Wähnt man sich in «normalen» Clubdiscos ab 25 Jahren schon beim alten Eisen, gehört man bei den Ü-Partys auch mit über 40 noch zum heissen Eisen. 

Ü-Partys: Tanzevent oder Singlebörse?

Wir waren dabei, haben geschaut, haben gelernt, haben analysiert und kamen zu einem auf Beobachtungen beruhenden Resultat. 

Peter* hat sich in Schale geworfen. Dunkler Anzug, weisses Hemd – oberster Knopf geöffnet. Die Kurzhaarfrisur sitzt. Nicht ganz dem neusten Trend entsprechend, aber passt. Das etwas zu üppig aufgetragene Gel lässt die lichten Stellen im Stroboskoplicht blitzen.
Lässig (sollte es wohl aussehen) lehnt Peter an einer der neugotischen Säulen in der Basler Elisabethenkirche ..., putzt sich die Brille. Heute Abend muss er den Durchblick haben – die Augen offen halten.
Der 39-Jährige gehört zur grössten Männerfraktion, die sich an diesem kalten Winterabend an der Ü30-Party im umfunktionierten Gotteshaus die Füsse in den Bauch steht. Einfachheitshalber nennen wir sie hier: die Sucher. Wie der Name suggeriert, sind die Sucher auf der Suche. Sie halten Ausschau nach ihrem Deckelchen – auch Peter.

Männer sind die Jäger ...

Neben den Suchern, die cool wirken wollen, sind da noch die Coolen – also die wirklich Coolen. Sie waren schon immer cool. Es sind die einzigen Herren der Schöpfung, die tanzen – zumindest zu dieser Uhrzeit (22.30 Uhr). Sind ja auch mit ihrer Frau, Freundin, ihrem Date vor Ort.
Und dann ..., ja dann gibt es noch die Landeier – die kleinste Gruppe maskulinen Geschlechts. Selbstbewusst, das karierte Flanellhemd in der Hose, das Handy am Gurt, wippen sie mit dem Knie (ja Einzahl) und schlucken Bier. Eigentlich gehören auch sie zur Spezies der Sucher. Im Gegensatz zu diesen geben sie sich aber die grösste Mühe, dies nicht ganz so offensichtlich zur Schau zu stellen. Retrospektivisch zusammengefasst: «Er» ist auf Brautschau!

… Frauen die Gejagten

Das Bild als Beweis: Die Frauen tanzen, und die Männer ...? Aber sehen Sie selbst! 

Das Bild als Beweis: Die Frauen tanzen, und die Männer ...? Aber sehen Sie selbst! 
http://www.coopzeitung.ch/Ue_Partys_+Tanzevent+oder+Singleboerse_ Das Bild als Beweis: Die Frauen tanzen, und die Männer ...? Aber sehen Sie selbst! 

Doch gibt es in unserer (etwas überspitzt dargestellten, aber auf Beobachtungen beruhenden) Ü-Party-Feldstudie natürlich auch noch das andere Geschlecht, die Frauen. Und was machen die? Sie tanzen! «Sie müssen sich ja präsentieren», erklärt «Ü-Parties»-Gründer und DJ Felix Bielser. Hat er dabei mit dem Auge gezwinkert? Wahrscheinlich schon. Ansonsten bestätigt er unsere Analyse. «Es ist schon so, während sich 90 Prozent der Frauen zur Musik bewegen, sind die Männer eher in sich ruhend – statisch.» Doch nicht nur tänzerisch, auch mengenmässig dominieren die Damen mit einem prozentualen Anteil von 60 gegenüber 40. Und noch eine Differenz gebe es zwischen Männlein und Weiblein. «Im Gegensatz zu den Männern, die einfach mal ‹schauen gehen›, planen Frauen einen solchen Abend lange im Voraus», sagt Bielser. Oft seien es auch Mütter, «die endlich wieder einmal in den Ausgang gehen und ihre familiären Pflichten für ein paar Stunden dem liebenden Ehemann abtreten dürfen.» Als wollten sie dieser Aussage Nachdruck verleihen, schweben zwei Blondinen an uns vorbei, lächeln in die Kamera und beteuern unisono: «Wir wollen einfach nur tanzen – es zusammen lustig haben.» Nur eine Plattitüde für die Zeitung? Ein Beruhigungspillerl für den Daheimgebliebenen? Nein! Wir glauben es ihnen.

http://www.coopzeitung.ch/Ue_Partys_+Tanzevent+oder+Singleboerse_ Ü-Partys: Tanzevent oder Singlebörse?
«

Die Frauen planen einen solchen Abend viel weiter im Voraus.»

