Geniesst das Spielen: Tonia Maria Zindel auf dem Zürcher Kanzleiareal.

Tonia Maria Zindel: «Kinder brauchen Herzensbildung»

Die Bündnerin liebt ihre Rolle – im Leben ebenso wie als Schauspielerin. Bald ist sie als Mutter des «Schellen-Ursli» im Kino zu sehen.

Schon als Schülerin wollte sie Schauspielerin werden, mit 21 bekam sie eine «Tatort»-Hauptrolle, dann spielte sie die Maja in der TV-Soap «Lüthy und Blanc». Nun hat Tonia Maria Zindel (43) die Mutterrolle übernommen – privat und beruflich.

Welche Beziehung haben Sie aus Ihrer Kindheit zum «Schellen-Ursli»?
Das Buch lag in jedem Engadiner Haushalt, bei uns natürlich auch. Die Geschichte kannte man einfach, ebenso wie den Chalandamarz, der darin vorkommt und bis heute gefeiert wird.

Und was bedeutet dieser Brauch für die Mädchen, die im Buch nicht vorkommen?
In Scuol, wo ich aufgewachsen bin, sind die Buben mit Glocken und Peitschen durchs Dorf gezogen. Wir Mädchen haben uns mit selbst gemachten Papierblumen geschmückt und die typischen «Winter geh, Frühling komm»-Lieder gesungen. Beim grossen Kinderball mit Livemusik – meistens aus Österreich! – ging es dann am Nachmittag richtig ab, wenn Polonaise getanzt wurde.

Wie kamen Sie nun zu der Mutterrolle in der Verfilmung des Buchs?
Ich wollte unbedingt dabei sein und mit Xavier Koller zusammenarbeiten. Obwohl ich seine Telefonnummer hatte, war ich zu schüchtern, um ihn anzurufen. Ich bat den Produzenten, zu arrangieren, dass ich mit ihm einen Kaffee trinken gehen kann. Ich wollte ihn persönlich überzeugen, dass ich diese Rolle einfach spielen muss. Ich hatte an diesem Tag meine drei Kinder dabei, da es gerade nicht anders ging, und es wurde ein sehr lustiges Treffen. Ich hoffe aber, Xavier hat mich auch noch aus anderen Gründen engagiert!

Und wie führt der Oscar-Gewinner Regie?
Er ist sehr aufmerksam und weiss genau, was er will. Eine Eigenschaft, die ich sehr schätze. Ich hatte auch meine Ideen, wie ich die Luisa interpretieren wollte, und wir haben uns gefunden. Es waren unheimlich schöne Dreharbeiten. Ich habe noch nicht oft erlebt, dass durchs Band alle Beteiligten mit Herzblut bei der Sache waren – und das bei einem Set von 60 bis 100 Leuten. Das Engadin gab eine herrliche Kulisse ab und die drei Kinder-Hauptrollen Uorsin, Seraina und Roman sind toll besetzt.

 
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Wildes Leben: Biografie der Autorin Dorothy Parker.

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Das Anarcho-Theater gefiel mir so gut, dass ich die Kanti schmiss.»

Bringt Glück: geschnitztes Vögeli vom Schwiegervater.

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Wie sind Sie Schauspielerin geworden?
Ich spielte als Kind viel «Verkleiderlis» und zwang meine Freundinnen mitzumachen. Später war ich in Chur bei einer ambitionierten Anarcho-Theatergruppe, welche die Welt von der Bühne herunter verändern wollte. Das gefiel mir so gut, dass ich die Kanti schmiss und eine Schauspielschule absolvierte. Das Diplom musste ich jedoch nie vorzeigen, da ich schon während der Ausbildung in einem «Tatort» eine Hauptrolle gespielt und in der Serie «Die Direktorin» mitgewirkt hatte.

Haben sich denn alle Ihre Träume von damals erfüllt?
Schauen Sie mich nur an – ich strahle den Erfolg doch aus! Nein, im Ernst, ich bin sehr zufrieden. Es ist unglaublich, wie viel ich drehen und auf der Bühne stehen durfte. In meinem jugendlichen Übermut hatte ich das zwar gar nicht anders erwartet, aber die Selbstzweifel und die eine oder andere schlaflose Nacht gab es später doch noch.

Hollywood war für Sie zu weit weg?
So weit habe ich tatsächlich nicht gedacht. Ich wollte einfach Schauspielerin sein und freue mich, dass es geklappt hat. Wenn die aus Hollywood anrufen, würde ich jedoch schon vorbeigehen … Mittlerweile gibt es aber auch in Europa sehr spannende Sachen.

War es für Sie ein Wink des Schicksals, dass Sie sich ausgerechnet in Berlin in einen Bündner verliebten?
Ich weiss nicht mehr, welchen Zeichen ich damals Beachtung geschenkt habe, aber ich dachte, es wäre der richtige Zeitpunkt. Man weiss ja auch nicht wirklich, worauf man sich da einlässt. Obwohl es die bisher anspruchsvollste Aufgabe war, mit drei kleinen Kindern den Alltag zu meistern, finde ich die Mutterrolle die schönste Rolle, die ich spiele.

Ihr Ehemann kümmert sich auch um die Erziehung der Kinder?
Ja, und er legt sehr viel Wert darauf, dass unsere Kinder die richtige Herzensbildung bekommen. Wir ergänzen uns so gut, dass ich Beruf und Familie wunderbar vereinen kann.

Wo leben Sie heute?
Unser Lebensmittelpunkt ist momentan das Prättigau, wo die Kinder ein sehr wildes, freies und unbekümmertes Dasein führen können. Wir sind jedoch noch immer mit Berlin verbunden. Ich arbeite auch noch dort, tauche danach aber nicht ungern wieder ins heimische Alltagschaos ein. So nahe wie beim «Schellen-Ursli» sind Dreharbeiten sonst leider nicht!

Vier Daten im Leben von Tonia Maria Zindel

1992 Beginn der Schauspielakademie Zürich und erste Rollen in TV-Produktionen.
1999 Sie ist die DRS3-Kultfigur «Marycarmen Electra» und die Maja in «Lüthi und Blanc».
2003 Geburt ihrer Tochter Luzia (13), gefolgt von den beiden Söhnen Men (9) und Flurin (6).
2015 Neben der Mutter im «Schellen-Ursli»-Film spielt sie in der «Bündner Dreigroschenoper» in Chur.

Tonia Maria Zindel spricht übers Muttersein

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 28.09.2015, 17:00 Uhr

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