-Training für «La La Land» waren Sie doch bestimmt noch in Form.
Na ja, Tanzen und Tennisspielen sind dann doch zwei verschiedene paar Schuhe. Sport hat mich in meiner Jugend nicht wirklich interessiert. Dafür tanzte ich schon als Kind wahnsinnig gerne und nahm dafür Unterricht, allerdings in einem völlig anderen Stil. Kennen Sie die Cheerleader-Truppe «Laker Girls»? Genau so tanzte ich früher. Das mutet vielleicht seltsam an für ein Kind, aber mir hat das viel Spass gemacht.

Sie können sich vor Angeboten kaum retten. Warum haben Sie sich für «Battle of the Sexes» entschieden?
Ich wusste gar nichts von diesem Kampf der Geschlechter, bevor man mir das Drehbuch zusandte. Je mehr ich dann über Billie Jean King las, desto faszinierender fand ich ihre Geschichte. Für Frauen in den Siebzigerjahren wurde sie zur Heldin und Ikone. Sie inspirierte gleich mehrere Generationen, obwohl sie noch relativ jung war.

Sie setzte sich aber nicht nur für die Rechte der Frauen im Sport ein.
Genau, sie versuchte auch, den damals noch vollkommen elitären Tennissport für andere soziale Schichten zu öffnen. Seit ihrem zwölften Lebensjahr trainierte sie in einem Club, in dem nur wohlhabende Mitglieder mitspielen durften. Ihre Eltern hatten aber nicht genug Geld, um ihr ein teures Tennis-Outfit zu kaufen. Deshalb nähte ihre Mutter vieles selber. Mit dieser Kleidung durfte sie dann nicht mit auf ein Gruppenfoto ihres Jahrgangs. Solche Erlebnisse haben sie geprägt. Das finde ich spannend.

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Körperlich war das die anstrengendste Rolle, die ich bisher gespielt habe.»

Warum ist die Geschichte von Billie Jean King auch heute, 44 Jahre später, für junge Frauen noch immer interessant?
Leider hat sich seit 1973 für uns gar nicht so viel verändert, was Gleichberechtigung im Job und gleiche Bezahlung angeht. Das hat mich schockiert, als ich genauer darüber nachdachte.

Der Film wurde mit viel Liebe zum Detail im Look der 1970er-Jahre ausgestattet.
Die Ausstattung ist tatsächlich fantastisch und diese Zeit war wirklich cool – in «Battle of the Sexes» sieht sie besonders stylish aus. Unser Kameramann Linus Sandgren hatte ja schon «La La Land» gedreht. Er hat wunderbare Bilder in Pink, Blau und Rot kreiert. Und dann liebe ich die Kostüme von Mary Zophres. Sie hatte mich auch bereits für «La La Land» eingekleidet. Besonders grandios finde ich meinen «Shag Haircut». Der rockt, oder?

Es ist zumindest ungewohnt, Sie mit dunklen Haaren zu sehen. Ihr Markenzeichen sind ja eigentlich die roten Haare.
Als ich nach Hollywood kam, hatte ich noch blondes Haar, und damals meinten viele, damit könnte ich allenfalls als Cheerleader in Teenie-Filmen Erfolg haben. Ich sprach schon damals so wie heute: mit einer tiefen Stimme und sehr direkt. Die Casting-Leute fanden mich bizarr und dachten: Was ist das für eine verrückte Fünfzehnjährige? So wird die nicht im «Disney Channel» erscheinen! Also färbte ich die Haare erst einmal braun – eine Woche später hatte ich bereits meine erste Rolle. Eine andere Haarfarbe ändert dein Leben! Für «Superbad» probierten wir dann zum ersten Mal Rot aus. Meine Mutter hat rote Haare, und ich trug meine Haarfarbe als Hommage an alle Rothaarigen dieser Welt.

