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Hassan

Marguerite

Filmkritik: «The Hundred-Foot Journey»

 

Die Story

Skandinavien verbindet man ja nicht per sé mit Genuss und Lebensfreude. Und doch hat der schwedische Regisseur Lasse Hellström diesbezüglich den Dreh raus: Wissen Sie noch, „Chocolat“? Damit weckte er selbst im allerstriktesten Zucker-Abstinenzler die Lust nach einer Praline. In seinem neusten Streifen „The Hundred-Foot Journey“ widmet sich Hellström nun wieder dem Thema. Erneut setzt der 68-Jährige dabei auf jene Nebeningredienzen, die einen guten Teil des Charmes von „Chocolat“ ausgemacht haben: Da ist wieder ein schmuckes französisches Dorf, wieder ein grosser Konflikt – und wieder garniert das Ganze mit einem gerüttelt Mass an Romantik. Im Zentrum von „The Hundred-Foot Journey“ steht der junge Inder Hassam Kadam, der gemeinsam mit der restlichen Kadamschen Sippschaft aus seiner Heimat flieht. Über Umwege – die Fahrt über Schweizer Alpenpässe im klapprigen Auto hat definitiv unterhaltungswert – landet die Familie schliesslich in Südfrankreich, im idyllischen Dörfchen Lumière. Genau der richtige Ort, um ein indisches Restaurant zu eröffnen, entscheidet Papa. Gesagt getan. So wird eine baufällige Liegenschaft gekauft, entrümpelt und wieder hergerichtet. Das fleissige Gewusel beschert dem Kino-Besucher dann prompt eine filmtechnisch toll inszenierte Sequenz, in der sich die Kamera immer wieder an neue Fersen heftet, derweil der Bau in Zeitraffer voranschreitet.

Das alles gefällt Madame Mallory (Helen Mirren) überhaupt nicht: Die – um es gnädig zu formulieren – leicht unterkühlte Französin ist Chefin des „Le Saule Pleureur“, einem mit dem Michelin Stern ausgezeichneten französischen Restaurant. Dieses liegt direkt gegenüber der neuen Kadamschen Heimat und Wirkungsstätte. Mit viel Schalk, Witz und Frechheit gelingt es Papa, die skeptische Dorfbevölkerung ins Lokal zu locken – und sehr schnell wird dieses zum lebhaften, lebenslustigen und lauten Besuchermagneten. Am Herd steht –  oder vielmehr zaubert – Hassan, der Handwerk und Talent von seiner verstorbenen Mutter mit auf den Weg erhalten hat. Für Madame Mallory und ihr Team ist das alles eine Zumutung. Der Lärm, die Farben, die Gerüche, der Erfolg. Und so entbrennt eine handfesten Fehde zwischen dem „Maison Mumbai“ auf der einen und dem alteingesessenen „Le Saule Pleureur“ auf der anderen Strassenseite. Nicht weniger kompliziert wird das Ganze durch Hassans Faible für Marquerite (Charlotte Le Bon) der Sous-Chefin des Gourmet-Tempels, zumal diese in ihm auch ein das Interesse an der französischen Küche weckt. Als Marguerite ihm erzählt, dass Madame Mallory alle Bewerber, die bei ihr arbeiten wollen, ein Omelett kochen lässt, versucht Hassan sein Glück. Er erhofft sich Anerkennung, doch sein Werk endet im Abfalleimer. Doch lange kann Madame Mallory Hassams Talent des „absoluten Geschmacksinns“ nicht mehr ignorieren. Dem Aufbruch über die Strasse folgt bald der Aufbruch nach Paris. Hassan wird zum Starkoch in einem schicken Pariser Restaurant, ist von Kritikern umjubelt, von Frauen umschwärmt - und todunglücklich.

Chocolat im Hinterkopf weiss der Zuschauer jedoch, dass der Film nicht mit Hassams traurigen Blicken in leere Wein- und Whiskeygläser Enden wird. So kommt es, wie es kommen muss, für Hassam und auch den verwitweten Papa.

Kritik

Ein netter Film – nicht mehr, nicht weniger. Man schwelgt, lacht, leidet mit und denkt zum Schluss, dass man eigentlich auch mal wieder indisch essen gehen sollte.
 

Credits:
Filmstart: ab 21. August 2014
Produktionsland: USA, 2014
Länge: 100 Minuten
Regie:  Lasse Hallström
Nach dem Buch von „The Hundred-Foot Journey“, geschrieben von Richard C. Morais

Darsteller
Helen Mirren als Madame Mallory
Manish Dayal als Hassan Kadam
Charlotte Lebon als Marguerite
Om Puri als „Papa“ Kadam

Coopzeitung: Herr Morrais, Sie haben in der Schweiz gewohnt, wie kam es dazu?
Richard C. Morais: 1961, als ich 10 Monate alt war, kamen wir nach Zürich weil mein Vater dort bei Alcan arbeitete. Wir wohnten in Küssnacht wo ich bis 1977 gelebt habe. Mein beruflicher Weg hat mich dann nach England und später in die USA geführt. Die Schweiz ist aber immer ein bisschen meine Heimat geblieben. Das Dorf Lumière, in dem meine Geschichte spielt, habe ich in Anlehnung an Oberägeri kreiert. 

