Tupperliebe

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Schreiber: Ich habe einen Dokumentarfilm über eine 12-köpfige Familie gesehen. Beeindruckend! Jeden Morgen stehen die Eltern eine Stunde früher auf, um  Nahrung für ihren Nachwuchs bereitzustellen. Ein Meter aneinandergereihte Stullen! Sehr nahrhaft. Ich muss zwar keine Brötchen für zehn hungrige Mäuler schmieren, immerhin aber für zwei. Und da die Grössere den ganzen Tag ausser Haus ist, braucht sie also nicht nur Znüni, sondern auch Zmittag und Zvieri. Ausserdem noch ein bisschen was für zwischendurch und im Zug und einfach was zum Naschen und noch ein Trostspenderchen. Finde ich.

«

Essen und Liebe gehören halt einfach zusammen.»

Deshalb schnippsle ich und wrappe, wickle ein und tupper’ die Sachen dicht, lege zum Schluss noch eine Serviette dazu. Ich stecke meine gesamte Mamaliebe zwischen Vollkornbrotscheiben, streue zärtlich Schnittlauchstückchen über geschmeidigen Sauerrahm, garniere Hirsesalate mit Herztomaten und wenn ich es könnte, würde ich aus Karotten Schmetterlinge schnitzen. Hach, Essen und Liebe gehören einfach zusammen!

Als Schneider nochmals seine Nase in die Küche steckt, bevor er aus dem Haus geht, sieht er meine Futterpäckchen. Er stutzt, dann fragt er: «Gibts neustens eine Überlebenswoche an der Schule?»

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Schneider: Ich höre Schreiber in der Küche Gemüse schnetzeln und Töpfe schwingen. Etwas früh, scheint mir, denn es ist morgens um halb sieben. Ich spähe um die Ecke in die Küche: Sie hackt Rüebli, aus der Pfanne dampft es, neben dem Herd stapeln sich Plastikschachteln, im Waschbecken tropfen Nudeln ab. Die Sonne ist noch nicht mal übern Hügel und es riecht in unserem Haus wie in einer Fabrikkantine kurz vor zwölf. Habe ich irgendwas verpasst? Erwarten wir Besuch? Gehen wir auf eine Bergtour oder wandern wir aus? Nein. Ganz einfach: Unsere zwei Kinder gehen in die Schule. Und als ob die Schultaschen mit unzähligen Lehrbüchern darin nicht schon schwer genug wären, füllt ihnen Schreiber die letzten freien Winkel mit Kraftnahrung.

«

Das ist der Gipfel mütterlicher Fürsorge.»

«Super, dass du für sie so lecker kochst», merke ich an, «aber das ist doch viel zu viel! Das schaffen die nie im Leben!»

«Du hast keine Ahnung, wie viel Energie derart lange Schultage brauchen», entgegnet sie bestimmt und greift nach zwei Äpfeln, die sie sorgfältig poliert. Da wird mir auf einmal klar, dass ich bei diesem Berg Nahrung nicht auf notwendige Wachstumsenergie für unsere Teenager blicke, nein, ich blicke auf den Gipfel mütterlicher Fürsorge.

«Mein Leben als Paar», Lesungen: 10. Mai Bern; 17. Mai Aarau; 19. Mai Andwil; 20. Mai Höngg. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 08.05.2017, 10:00 Uhr

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