Sie haben sich Ihren Platz als bestbezahlte Schauspielerin in Hollywood selbst erkämpft. Wie haben Sie dieses Kunststück geschafft?
Ich zog mit fünfzehn nach Los Angeles, mit dem Plan, Schauspielerin zu werden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich bloss frühreif war oder ob ich es aus reiner Dummheit gemacht habe. Aber es hat funktioniert – sonst würde ich nicht hier vor Ihnen sitzen. (Lacht.) Eigentlich war es komplett unrealistisch, dass es klappt, aber ich wurde für meinen Mut belohnt.

Der Legende nach haben Sie Ihre Eltern durch eine Power-Point-Präsentation mit dem Titel «Project Hollywood» davon überzeugt, Sie nach Los Angeles ziehen zu lassen.
Klingt gut, oder? Aber die Geschichte ist wirklich wahr. Es hätte in die Hose gehen können. Mein Glück war, dass meine Eltern mich nicht für verrückt erklärten, sondern meinen Traum unterstützten. Meine Mutter fuhr sogar mit mir zu jedem Casting.

Sie wurden in kürzester Zeit zum Star. Was ist die wichtigste Lektion, die Sie in dieser Zeit gelernt haben?
Dass es wichtig ist, authentisch zu bleiben. Ich musste das erst lernen. Es ist ganz seltsam, wenn du ständig Fremde triffst, die so tun, als würden sie dich schon lange kennen und eine vorgefertigte Meinung von dir haben – nur weil sie ein paar Interviews mit dir gelesen haben. Ich bin mir heute viel mehr bewusst, dass ich einen Teil meines Lebens für mich behalten muss. Ich kann nicht alles mit der Öffentlichkeit teilen. Da muss ich die richtige Balance finden. Früher habe ich mich einfach mit Journalisten aufs Sofa gesetzt und drauflosgequatscht.

Was hat Ihnen geholfen, nicht abzuheben?
Ich habe tolle Freundschaften, die all die Jahre überdauert haben. Trotzdem lebe ich heute zurückgezogener. Meine Privatsphäre ist für mich kostbarer geworden, die will ich nicht aufs Spiel setzen. Ich bin heute reservierter als früher – vielleicht weil ich langsam erwachsener werde. Ich posaune meine Gefühle nicht mehr bei jeder Gelegenheit heraus.

Wie war es, den «Oscar» als beste Hauptdarstellerin für «La La Land» zu erhalten?
Es war aufregend! Ich fand es ja schon toll, zuerst den Preis als beste Hauptdarstellerin auf dem Filmfestival in Venedig zu gewinnen. Damit fing alles an. Als die Nachricht kam, lag ich noch im Bett, ohne Kontaktlinsen. Und das bedeutet: Ich sehe nichts! Ich musste mein Handy sehr nahe an die Augen halten. Als ich endlich alles entziffert hatte, schrie ich vor Freude. Meine Mutter war im Raum nebenan und machte sich ernsthafte Sorgen. Es war crazy und cool zugleich.

«Battle of the Sexes» mit Emma Stone ist eine von vielen Premieren, die am 13. Zurich Film Festival (ZFF) vom 28. September bis zum 8. Oktober zu sehen sind; der Festival-Pass kostet 149 Franken. Tennis kommt auch zur Eröffnung auf die Leinwand: «Borg/McEnroe», ein Film über den legendären Wimbledon-Final von 1980. Björn Borg gewann in fünf Sätzen.

Zum Kampf der Geschlechter im Tennis: Warum sind die Männer den Frauen so gnadenlos überlegen? Und: Warum die weiblichen Profis deswegen keine Minderwertigkeitskomplexe haben müssen!

Auch Männer-Tennis kann ganz schön öd sein

von Andreas W. Schmid

Offensichtlich suchen viele Männer nach den letzten Feldern, in denen sie noch Überlegenheit markieren können. Der weltumspannende Tennissport bietet ihnen die Gelegenheit dazu. Denn der Unterschied zwischen den Frauen und den Männern ist riesig. Zwar gelang es Billie Jean King 1973 im zweiten Kampf der Geschlechter, sich den fast doppelt so alten Bobby Riggs vom Leib zu halten: Sie setzte sich in drei Sätzen relativ klar durch. Wirklich seriös hatte sich Oldie Riggs, der Wimbledon-Sieger von 1939 (!) im Einzel, Doppel und Mixed, indes nicht auf das Duell vorbereitet. Sein Sohn Larry Riggs jedenfalls wunderte sich später, dass sein Vater vor dem Show-Fight ganze Nächte durchgefeiert hatte. Verschwörungstheoretiker gehen gar davon aus, dass Riggs gegen King absichtlich verlor, weil er so seine Wettschulden bei der Mafia tilgen konnte.

