Der Blick aus einem Weinberg auf die Stadt Baden und die Limmat.

Trouvaillen sind überall zu finden

Schweizer Wein Wein aus dem Aargau oder aus Zürich? Der kann nichts taugen – das steckt in vielen Köpfen. Stimmt nicht, sagt Werner Müller, Experte für Schweizer Weine.

Was wären die Weine des Lavaux ohne den See? Wohl nur halb so gut. Denn die Rückstrahlung vom Genfersee und die sich in den steilen Hängen speichernde Sonnenwärme trägt einiges zur Qualität bei. Doch nicht alle Regionen haben so viel Glück. Im Mittelland ists flach und neblig und in Zürich stehen Rebberge oft in Konkurrenz mit schicken Wohnlagen. Das heisst aber nicht, dass es dort keine guten Weine gibt. «Gerade aus solchen Regionen kommen ganz tolle Weine», sagt Werner Müller, Spezialist für das Weinland Schweiz bei der Académie du Vin. Das zeige sich auch beim Grand Prix du Vin Suisse. Jahr für Jahr gehen Gold- und Silbermedaillen an Winzer aus diesen Gebieten.

Da die produzierten Mengen relativ klein sind, werden diese Spitzen-Erzeugnisse häufig nur regional angeboten, wie zum Beispiel der Schafiser Stadt Bern, den es in etwa 140 Coop-Verkaufsstellen der Region Bern gibt. Oder der Falkenkönig, den es online und in der Region Basel/Aargau gibt.

Fernab der grossen Gebiete gibt es laut Müller viele Winzer, die «absolute Spitzenweine produzieren wollen». Der Generationenwechsel, der vielerorts in den letzten zehn Jahren stattgefunden hat, habe einiges ausgelöst und möglich gemacht. Als Beispiel nennt er Tom Litwan aus Schinznach AG, der «sehr burgunderisch» arbeite. Der junge Winzer füllt den Wein lagetreu ab – analog der Cru-Philosophie im Burgund, die sich auf einzelne Weinberge bezieht. Ähnlich aktiv sei man in der Weinregion Bielersee: «Es wird dort längst nicht mehr nur Chasselas angebaut». Es gebe auch spannende Versuche mit Malbec. Dieser sei natürlich nicht zu vergleichen mit einem Malbec aus Übersee, sagt Müller. So seien die Weine weniger üppig, weniger knallend. «Das sind klassische, schlanke Weine – bieten aber wirklich grossen Trinkspass.» Müller gefällt auch, dass die jungen Winzer nicht nur auf die altbekannten Sorten wie Pinot Noir oder Merlot setzen. «Man findet einige überraschende und sehr gelungene Weine aus Sorten wie Gamaret, Garanoir, Diolinoir oder Zweigelt.» Die roten Weine würden auch von den wärmeren Temperaturen der letzten Jahrzehnte profitieren.

«Neugierig sein», rät Werner Müller allen, die sich auf Schweizer Weine einlassen möchten. Und vielleicht auch mal ein Gut besuchen und vor Ort ein Glas degustieren. «Die meisten Winzer freuen sich, wenn jemand Interesse zeigt und ermöglichen gern einen Besuch – und erzählen dann von ihrer Arbeit und ihren Produkten.» Vorher anrufen sei jedoch Pflicht, man sei schliesslich nicht im Bordeaux, wo so manches Weingut ein eigenes Besucherzentrum betreibe.Der Blick aus einem Weinberg auf die Stadt Baden und die Limmat.

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Die bekannteste Kreuzung der Weinwelt

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Der Schweizer Dr. Hermann Müller, im Kanton Thurgau geboren, wollte mit seiner Kreuzung die hohe Qualität der Sorte Riesling mit der frühen Reife der Sorte Sylvaner verbinden. Die Kreuzung kam 1882 auf den Markt, fand zuerst wenig Beachtung, wurde aber in den 1970ern zur meistangebauten Sorte Deutschlands. Müller-Thurgau, in der Schweiz zum Teil noch Riesling-Sylvaner genannt, überzeugte die Winzer vor allem mit hohen Erträgen.

Übrigens hat Dr. Müller aus Versehen Riesling mit der unbekannten Sorte Madeleine Royale gekreuzt. Sylvaner ist also gar kein Elternteil der Sorte. Müller-Thurgau bringt nur bei tiefen Erträgen und sorgfältiger Pflege der Rebberge gute Weine hervor, mit einem typischen, blumigen Muskataroma.

Mehr zum Thema auf der Weinplattform Mondovino.ch

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Regula Bättig

Redaktorin

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Donnerstag 03.07.2014, 16:19 Uhr

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