Trostball!

Schreiber: Ich weiss nicht, was mit mir los ist. Bin einfach traurig und schlapp. Könnte wegen Kleinkram losheulen. Kleinkram wie: Das Bett ist nicht gemacht und Mails sind nicht beantwortet. Schneider bemerkt meine Stimmung, als ich aus der Küche schlurfe und mich oben ins Bett lege. Mittags. Er kommt hoch und fragt, was los sei. Da laufen sie auch schon, die Tränen. «Keine Ahnung», schluchze ich. «Jahreswechsel, Wechseljahre, irgend sowas.» Er streichelt mir über die Haare und sagt: «Komm, wir spielen.» «Ich will nicht spielen.» «Egal, komm einfach.» Er nimmt meine Hand, führt mich runter. Im Wohnzimmer liegt ein Luftballon.

«

Ich könnte wegen jedem Kleinkram losheulen.»

«Der Teppich ist dein Feld, der Holzboden meins.» Dann pufft er den Ballon in die Luft, haut volle Kanne drauf und die hellrosa Wolke schwebt im Zeitlupentempo auf mich zu. Ich hole aus und klatsche den Ballon mit der flachen Hand zurück. Und wieder bewegt er sich gemach auf die andere Seite. Wie schön. Dieser Ballon lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er schwebt über allem. Tut mir gut. Nach zehn Minuten liegen wir beide lachend auf dem Sofa und halten uns die Bäuche. Schneider holt mir zwar keine Sterne vom Himmel – aber dafür gute Laune aus der Luft.

Schneider: Meine Sonnenfrau fühlt sich in letzter Zeit etwas schattig. Ich beobachte sie seit Tagen, sie sieht müde aus. Als gestern Abend die Kinder ein lustiges Spiel erfanden, nämlich Volley-Ball mit einem Luftballon, zog sich Schreiber zurück: «Ist mir zu laut», sagte sie. Heute liegt sie auf dem Sofa, mit roten Wangen und strahlenden Augen. Sie klatscht in die Hände: «Das Spiel war super!» Ich bin erleichtert. Es ist nicht einfach, wenn sie so matt ist. Ich bin dann ratlos, und schnell mal fühle ich mich schuldig: Erwarte ich zu viel von ihr? Sollte ich sie mehr auf Rosen betten? Da sagt sie: «Weisst du, ich will keine Wellness, auch keine neuen Schuhe. Ich will genau das: zwischendurch die Welt vergessen und etwas Verrücktes machen.»

«

Sollte ich sie mehr auf Rosen betten?»

Sie lächelt mich zärtlich an. Spannend. Sie steht auf, geht zur Musikanlage, legt eine CD rein. Sehr spannend, denke ich. Sie zieht die Vorhänge zu. Prickelnd. Dann dreht sie die Lautstärke hoch und afrikanische Rhythmen wummern aus den Boxen. Schreiber beginnt sich Arme schwingend im Kreis zu drehen, hüpft aufs Sofa, stampft mit den Füssen und schüttelt ihre Haare. Ach, das meinte sie mit «etwas Verrücktes»: Ausdruckstanz!

 (Coopzeitung Nr. 48/2014)

Die Kolumnisten live: 30. November Verkehrshaus Luzern. 4. Dezember Dinerlesung im Hirschen Erlinsbach. Infos: www.schreiber-schneider.ch

Hilft «Ausdruckstanz» gegen schlechte Laune?

Schreiber und Schneider debattieren heftig darüber. Ein Kompromiss scheint weit weg zu sein.
Stimmen Sie hier ab, wer recht hat.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 24.11.2014, 15:57 Uhr

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