Sabine Reber präsentiert die Ernte ihres Experiments mit der ersten Tomtato.

Tomtatos: Aus zwei wird eins

Nicht immer ist es möglich, alles auf einmal zu haben. Zumindest ist es aber möglich, Tomaten und Kartoffeln an ein und derselben Pflanze zu ziehen.

Hier kommt der selber gezogene italienische Salat: Statt Mozzarella gibt es zu den Tomaten gekochte, abgekühlte Kartoffeln und etwas Basilikum. Das alles kann in einem einzigen 50-Liter-Topf daheim auf dem Balkon gedeihen. Man braucht bloss eine Tomtato-Pflanze sowie ein Brieflein Basilikumsamen. Das Besondere an den neu erhältlichen Tomtato-Jungpflanzen ist, dass sie an ein und derselben Staude sowohl Tomaten wie Kartoffeln (potatoes) bilden. Nein, das ist kein Witz, und es ist auch keine Gentechnik im Spiel. Es wurde ganz klassisch auf die Wurzeln einer Kartoffel der Steckling einer Tomate aufgepfropft.

Veredelte Gemüsepflanze

Solche Veredelungen werden bei Obstbäumen, Reben und Rosen schon seit der Antike gemacht. In den letzten Jahren ist diese Technik nun vermehrt auch für Gemüsepflanzen angewendet worden. Veredelte Tomaten, Gurken oder Melonen sind robuster und gedeihen besser als herkömmliche Setzlinge. Da wird zum Beispiel eine Gurke auf eine Kürbisunterlage gesetzt, damit sie kräftiger wächst. Und nun ist es eben gelungen, Tomaten und Kartoffeln zu verbinden. Da die beiden Nachtschattengewächse eng verwandt sind, gedeihen die so veredelten Pflanzen tatsächlich und bilden sowohl süsse Cherrytomaten wie auch kleine Kartoffeln an ein und derselben Staude. Lange geisterte die sogenannte Tomoffel als Idee durch die Fachliteratur, und auch private Hobbygärtner haben immer mal wieder damit gepröbelt. Mitunter sind die Pflanzen zusammengewachsen, aber meistens hatten sie dann nicht genug Kraft, um Knollen und Früchte zu bilden, und wurden auch nicht kommerziell vermehrt. Nach jahrelangem Experimentieren haben die Züchter nun mit einer früh reifenden Cherrytomate und einer spät reifenden Kartoffelsorte Erfolg gehabt. So können sich beide Pflanzen voll entfalten, und die Tomätchen und die Kartoffeln werden am Ende auch zusammen geerntet.

Wundersame Chimären

Ich konnte letzten Sommer eine solche Tomtato-Pflanze ausprobieren. Also ganz ehrlich: Riesig war die Ernte nicht, aber es hat funktioniert. Wir konnten etliche Tomätchen und eine Handvoll Kartoffeln ernten. Man nennt Pflanzen, bei denen zwei verschiedene Sorten zusammengefügt werden, Chimären: Das sind Organismen, die aus genetisch unterschiedlichen Geweben bestehen und dennoch ein einheitliches Individuum darstellen. «Gegen die Natur», munkeln einige. Manchen Leuten ist im Garten offenbar alles Neue suspekt. Aber beim Veredeln werden keine neuen Sorten hergestellt. Es sind vielmehr Klone von bewährten Züchtungen, die so sortenecht weiter vermehrt werden.

Tomaten sind nicht nur auf unseren Tellern, sondern auch in Gärten und auf Balkonen eines der beliebtesten Gemüse. Sie selber zu ziehen ist keine Hexerei. Falls Sie die Aussaat im März verpasst haben, probieren Sie es jetzt mit Setzlingen! Die Auswahl auch an Bio- und Pro-Specie-Rara-Tomaten ist riesig. Nach Mitte Mai pflanzen Sie die Setzlinge in grosse Töpfe oder im Garten im Abstand von 80 × 80 cm. Tomaten brauchen Stützen: Man bindet sie an einem Stab, an Pfählen oder Schnüren hoch. Die Seitentriebe müssen immer wieder ausgebrochen werden, damit die Pflanze nicht zu dicht wird. Regenschutz ist empfehlenswert.

Hier einige Sorten kurz erklärt:

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Sabine Reber

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Veröffentlicht:
Montag 09.05.2016, 00:00 Uhr

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