Das ist seine Welt: Netzwerk-Administrator Pascal Mathis inmitten von Kabeln und Computern.

Tüftler: «Ich bin sehr ehrgeizig»

Pascal Mathis liebt es, Probleme zu lösen: An der Berufs-WM wurde er dafür mit einem Diplom belohnt.

Es war eine Tortur für Pascal Mathis. An den Berufs-Weltmeisterschaften in Abu Dhabi von Mitte Oktober hatte der 22-jährige Netzwerk-Administrator aus Pfeffingen BL vier Tage lang vor dem Computer geschuftet und eine Vielzahl von Aufgaben gelöst, bis die Augen viereckig wurden. Dann die Rangverkündigung: Die Veranstalter nannten die drei Besten, Mathis war nicht darunter. Nun begann für den diplomierten Informatiker eine Geduldsprobe, denn die weiteren Ränge hinter dem Siegerpodest wurden erst nach und nach im Internet aufgeschaltet.

Alle paar Minuten schaute Mathis per Handy nach, ohne fündig zu werden. Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Natürlich ist Mitmachen wichtiger als Gewinnen. Aber wenn der Baselbieter sich am Ende nur auf dem 30. Platz von 30 Teilnehmern wiedergefunden hätte, wäre er untröstlich gewesen. So viele Stunden, die er in die Vorbereitung auf den Wettkampf gesteckt hatte! Ums Geld ging es ihm nicht. Einige der asiatischen Konkurrenten bekamen zwar für gute Resultate exorbitant hohe Prämien und für den Sieg den Gewinn eines Eigenheims in Aussicht gestellt, doch bei Mathis war nichts Vergleichbares vorgesehen. Zur Unterstützung hatte er vom Hauptsponsor einen grosszügigen Betrag für die Teilnahme an den Worldskills erhalten, zudem war ihm sein Arbeitgeber Coop entgegengekommen, als er sich auf die WM vorbereitet hatte. Das war für ihn Lohn genug – einen guten Rang wollte er aber trotzdem erreichen.

Kein Nerd

Es gibt ja dieses Klischee, das man im Kopf hat, wenn man sich einen Computerfreak vorstellt: Brille (vom vielen auf den Bildschirm starren), Stoppelbart (fürs Rasieren bleibt keine Zeit), merkwürdig bedrucktes T-Shirt und eine nur schwer zu bändigende Lust aufs Gamen. Auf Pascal Mathis trifft nichts von all dem zu, als wir ihn treffen. Brillenlos und rasiert kommt er im Hemd daher. Und der grosse Gamer ist er auch nicht – und war er noch nie.

Als Kind wollte er erst Elektriker werden, weil ihn Kabel und Steckdosen faszinierten. Doch dann bekam er mit neun einen Computer: Da wars um ihn und den ursprünglichen Berufswunsch sogleich geschehen. Ihn faszinierte es, ganz simple Computerspiele zu programmieren oder weiterzuentwickeln. Das Gamen selber war nicht seine Welt. «Dafür fehlte mir die Geduld. Ich war nicht der Typ, der tagelang irgendeine virtuelle Stadt aufbaut oder sich in endlosen Schlachten gegen einen anonymen Gegner wehrt.» Lieber bekämpfte er die realen Computerprobleme von Verwandten und Bekannten. Da aber war er umso fleissiger. «Ich bin sehr ehrgeizig», sagt Mathis über sich. «Wenn etwas nicht funktioniert, lässt mich das so lange nicht in Ruhe, bis ich die Probleme gelöst und beseitigt habe.»

Es war nichts als logisch, dass ihn der Weg dorthin führte, wo er viele Probleme lösen konnte. Während seiner vierjährigen Informatiklehre bei Coop fragte ihn ein Lehrer, ob er nicht an den Berufs-Regionalmeisterschaften mitmachen wolle. Mathis meldete sich an und qualifizierte sich für die Schweizer Meisterschaften, wo er in seiner Berufskategorie Gold gewann. Das spornte ihn an, auch an der WM teilzunehmen. Und tatsächlich: Er schaffte den Sprung nach Abu Dhabi. Sein Ziel war ein Platz unter den ersten zehn.

Fortan durfte er sich wie ein Spitzenathlet fühlen, der an Olympischen Spielen teilnimmt. Es gab Vorbereitungscamps mit teamfördernden Massnahmen und Motivationstraining: Die Teilnehmer entwickelten einen Kampfschrei. Oder liefen barfuss über einen Glutteppich. «Es wurde ganz schön warm an den Füssen», gibt Mathis zu, «aber am Ende ist alles doch nur Kopfsache.»

In Abu Dhabi gab es für die 1300 Teilnehmer aus aller Welt eine Eröffnungszeremonie in einem gut gefüllten Stadion. Schliesslich galt es für Pascal Mathis ernst. Der Auftakt gelang sehr gut, die Fortsetzung weniger, was ihn extrem nervte. «Ich zog mich für eine Stunde auf mein Zimmer zurück und hörte laute Elektromusik.» Dann war es wieder gut – und er fand zurück in die Spur: Insbesondere das Problemelösen gelang «picobello», wie Mathis erklärt.

Irgendwann war auch sein Resultat auf dem Netz. Pascal Mathis wurde 8. und erhielt die Auszeichnung «Medallion for Excellence». Damit hatten sich die Bedenken des besten Problemlösers der Schweiz in nichts aufgelöst.

  • Trau dir etwas zu! Meist steckt mehr in dir drin, als du selber glaubst.
  • Nie stehen bleiben! Die Welt entwickelt sich rasant, also musst du à jour sein.
  • Selber Lösungen suchen! Bei Problemen nicht gleich alles aus der Hand geben.

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