Felix Bielser (51), «Ü-Parties»-Gründer

Auch regionale Differenzen 

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind das eine, Bielser weiss: «Es gibt noch weitere.» Im Marketing-Fachjargon als «soziodemografische Merkmale» bezeichnet, erklärt er: «In Zürich erscheinen neun von zehn Frauen mit hohen Absätzen zu unseren Ü-Partys», im Rest der Schweiz sei der Hang zu High Heels, Stilettos und Co. nicht ganz so ausgeprägt. Im Gegensatz zur Zürcher Metropole werde der Ball – pardon der Schuh – dort eher flach gehalten.
Felix Bielser muss es wissen. Seit fünf Jahren organisiert er Ü-Partys. Neben dem Heimspiel (Bielser ist in Pratteln zu Hause) in der Basler Elisabethenkirche sind das Kaufleuten in Zürich, das Bierhübeli in Bern und der Schweizerhof in Luzern seine bekanntesten Party-Adressen.

Höhepunkt gegen Mitternacht

Alias DJ FIX legt er dabei seinem Publikum ein reichhaltig musikalisches Buffet auf – querbeet und doch einer logischen Reihenfolge entsprechend. «Kurz nach Türöffnung (20.00 Uhr) läuft ein Mix aus 70er- und 80er Jahre-Hits», sagt Bielser. Musik also, zu welcher auch Besucher weit jenseits der vorgegebenen Altersbegrenzung problemlos tanzen können. Es ist dies die Zeit für Paare, die zumindest einmal in ihrem Leben eine Tanzschule betreten haben – auch wenn nicht bei allen auf den ersten Blick erkennbar. Mit fortlaufender Dauer des Abends verjüngt sich nicht nur das Publikum, auch aus den Boxen stampfen zunehmend mehr Beats denn ohrwurmtaugliche Melodien. «Ab 21 Uhr bis 22.30 Uhr läuft ausschliesslich Musik, die älter als Jahrgang 2000 ist – danach bunt gemischt», sagt Bielser.
Gegen Mitternacht erreicht das Gewusel auf der Tanzfläche seinen Höhepunkt – Stosszeit auf dem gebohnerten Parkett in der Elisabethenkirche. Nicht gross verändert hat sich gegenüber dem frühen Abend jedoch die Aufgabenteilung der Geschlechter. Noch immer tanzt die Frau und steht der Mann – auch Peter. Die Säule hat er gewechselt, die Brille geputzt ...

* Name geändert

 Männer! Tanzt! – aber richtig!
Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Northumbria University in Newcastle hat analysiert, welcher Tanzstil der Männer beim weiblichen Geschlecht ankommt. Dabei steigen die Chancen vor allem, wenn das rechte Knie geschmeidig bewegt und der Rumpf abwechslungsreich und raumgreifend gebeugt wird. Und wie heisst es doch so schön: «Wer auf der Tanzfläche Rhythmusgefühl beweist, der hat es auch anderswo.»

Fazit schlechter Tänzer: Die Moves sind wenig raumgreifend und monoton.

Fazit guter Tänzer:
Die Durchschnittsfrau achtet beim männlichen Tänzer vor allem auf variable und raumgreifende Bewegungen von Kopf und Rumpf – und geschmeidig-flinke Beinarbeit.

Zur Anleitung


 Denn sie wissen nicht, was sie tun Liebe
Frauen, werdet proaktiv. Dass viele Männer auf einer Party lieber das Bierglas denn Eure Hand halten, hat nichts mit Desinteresse zu tun. Sie trauen sich einfach nicht. Vor allem beim Tanzen (siehe Punkt oben) sind sie auf Eure Hilfe angewiesen.


 Weg von den Boxen
Jemanden anschreien zu müssen ist nicht cool. Auch nicht die Grimassen, die dabei geschnitten werden. Ganz zu schweigen von den Missverständnissen, die bei akustischer Übersättigung entstehen können. Also, wer reden will: Weg von den Boxen und rein in die ruhige Ecke.

Basel
Samstag, 31. Dezember, in der Elisabethenkirche. Ab 22.00 Uhr und ab 25 Jahren.

Luzern
Samstag, 31. Dezember, im Hotel Schweizerhof. Ab 22.00 Uhr und ab 25 Jahren.

Bern
Samstag, 31. Dezember, im «DAS ZELT» auf der Allmend. Ab 22.00 Uhr und ab 25 Jahren.

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Andreas Eugster

Redaktor

Foto:
Pino Covino
Veröffentlicht:
Montag 26.12.2016, 16:00 Uhr

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