Warum genau an Oberägeri?
Wir hatten dort ein Ferienhaus und für mich und meine Familie war es wie eine Oase: Ich mag mich noch wie gestern erinnern, dass wie wir dort in der Bäckerei Apfel- und Zwetschgenwaihe gegessen haben und wie ich mit meinem Vater immer im Ägerisee gefischt habe. Darum habe ich auch den Fischer in meiner Geschichte Iten getauft, da etwa zwei Drittel der Bevölkerung so mit Nachnamen heissen.

Auch mein nächster Roman wird übrigens in der Schweiz spielen – es geht um einen spanischen Privat-Bankier, der seinen Lebensabend in der Schweiz verbringt.

Kochen Sie eigentlich selbst gerne?
Ja, wie schon mein Grossvater und mein Vater auch. Mein Grossvater war portugiesischer Generalkonsul zuerst in Norwegen, dann in Kanada. Er ist der portugiesischen Küche aber immer treu geblieben, wie mein Vater auch. Obwohl wir danach auch in Spanien und in der Schweiz gewohnt haben. Ich selbst bin so wie es die Franzosen ausdrücken déraciné – also entwurzelt – da ich durch meine Arbeit beim Wirtschaftsmagazin Forbes viel gereist bin und so die ganze Welt entdecken konnte. So wurde ich von den verschiedensten Orten beeinflusst.

Wie kam es dazu, dass Sie in Ihrem Buch die indische Küche nach Frankreich verpflanzen?
Das war eine sehr egoistische Entscheidung von mir: Durch meine Arbeit bei Forbes habe ich den Film-Produzenten Ismail Merchant kennengelernt, der in seiner Freizeit gerne und gut gekocht hat. Daraus hat sich eine enge Freundschaft entwickelte und wir haben oft privat zusammen gekocht. Als ich einen Film gesehen habe, bei dem Ismail Regie geführt hat, hatte ich die Idee, dass er unbedingt einen Film übers Kochen drehen sollte - um so seine zwei Leidenschaften zu verbinden. Ich machte mich also auf die Suche nach einem grossen Werk das er verfilmen sollte. Leider konnte ich nie etwas Passendes finden. Darauf hin beschloss ich, selbst eine Story zu schreiben für ihn zu schreiben. Genau wie Ismail sollte mein Hauptcharakter ein muslimischer Inder sein. Hauptsächlich um Ismail mit der Geschichte zu ködern. Leider verstarb er bevor das Buch fertig war. So ist es nun eine Hommage an Ismail geworden, der genau wie Hasan, mein Held, von Mumbai in den Westen kommt und sich dort zu einem Meister seines Faches hoch arbeitet.

War es komisch, dass nicht ihr Freund, für den sie das Buch geschrieben haben den Film schlussendlich gemacht hat?
Klar sind solche Projekte wie Babys die man nur sehr ungern aus den Händen gibt. Aber irgendwann muss man sie loslassen und darauf vertrauen, dass die anderen wissen was sie machen. Mit Oprah Winfrey und Steven Spielberg als Produzenten und Lasse Hallström als Produzenten, hatte ich die grosse Chance, mein Buch den besten Händen anvertrauen zu können. 

Und wie gefällt Ihnen der Film persönlich?
Sehr gut! Natürlich ist die Story nicht ganz die gleiche aber sie haben es geschafft, die Figuren und das Grundgefühl des Buches aufzunehmen.

Haben sie während dem Schreiben des Buches zugenommen?
Ja, das kann man so sagen. Das ist allerdings ein Berufsrisiko. Jetzt habe ich aber stark abgenommen. Grund dafür war, dass ich bei der Filmprämiere nicht der hässlichste auf dem roten Teppich sein wollte (lacht). Um das zu schaffen musste ich meine Einstellung zum Essen verändern – genauer gesagt nicht mehr diese übergrossen Quantitäten zu essen. Das fiel mir besonders schwer, da ich als jüngster von vier Jungs einen gewissen Hang zum Futterneid entwickelt hatte und gerne viel ass. 

Warum passen Film/Bücher und Essen gut zusammen?
Alle drei können einen in ferne Länder entführen und sind ein wundervolle Art zu reisen.

Welches ist Ihr Lieblingsessen?
Weil es mich an meine Familie und meinen Vater erinnert sind es auf portugiesische Art gekochte Muscheln – Portugiesen sind grossartige Muschel-Köche. Sie haben ein ganz tolles Gericht bei dem Muscheln zusammen mit Schweinefleisch in Wein gekocht werden, der Jus aus den Muscheln geht dann ins Fleisch über – delicious!!!

Welches ist ihr Lieblingsschweizer Gericht? 
Bündnerfleisch – das ist für mich das beste aus der Schweiz!

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Regula Bättig

Redaktorin

Foto:
tmdb, zVg
Veröffentlicht:
Freitag 22.08.2014, 00:00 Uhr

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