Wie auch immer – das Resultat jenes Matches war eine der Ausnahmen, wenn sich Männer und Frauen duellieren. Ein paar Monate zuvor hatte Riggs Margaret Court, immerhin die Siegerin des Australian Open, French Open und US Open in jenem Jahr, mit 6:2 und 6:1 vom Feld geschossen; jenes Spiel ging als «Muttertags-Massaker» in die Geschichte des Tennissports ein. Es war ein weiterer Beweis dafür, wie gross der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern ist.

Das dürfte sich bis heute nicht geändert haben. Rafael Nadal, die Nummer 1 der Welt, würde gegen Serena Williams, die langjährige Dominatorin im Frauentennis, wohl ein Velo nach Hause fahren (also ein 6:0, 6:0), wenn es zum direkten Vergleich käme. «Sie könnte nur ein Game holen», glaubt Marco Chiudinelli, der Davis-Cup-Held gegen Weissrussland, «wenn sie viermal einen Service mit 200 Stundenkilometern genau ins Eck donnern würde.» Aus dem Ballwechsel heraus käme sie hingegen kaum zu Punkten, weil sie die Nummer 1 der Männer nicht ausspielen könnte. Chiudinelli spielte kürzlich selber ein paar Bälle gegen eine Frau: Zum 60. Geburtstag des TC Coop mass er sich mit Rebeka Masarova, der French-Open-Siegerin 2016 bei den Juniorinnen, und beendete den Show-Satz locker mit 6:4 zu seinen Gunsten.

Aber – und das gilt es im selben Atemzug zu betonen: Darauf einbilden dürfen die Männer sich nichts. Sie mögen zwar härter schlagen, schneller unterwegs sein, variantenreicher spielen, mehr Rhythmuswechsel und Schlagvarianten in ihr Spiel einbauen. Zwingend spannender und attraktiver sind die Männermatches deshalb aber nicht. Okay, der Final am Australian Open zwischen Rafael Nadal und Roger Federer Anfang Jahr beispielsweise war an Dramatik kaum zu überbieten. Doch wenn man sich die Big Five des Tennis – nebst Federer und Nadal auch noch Novak Djokovic, Andy Murray und Stan Wawrinka – wegdenkt, dann sieht es schon ganz anders aus. Das Bum-Bum-Tennis von John Isner, Sam Querrey, Kevin Anderson oder Ivo Karlovic ist etwas vom Ödesten, das es auf der Tour gibt. Andere Profis wiederum fallen mehr durch Fluchen und Beschimpfen der Schiedsrichterinnen auf als durch die Qualität ihres Tennisspiels. Dann schon lieber der Vergleich zweier Frauen, die ihren Service geradezu ins Feld chippen und den Punkt in einem längeren Ballwechsel ausmachen. Die Emotionen zeigen, aber jederzeit fair bleiben.

Der Film «Battle of Sexes» lässt die Diskussionen um den Kampf der Geschlechter im Tennis neu aufleben – für ein paar Wochen, bis ein anderer Sport in dieser Sache in den Fokus rückt: Im Skisport wird auch oft darüber diskutiert, ob die schnellsten Frauen mit den Männern mithalten könnten. US-Star Lindsey Vonn macht immer wieder Vorstösse, dass sie beim sogenannt starken Geschlecht mitfahren darf. Man möge ihr bei einem ausgewählten Rennen doch endlich den Wunsch erfüllen.
 
Andreas W. Schmid (52) leitet das Ressort «Begegnungen» bei der Coopzeitung. Zuvor war er jahrelang auf der Tennistour als Berichterstatter unterwegs.

