Unkonventionell: Tomy Scherrer im heimischen Wintergarten.

Thomy Scherrer: «Ohne Reibung entsteht nichts»

Beim Radio fand er sein berufliches und privates Glück. Nun bringt er seine Erfahrung auch im TV ein – als Moderator beim «Club».

In  der Morgenshow auf SRF 1 sorgte er seit sieben Jahren stets für gute Laune. Warum Radiomann Thomy Scherrer nach 23 Jahren zum TV wechselt, erklärt er beim Gespräch in seiner Wohnung in Stäfa ZH.

Im Radio waren Sie der Muntermacher – können Sie denn überhaupt streiten?
Ich sehe das nicht als Kernkompetenz, die man für den «Club» mitbringen muss. In erster Linie geht es darum, die Gäste zum Reden zu bringen. Ein gutes Gespräch ist wie ein Flipperkasten: Als Moderator bin ich der Flipper, der Impulse gibt und die Kugel dorthin spielt, wo es am meisten bringt. Ausserdem schaue ich, dass alle zu Wort kommen und die Diskussion fair geführt wird.

Wer hat bei Ihnen zuhause das letzte Wort?
Ich bin ein Mensch, der die Harmonie sucht, vor allem in der Zweierbeziehung. Meine Frau und ich wären aber nicht schon 21 Jahre zusammen, wenn es bei uns nicht auch heftige Auseinandersetzungen gäbe. Ich würde das aber nicht als Streiten bezeichnen, sondern als Ringen um Kompromisse, bei dem die eigene Haltung kritisch reflektiert wird.

Was für ein Gesprächspartner sind Sie?
Einer, der gerne redet, aber auch gut zuhören und den anderen erfassen kann. Im Privaten nehme ich gern aus Prinzip die Gegenposition ein. Ohne Reibung entsteht nichts! (lacht) Auch die Jungs in der Band, bei der ich Schlagzeuger bin, schätzen es, dass ich schwierige Themen klar anspreche.

Die Darbuka verbindet: Er ist Drummer, sie Tänzerin.

Die Darbuka verbindet: Er ist Drummer, sie Tänzerin.
Die Darbuka verbindet: Er ist Drummer, sie Tänzerin.

Klappt diese Strategie auch bei Frauen?
Bei meiner Frau funktionierte es – alles andere interessiert mich nicht mehr. Ich werde nie einen Sechser im Lotto haben, da mein Glückskontingent aufgebraucht ist. Manchmal schaue ich Marie-Anne an und denke: Unglaublich, dass sie meine Frau ist! Wir sind schon seit mehr als 20 Jahren zusammen und ich habe mich nicht daran gewöhnt. Unser Interesse aneinander ist noch so gross wie am ersten Tag.

Wie haben Sie sich denn kennengelernt?
Ich kam mit 32 Jahren zu Radio DRS, wo sie die neuen Moderatoren betreute. Ein paar Monate zuvor war die Beziehung zur Mutter meiner Tochter nach über zehn Jahren auseinander gegangen. Als ich Marie-Anne sah, kam ich mir vor wie Quasimodo und dachte, ich hätte bei ihr nie eine Chance. Doch seit meiner Zeit als Spitzensportler habe ich genügend Selbstbewusstsein und Kampfgeist, um trotzdem mein Glück zu versuchen.

«

Tief drinnen bin ich ein Freak und Indianer.»

Wie stellten Sie das an?
Ich war ein «frecher Siech» und störte sie dauernd bei der Arbeit, machte blöde Sprüche und fragte sie Sachen, bei denen sie sofort merken musste, dass es nur ein Vorwand war, um in ihre Nähe zu kommen. Marie-Anne war am Anfang eher zurückhaltend, doch ich spürte, dass sie für meinen Humor und Charme nicht unempfänglich war. So wurde aus uns relativ schnell ein Paar, obwohl die meisten Leute um uns herum meinten, das könne nie gut gehen ...

Weshalb denn?
Sie fanden, wir wären zu unterschiedlich: Marie-Anne hat mit Sport nichts am Hut, obwohl sie Tänzerin ist und orientalischen Tanz unterrichtet. Ich bin ganz klar ein Rocker, tief drinnen ein Freak und Indianer, während sie klassische Musik liebt und Kunst. Wir haben uns jedoch die Neugier für die Welt des anderen bewahrt und freuen uns, dass die Gegensätze befruchtend wirken.

Die Stiefel sind ihm viel wert.

Die Stiefel sind ihm viel wert.
Die Stiefel sind ihm viel wert.

Was haben Sie als Leichtathlet erreicht?
Nachdem ich bis zu den Junioren mehrere Schweizermeister-Titel über 100 und 200 Meter sowie im Weitsprung gesammelt hatte, meinte der Sprinttrainer des LC Zürich, er könne mich zu den Olympischen Spielen in Moskau führen, wenn ich Vollgas gäbe. Doch als ich wie ein Profi trainierte, verkrafteten meine Knochen und Gelenke die Belastung nicht mehr. Mit 24 musste ich meinen Rücktritt geben. und dann fiel ich in ein riesiges Loch.

Wie haben Sie danach die Kurve gekriegt?
Als es mit den Verletzungen losging, begann ich eine pädagogische Ausbildung.Der Kontakt mit Menschen war immer meine zweite Leidenschaft neben dem Sport. Als ich dann im Schmelztiegel des Zürcher Kreis 4 eine 10. Klasse übernahm, war ich aber völlig überfordert. Nach zwei Jahren erfüllte ich mir einen Jugendtraum und reiste auf einem Segelschiff um die Welt. Anschliessend wurde ich Sportjournalist beim Zürcher Oberländer, bevor ich zum Radio ging.

Und was brachte Sie jetzt zum Fernsehen?
Ich sollte schon 2003 eine neue SF-Sendung moderieren, was dann aber doch nicht zustande kam. Mich für die Nachfolge von Mona Vetsch zu bewerben, war sofort klar, nachdem ich beim «Forum», dem Radiopendant zum «Club», vor zwei Jahren für eine erkrankte Kollegin eingesprungen war und dabei Blut geleckt hatte.

Worin sehen Sie die Herausforderung?
Handwerklich bin ich mit meiner Moderationserfahrung gut gerüstet. Etwas Bauchweh bereitet mir das ungleich höhere mediale Interesse – die Leistung als «Club»-Moderator wird in der Öffentlichkeit seziert. Aber mit Druck umzugehen habe ich als Sportler gelernt.

Vier Daten im Leben von Thomy Scherrer

1960 Am 20. Februar geboren, wächst er auf in Oberengstringen ZH.

1981 In der 4x100m-Staffel des LCZ läuft er Schweizer Rekord im Letzigrund.

1994 Er begegnet zum ersten Mal  seiner heutigen Ehefrau Marie-Anne.

2015 Premiere als «Club»-Moderator am 17. Februar um 22.20 Uhr auf SRF 1.

Mehr über Thomy Scherrer auf der Internet-Seite von SRF 1

Kommentare (3)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Markus Lamprecht
Veröffentlicht:
Montag 09.02.2015, 14:37 Uhr

Mehr zum Thema:



Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?