Moana, ihre Mutter Petra und Hund Mao: Der junge Rüde sorgt dafür, dass alle Bewegung haben.

Tierisch gut: Gefährte für die Familie

Kinder, die mit Haustieren aufwachsen, profitieren sehr, sagen Fachleute. Trotzdem sollten sich Eltern die Anschaffung eines Haustiers gut überlegen. Als spontanes Weihnachtsgeschenk ist ein Tier ungeeignet.

Da haben in der Familie Weichmann in Aesch BL zwei Wildfänge zueinandergefunden: Die fünfjährige Moana tobt gerade mit dem acht Monate alten Rüden Mao im Wohnzimmer herum. «Die zwei passen perfekt zueinander», stellt Mutter Petra (38) fest. Seit rund einem halben Jahr gehört der junge Hund zur Familie. «Er ist sich den Betrieb in einer Familie gewöhnt», erklärt die Mutter von vier Kindern. Moana ist die Jüngste der Schar. «Tiere in der Familie sind etwas Tolles», sagt Petra Weichmann. Die Kinder lernten auf diese Weise automatisch Verantwortung zu übernehmen, sie merkten, dass man sich um das Tier kümmern müsse und dass das auch Spass mache. Das bestätigt die diplomierte tierpsychologische Beraterin Verena Grünig. Viele Studien hätten gezeigt, dass Kinder profitierten, wenn sie Kontakt zu Tieren haben können: «Ihr Einfühlungsvermögen in andere Lebewesen wird gefördert, und das nützt auch im Umgang mit Menschen.» Bedingung sei aber, dass die Tiere gut gehalten werden. Da seien die Eltern ganz wichtig, sagt Grünig. «Sie sind verantwortlich für das Haustier und Vorbild im Umgang mit ihm», denn man könne nicht davon ausgehen, dass Kinder wissen, wie sie mit einem Tier umgehen müssen.

Spazieren und spielen: Mao braucht viel Beschäftigung.

Spazieren und spielen: Mao braucht viel Beschäftigung.
http://www.coopzeitung.ch/Tierisch+gut_+Gefaehrte+fuer+die+Familie Spazieren und spielen: Mao braucht viel Beschäftigung.

Die Eltern entscheiden

So tollt bei Familie Weichmann zwar Moana mit «ihrem» Mao herum – entschieden, dass ein Hund in die Familie kommt, hat aber Mutter Petra. «Es ist wichtig, dass die Eltern das Haustier auch wollen», sagt Petra Weichmann. Auch wenn Mao, ein Bolonka, sehr familientauglich ist, braucht er Betreuung. Sie hätten sich das deshalb gut überlegt und das neue Familienmitglied bewusst unter dem Jahr und nicht als Weihnachtsgeschenk geholt. Tatsächlich dürfte ein Haustier in vielen Familien weit oben auf dem Wunschzettel ans Christkind stehen. Laut Helen Sandmeier, Sprecherin vom Schweizer Tierschutz STS, werden vor Weihnachten vor allem Kleintiere (Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen) vermehrt gekauft. Genaue Verkaufszahlen werden in der Branche nicht systematisch erhoben. Laut Felix Weck, Präsident des Verbandes zoologischer Fachgeschäfte der Schweiz, zeige die Erfahrung aber, dass die Zahlen im Dezember leicht höher seien als in den anderen Monaten: «Das sind aber keine Spontankäufe, sondern die Leute heben sich den Wunsch, ein Haustier zu kaufen, einfach für Weihnachten auf», sagt Weck. Was passiert, wenn sich jemand ein Haustier anschafft und dann überfordert ist, spürt man beim Schweizer Tierschutz: In den Tierheimen werden jedes Jahr etwa 20 000 Tiere aufgenommen. «Meist realisieren die Leute vor den Ferien zum ersten Mal, was es bedeutet, ein Haustier zu haben», sagt Helen Sandmeier.

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Folgekosten werden unterschätzt

Diese Erfahrung macht auch Tierärztin Caroline Mislin. Sie ist die Sprecherin der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin und hat oft mit Menschen zu tun, die mit ihrem Tier überfordert sind. «Die meisten unterschätzen nur schon die finanziellen Folgen», sagt sie. Das Futter und die Kiste für die Katze seien nur ein Teil. «Für die ersten Impfungen und Entwurmung sowie die Kastration muss man rund 500 Franken budgetieren, die jährlichen Nachimpfungen inklusive Floh- und Wurmschutz kosten rund 150 Franken.»

Zum Knuddeln und Schmusen: Hunde sind ideal für Familien mit Kindern.