  

Bier und Zigaretten als Vorbereitung – und trotzdem hoffnungslos überlegen

von Andreas Eugster

1998  – also 25 Jahre nach dem Geschlechterduell zwischen Billie Jean King und Bobby Riggs – kam es beim Australian Open erneut zum «Battle of Sexes». Die Protagonisten: Serena Williams (16 Jahre, WTA 53) und der deutsche Qualifikant Karsten Braasch (31 Jahre, ATP 203), der sich am Ende seiner Karriere befand und als Lebemann bekannt war – Typ Mario Basler des Tennissports. Er rauchte wie ein Schlot und gönnte sich auch hin und wieder ein Bier. Wie kam es zu diesem Duell? Williams war es sich gewohnt, mit Männern zu trainieren und liess sich zu der Aussage hinreissen, dass sie einige Spieler in den Top 200 der Herren-Weltrangliste besiegen würde. Braasch nahm die Herausforderung an und liess sich danach wie folgt zitieren: «Meine Trainingsvorbereitung beinhaltete eine gemütliche Runde Golf am Morgen, gefolgt von einigen Radlern.» Er willigte sogar ein, pro Service nur einmal aufschlagen zu dürfen. «Ich fühlte mich so entspannt, dass ich mich nicht einmal richtig aufgewärmt habe. Wir haben angefangen zu spielen und ich raste zu einer 5:0-Führung», erklärte Braasch danach, der sich während eines Seitenwechsels sogar eine Zigarette anzündete.

Es ist dies ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie überflüssig die Diskussion über die Rollenverteilung im weissen Sport ist. Frauen- und Männertennis sind schlicht zwei verschiedene Sportarten. Dieses Einsehen hatte 2010 auch Serena Williams, als sie dem Kampf der Geschlechter ein Ende setzte: «Es ist so, als wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht.» Und als Andy Murray sie 2013 zu einem solchen Match aufforderte, antwortete sie: «Ich glaube nicht, dass ich einen Punkt machen würde.» Warum das so ist? Primär wegen der stärkeren Physis der Männer. Diese verhilft ihnen zu einer besseren Beinarbeit, mit der sie wiederum den Platz optimaler abdecken können. Auch beim Aufschlag hilft den Männern die Kraft aus den Beinen, um den Ball regelmässig auf über 200 km/h zu beschleunigen – bei den Frauen eine Seltenheit.

Hinzu kommt der Spin, den die Männer ihren Grundschlägen mitgeben. Schuld daran ist die kompaktere Ausholbewegung: Bei der Schlagvorbereitung ist der Schlägerkopf weit über der Schulter, wird danach fallengelassen und durch starken Einsatz des Handgelenks nach vorne gepeitscht. Damit können sie den Schlägerkopf enorm beschleunigen, was Spin und Speed generiert. Bei den Frauen ist die Ausholbewegung weiträumiger. Sie führen den Schläger bis weit hinter den Rücken, womit sie zwar hart schlagen können, aber kaum Topspin oder Variation reinbringen. Auch beim Return, bei dem eine kurze Reaktionszeit gefragt ist, ist diese grosse Ausholbewegung natürlich ein Nachteil.

All das zusammen ergibt, dass Frauen absolut chancenlos sind. Aber wie gesagt: Eine neue Erkenntnis ist das nicht.

Andreas Eugster (43) ist Redaktor bei der Coopzeitung und war zuvor ebenfalls als Reporter im Tenniszirkus mit dabei. Er arbeitete als Tennislehrer und ist leidenschaftlicher Interclub-Spieler in der 1. Liga. Seine beste Klassierung war R4.

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Wie steht es heute um den Kampf der Geschlechter im Tennis? Wie viele Games würde Serena Williams Rafael Nadal abnehmen? Spekulieren Sie bei dieser Frage mit in der Kommentarspalte.»

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Text:
Christian Aust
Foto:
Getty Images, Keystone, Twentieth Century Fox Film Cooperation
Veröffentlicht:
Montag 25.09.2017, 15:57 Uhr

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