Titeljagd

Er will was mit Niveau – aber nicht von ihr. 

Sybil Schreiber: Schneider legt mir einen Zettel hin. Überschrift: unser neues Programm – die Vorschläge. «Eine Spalte für dich, eine für mich», sagt er und fragt: «Was fällt dir zum Thema Glück ein?» «Schokolade.» Schneider schnaubt: «Nicht dein persönliches Glück. In der Partnerschaft.» Aha. Ich denke, ich grüble, ich schweige. Er motiviert mich: «Komm schon. Was eignet sich als Titel für unsere neue Lesung, das mit Glück zu tun hat?» Ich kritzle etwas aufs Papier: «So ein Paarlaver!» 

«

… und schon fällt mir wieder ein neuer Titel ein.»

Schneider stöhnt: «Bitte keine Wortspiele, die nur du lustig findest!» Miesepeter. Ich kritzle weiter: «Ehe man sich’s versieht!» «EHE würde man dann mit Grossbuchstaben schreiben», ergänze ich. «Und was hat das mit ‹Glück› zu tun?», fragt er. «Nichts.» Er ärgert sich: «Aber das war die Aufgabe! Kannst du dich nicht mal an eine so einfache Anweisung halten?» «Ich bin halt spontan und intuitiv!» «Ja genau, und dann kommt etwas Kompliziertes dabei raus!» Langsam wird mir das zu mühsam. Er will partout eine Kopfgeburt, dabei bin ich aus dem Bauch he-raus kreativ. Denn schon fällt mir wieder ein neuer Titel ein: «Hör mal, was hältst du davon: «‹Alleine sind wir weniger kompliziert!›.»

Steven Schneider: Seit vielen Jahren lesen wir unsere Kolumnen vor Publikum. Ich finde das eine tolle Sache, denn dann sehe ich endlich auch mal Männer, die mehr oder weniger so fühlen wie ich. Weniger toll ist, zumindest für mich, dass Schreiber den Titel unserer aktuellen Lesung ganz allein entschieden hat. Deshalb heisst sie auch so komisch: «vollkommen unPaarfekt». Sie lacht sich jedes Mal schlapp, wenn wir auf der Bühne in einer Bibliothek, einem Theater oder einer Turnhalle unser Programm ankündigen – ich hingegen finde diesen Titel alles andere als gut.

«

Sie hat den Titel ganz allein entschieden.»

Mir liegt eher Unkompliziertes wie: «Immer ich!» oder «Die Stunde der Wahrheit». So hiessen unsere früheren Programme. Gradlinig, eindeutig, schnell. Knüller aus meiner Feder, die auch Männer auf Anhieb verstehen, ohne lang interpretieren zu müssen. Und damit wir für unsere neue Darbietung im kommenden Jahr nicht wieder mit so einer verdrehten weiblichen Idee auf die Bühne müssen, habe ich ein strukturiertes Arbeitsblatt mit klar definierten Rahmenbedingungen zur Titelsuche verfasst. Auf diese Weise stelle ich sicher, dass wir einen Programmnamen wählen, mit dem auch ich leben kann. Der also einfach gut ist.

(Coopzeitung Nr. 47/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 18.11.2013, 09:12 Uhr

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