Der Weg zur nächsten Toilette ist in Indien oft (zu) lang.

Toiletten sind nicht selbstverständlich

Viele Menschen in Indien haben keinen Zugang zu WCs. Mithilfe von Coop will die «bioRe»-Stiftung das ändern. Gefordert ist Aufklärungsarbeit.

Indien, das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde, hat ein Toilettenproblem. Oder besser gesagt keines. Denn gut die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Zugang zu Toiletten. Rund 600 Millionen Inder erleichtern sich nach wie vor im Freien. Eine Situation, die schwerwiegende Folgen hat. Durch die Fäkalien gelangen Bakterien und Viren in die Felder und Flüsse, sickern in den Boden und ins Trinkwasser. Dadurch können sich Krankheiten wie Hepatitis, Typhus und Cholera verbreiten. Mit dramatischen Folgen: Jedes Jahr sterben in Indien rund 600 000 Menschen an Durchfallerkrankungen, viele davon Kinder. Zur Lösung dieser schwierigen Situation kann die Verbreitung von Toiletten beitragen. Denn laut Experten hat die Erfindung der Toilette mehr Menschenleben gerettet als etwa Penicillin. Kein Wunder, sieht es der indische Premierminister Narendra Modi als Staatsaufgabe, die hygienischen Verhältnisse im Land zu verbessern. Bis 2019 will er über 100 Millionen Toiletten bauen lassen.

Wichtige Sensibilisierung

Wie das gehen könnte, zeigt die «bioRe»-Stiftung im indischen Madhya Pradesh exemplarisch. Die Stiftung fördert den Anbau von Bio-Baumwolle für Coop Naturaline.  Sie will die gesundheitliche Situation ihrer Baumwollbauern verbessern, indem sie ihnen Zugang zu Toiletten verschafft. «In einer ersten Phase bauen wir 100 Toiletten», sagt Aashish Joshi. Er ist Projektleiter der «bioRe Association» in Indien und kennt die Verhältnisse vor Ort nur zu gut. Deshalb weiss er, dass es mit dem Bau von Toiletten alleine nicht getan ist. «Die Leute müssen dafür sensibilisiert werden und die Gewohnheiten ändern», erklärt er. Um die Vorteile aufzuzeigen, erwähnt er die Frauen, denn sie leiden unter dem Fehlen von Toiletten ganz besonders. «Viele Frauen müssen weite Wege zurücklegen, um einen sicheren Platz für ihre Notdurft zu finden. Aus Angst vor Belästigung und Scham tun dies jedoch viele nur in der Dunkelheit.» Die Frauen sind zudem für die Kinder zuständig und spielen damit eine wichtige Schlüsselrolle für eine nachhaltige Aufklärung

Verantwortung fürs WC

Der Bau eines WCs kostet rund 300 Schweizer Franken. Die Hälfte des Betrags steuern die Bauern selber bei, für die andere kommt Coop auf. Auch am Bau beteiligen sich die Familien. Und sie übernehmen die Verantwortung für den Unterhalt. Errichtet werden sollen einfache Steh-WCs mit darunterliegender Sickergrube, dazu kommt ein Wassertank. Das Wasser dient nicht zum Spülen, sondern, wie in vielen anderen Ländern auch, der Körperreinigung. Weitere Toiletten sollen später folgen. «Wichtig ist aber, dass die dazu gehörende Sensibilisierungskampagne auch greift», sagt Aashish Joshi. «Traditionell», so Joshi weiter, «gilt es als höchst unrein, die Notdurft auch nur in der Nähe des Hauses, geschweige denn im Haus, zu verrichten. So ist es konsequent, das Feld aufzusuchen.»

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Stefan Fehlmann

Redaktor

Foto:
Roberto Ceccarelli, Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 07.03.2016, 00:00 Uhr

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