Willy Schmid strotzt vor Energie: Der 69-jährige Basler bringt den Fussball als positive Botschaft in alle Welt.

Trainer auf sozialer Mission

Willy Schmid bereist im Auftrag des Fussballs die Krisengebiete unserer Erde.

Willy Schmid hat Gottvertrauen: «Der Herrgott weiss, ich mache etwas Gutes. Nicht nur für mich, sondern vor allem für andere. Bis jetzt hat er mich immer heil nach Hause gebracht.» Das ist nicht selbstverständlich, denn Schmid bereist im Dienste des Fussballs die Krisengebiete der Erde. Seine bisherigen Stationen im laufenden Jahr: zwei Wochen Ukraine sowie je eine Woche Uganda, Jordanien und Libanon. Weitere werden noch folgen … Seine Mission: «Wir bilden vor Ort junge Menschen zu Fussballtrainern aus mit viel Sozialkompetenz, die dann wiederum den Kindern, die dort leben, in ihrer schweren Zeit ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.»

Der 69-jährige Basler ist im Auftrag der Scort Foundation und des FC Basel unterwegs, welche soziale Projekte der Football Club Social Alliance durchführen. Neben dem FC Basel gehören Werder Bremen, Bayer Leverkusen, Austria Wien, die Queens Park Rangers sowie Schalke 04 zu diesem Bündnis.

Für Willy Schmid ist der Fussball seit Kindesjahren allgegenwärtig. Nach seiner Aktivkarriere – «leider hat es nie zu einem Profivertrag gereicht» –, die ihn durch viele Fussballclubs der Nordwestschweiz und den süddeutschen Raum führte, nahm er mit 39 Jahren auf der Trainerbank Platz. Speziell in Erinnerung geblieben ist ihm die Zeit, als er das Frauenteam des FC Concordia Basel in die höchste Schweizer Liga führte und danach die NLA-Frauen des FC Basel für ein Jahr coachte. «Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und jedem Trainer empfehle», sagt er und ergänzt: «Frauen ticken einfach anders.» Doch der Fussball und die Zeit, die Schmid auf dem Trainingsplatz verbrachte, forderten auch Opfer. «Das Familienleben hat schon arg gelitten.» Denn neben seinem Engagement arbeitete er – «immer im 100-Prozent-Pensum» – im kaufmännischen Bereich in leitenden Positionen. Unter anderem 23 Jahre als Einkäufer bei Coop. Seit sechs Jahren ist er geschieden, «aber glücklich», wie Schmid betont. Aus der Ehe ging sein heute 25-jähriger Sohn hervor.

Der Duft vom runden Leder

Willy Schmid erzählt uns seine Geschichte auf dem Campus des FC Basel. Er trägt Trainerhosen und FCB-Shirt. Hier fühlt er sich wohl. «Natürlich könnte ich gewisse Dinge auch von zu Hause aus erledigen», sagt er. Doch er brauche diese Luft – den Duft vom runden Leder und grünen Rasen. Hier kennt man ihn. Immer wieder müssen wir unser Gespräch unterbrechen. Das ist nicht schlimm, im Gegenteil: Es bestärkt den Eindruck, dass der Mann mit den mittlerweile schneeweissen Haaren für den Fussball lebt. Der U21-Spieler, der sich bei ihm über den angebotenen Spanisch-Sprachkurs erkundigt, wird abgelöst durch den Materialwart, der die neuen Scort-Camp T-Shirts präsentiert. Willy Schmid strotzt vor Energie. Muss er auch! Er hat viel zu tun. Denn er ist ausserdem verantwortlich für die neun FCB-Kids Camps in der Region Nordwestschweiz. Daneben ist er J + S-Coach beim FC Basel, betreut dessen «Dreamteam» – eine Mannschaft mit körperlich und geistig Behinderten – und eben: ist technischer Leiter bei Scort.

Gelernt zu akzeptieren

Und dort gibt es immer wieder Situationen, bei denen auch Willy Schmid an seine Grenzen stösst. «Einmal», beginnt er und muss lachen, als er sich die Situation wieder in Erinnerung ruft, «da wurde ich richtig hässig und habe wie ein Rohrspatz auf Baseldeutsch geflucht.» In Palästina sei das gewesen, bei einem Trainerausbildungsmodul. «Die Gruppe war gemischt, Palästinenser und Israelis zusammen», erklärt er. «Im Theorieraum kein Problem, auf dem Feld dafür umso mehr.» Kein einziges Mal hätten die sich den Ball zugespielt. Am nächsten Tag dasselbe Spiel. Da habe er die Übung abgebrochen.

Eine andere Lektion, die ihn nicht minder zur Weissglut brachte, musste Schmid im Sudan lernen. Da könne man noch lange sagen: Trainingsbeginn sei um acht Uhr morgens. «Garantiert steht dann keiner auf der Matte.» Am Anfang habe er mit dieser Einstellung schon Mühe gehabt und dachte: «Was soll ich hier?» Mittlerweile habe er dies aber gelernt zu akzeptieren. «Es bringt nichts, wenn wir versuchen, ihnen unsere Kultur aufzuzwingen. Das klappt nicht.» Das Ziel müsse sein, «dass wir unser Modul in der Zeit durchbringen, die wir dort zur Verfügung haben. Ebenso gehört es dazu, dass wir unsere Ausbildung in muslimischen Ländern sechsmal am Tag unterbrechen müssen, weil die Moslems beten wollen.»

Und trotzdem: Für Willy Schmid ist diese soziale Fussball-Mission eine Herzensangelegenheit, die er noch lange weiterführen möchte. «Sicher noch zwei bis drei Jahre», sagt er … «vielleicht auch noch zehn» … das Lächeln kann er dabei nicht verbergen.

  • 2007/08 brachte er die Frauen des FC Concordia Basel in die NLA.
  • 23 Jahre arbeitete Willy Schmid als Einkäufer in leitender Position für Coop.
  • Seit 2007 ist er technischer Leiter der Scort Foundation, die Fussballprojekte fördert.

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