Zum Knuddeln und Schmusen: Hunde sind ideal für Familien mit Kindern.
http://www.coopzeitung.ch/Tierisch+gut_+Gefaehrte+fuer+die+Familie Zum Knuddeln und Schmusen: Hunde sind ideal für Familien mit Kindern.

Hunde und Katzen sind ideal

Wer Moana mit Mao auf dem Teppich herumtollen sieht, bekommt den Eindruck, dass der junge Hund am richtigen Ort ist. Die Tierärztin Caroline Mislin bestätigt das: Für Familien mit Kindern würde sie auf jeden Fall eine Katze oder einen Hund empfehlen. «Bei kleinen Kindern rate ich ausserdem zu jungen Tieren, die können sich mit der lebhaften Situation besser arrangieren.»  Auch die tierpsychologische Beraterin Verena Grünig rät Familien zu Katzen und Hunden, wenn Kinder mit Tieren aufwachsen sollen. «Hamster, Meerschweinchen oder Kaninchen sind eher Tiere zum Beobachten. Ein Kind möchte aber etwas Weiches zum Schmusen. Zwar gebe es auch bei den Tieren verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Doch entgegen der weitverbreiteten Meinung mögen es Meerschweinchen nicht wirklich, wenn sie gestreichelt werden. «Sie bleiben wohl auf den Knien sitzen, doch das ist in der Regel nur die Schreckstarre.» Bei Hamstern komme hinzu, dass sie nachtaktiv seien. «Das passt nicht zum Lebensrhythmus von Kindern.» Ein Haustier zu pflegen, sei eine schöne Aufgabe, sagt Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz STS, solange man es aus falsch verstandener Tierliebe nicht vermenschliche und verhätschle: «Ein Tier tut der Seele gut.» Und Verena Grünig kommt zum Schluss, «dass Tiere etwas Tiefes im Menschen ansprechen». Wenn sie mit einem Tier im Altersheim unterwegs sei, merke sie, wie die Menschen, die kaum mehr auf andere reagierten, aufblühen, sobald sie ein Tier sehen oder streicheln. «Es ist die Liebe zum Lebendigen, die uns seit jeher prägt», sagt Grünig. Die Liebe zum Lebendigen ist es wohl auch, was Moana gegenüber ihrem Mao empfindet, auch wenn sie das mit ihren fünf Jahren noch nicht so formulieren kann. Macht nichts, Mao ist schon wieder bereit für den nächsten Unfug. Der junge Rüde hat Energie für zwei.

Schweizer Tierschutz

Aufgenommene Tiere insgesamt *

18 773

davon Hunde

3052

davon Katzen

11 583

davon Nager

2419

davon Reptilien

747

davon andere

972

davon Findeltiere

7557

davon Verzicht

9705

davon beschlagnahmt

1511

Tiere vermittelt

12 740

Tiere euthanasiert/gestorben

1496

Tiere zurück an Besitzer

2075


 * In allen dem Schweizer Tierschutz STS angeschlossenen Tierheimen, ohne Aquarienfische (2013 ca. 1900 Fische).

Tier Geeignet für Lebensdauer Kosten/Jahr (in Franken) Haltung
Hund Einzelpersonen oder Familie
mit Kindern
10 – 20 Jahre 1000 – 2000 Die Hundehaltung erfordert genügend Zeit und persönliches Engagement für Beziehung und Erziehung.
Katze Einzelpersonen oder Familie
mit Kindern
15 – 20 Jahre ca. 1000 Katzen sind eigenständig,brauchen aber Kontakt mit
Menschen, vor allem Wohnungskatzen.
Meerschweinchen Jugendliche, Erwachsene 6 – 8 Jahre 500 – 1000 Meerschweinchen sind Flucht-, nicht Streicheltiere. Sie sind sozial, Haltung mindestens zwei Tiere.
Vogel Jugendliche, Erwachsene 12 – 40 Jahre (Papageien) 500 – 1000 Vögel müssen fliegen können und brauchen Beschäftigung. Sie sind sehr sozial und brauchen einen Partner.
Landschildkröte Jugendliche, Erwachsene 40 – 70 Jahre 500 – 1000 Grosses Gartengehege. Ältere Halter sollten im Testament regeln, was mit der Schildkröte dereinst passiert.

Quelle: Schweizer Tierschutz STS

Mehr Checklisten auf der Internetseite des Schweizer Tierschutzes

Frage der Woche

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Hund, Katze oder doch etwas Exotisches?»

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Pino Covino
Veröffentlicht:
Montag 08.12.2014, 11:18 Uhr

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