Tierischer Erfolg

Ob Fasan, Känguru oder Eidechse: Der Fantasie auf Weinetiketten ist keine Grenze gesetzt. Wieso Tiere auf Flaschen so wunderbar funktionieren, erklärt Werbe-Ikone Frank Bodin.

Für einmal geht es nicht um den Jö-Effekt, bei dem die Verzückung über das Handeln regiert. «Da muss man ganz klar einen Unterschied zwischen Tränendrüsen-Werbung und Wein machen», erklärt Frank Bodin, Werber des Jahres 2009. «Tiere auf Weinetiketten sollen ein Blickfang und Teil einer Geschichte sein. Ausserdem sind sie oftmals Symbole für die Herkunftsregion», so der CEO der Werbeagentur Havas Worldwide. 

Tiere sind oftmals Symbol für eine Region. Das Känguru etwa ziert das Etikett der australischen Yellow-Tail-Flaschen.

Tiere sind oftmals Symbol für eine Region. Das Känguru etwa ziert das Etikett der australischen Yellow-Tail-Flaschen.
Tiere sind oftmals Symbol für eine Region. Das Känguru etwa ziert das Etikett der australischen Yellow-Tail-Flaschen.

Der hat einen Vogel

Der Piemonteser Angelo Gaja etwa hat sich den Fasan zur Marke gemacht. Schon seit den 60er-Jahren ziert der Jagdvogel edle Tropfen wie den Barolo Dagromis, Sito Moresco oder den weissen Rossj Bass. Mit Berechtigung: «Der Fasan ist typisch für unsere Gegend und war in der Vergangenheit häufig auf den Speisekarten von Trattorien zu finden», erklärt Sonia Franco vom Weingut Gaja in Barbaresco. Ausserdem würden diese Etiketten junge, bereits trinkreife Tropfen kennzeichnen, während die Weine mit den klassischen Etiketten in Schwarz-Weiss für ein langes Lagerpotenzial stünden.
Dass ein Tier ein Produkt ganz nach oben bringen kann, durfte auch US-Generalimporteur Bill Deutsch im Jahr 2001 miterleben. Während sein Sohn Peter von dem Känguru auf den Yellow-Tail-Flaschen ganz angetan war, tat der Senior die künstlerische Umsetzung der Australier erst mal als Spinnerei ab. Tiere hätten nichts auf einem Weinetikett zu suchen, polterte er noch zu Anfang – und wurde schnell eines Besseren belehrt. Innerhalb von wenigen Jahren mauserte sich der gänzlich unbekannte Wein zum absoluten Exportschlager. Selbst heute noch dominieren die bunten Flaschen vor allem den amerikanischen Markt, wo rund 95 Prozent der produzierten Menge getrunken werden.

Der Fasan ziert edle Tropfen aus dem Piemont.

Der Fasan ziert edle Tropfen aus dem Piemont.
Der Fasan ziert edle Tropfen aus dem Piemont.

Sprung an die Spitze

Clever, wie Frank Bodin im Hinblick auf den Wiedererkennungswert findet. «Wer an Australien denkt, hat sofort dieses Tier im Kopf. Damit differenziert sich die Flasche von vielen anderen und sticht aus einer Masse he-raus.» Weinnamen liessen sich oftmals nur schwer merken, «doch besondere Etiketten bleiben mühelos im Gedächtnis haften.»

Der berühmte «Eidechsli-Wy»

Auch die Schweiz kann auf einem ihrer legendären Tropfen mit einem Vertreter aus dem Tierreich aufwarten: der Smaragd-Eidechse. Als Liebhaberin von sonnenverwöhnten Steilhängen ziert sie das Etikett des Aigle les Murailles. Ihr soll der Legende nach der 1950 verstorbene Maler Fréderic Rouge begegnet sein, als er für das Motiv im Weinberg am Genfersee auf Inspirationssuche war. «Menschen lieben Geschichten und Emotionen. Dadurch erst wird ein Wein erlebbar», weiss Bodin. Da komme es grundsätzlich noch nicht einmal so sehr auf den Flascheninhalt an. «Ich behaupte, dass 99 Prozent der Menschen Etikettentrinker sind. Daher versagen die meisten auch im Blindtest.» Diese Fixiertheit sei jedoch nicht schlimm, gehöre sogar ein Stück weit zur Kultur und es ginge ihm übrigens auch nicht anders, wie der Werber scherzend ergänzt. «Es geht schliesslich ums Zelebrieren und um den Respekt vor dem Handwerk.» Und da gehört die Aufmachung einer Flasche – ob mit oder ohne Tier oder gar dem Abbild eines französischen Châteaus – nun einmal mit dazu. «Auch wenn die Leute das natürlich nur ungern zugeben wollen.»

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Nadine Bauer

Redaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt, zVg
Veröffentlicht:
Montag 29.08.2016, 09:00 Uhr

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?