Unser Haussaurier

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Schreiber: Unsere Töchter haben sich nie sonderlich für Dinosaurier interessiert. Da kenne ich andere Familien, wo sich Dinos aus allen möglichen Materialien und in allen möglichen Grössen stapeln. Ich verstehe die Faszination durchaus und ja, es ist bedauerlich, dass sie ausgestorben sind, aber so ist nun mal die Natur: Wer sich nicht an neue Gegebenheiten anpassen kann, geht halt unter.

Und dennoch hatte ich lange Zeit das Gefühl, dass wir zu Hause einen Saurier haben.

Schneider.

Zumindest in Sachen Handy.

«

Wer sich nicht anpassen kann, geht halt unter.»

Seit Jahren ist er stolz auf sein Telefönchen, das er fast im Handballen verstecken kann. Ab und an hat er angetönt, ganz auf ein Handy verzichten zu wollen. «Ich muss das alles nicht mitmachen», war sein Argument, «ein Leben ohne Mobiltelefon ist nämlich entspannter, langsamer und irgendwie leiser.»

Ich fragte mich dann jeweils, ob er in Zukunft stets Streichhölzer und etwas Holz mit sich trüge, um sich über grössere Entfernungen mittels Rauchzeichen zu verständigen. Ist ja auch recht leise.

Nun scheint er doch nicht aussterben zu wollen, denn auf meine Frage an diesem Morgen, was er sich zu Weihnachten wünsche, druckste er zuerst rum, dann meinte er: «Den Anschluss nicht zu verlieren.»

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Schneider: In den letzten Wochen bekam ich Post von der Kreditkartenfirma, von der Bank, von den SBB. Alle wollten mir ihre App andrehen, denn diese würde das Leben einfacher, sicherer, schneller machen, und überhaupt: Auch meine Familie unterhält sich fröhlich über Whatsapp und schickt sich Bildchen zu.

App, App, hurra! Dabei weiss ich nicht mal richtig, was eine App ist.

Deshalb überlegte ich lange und beschloss, aus der Steinzeit in die Gegenwart zu kommen, nur schon, um den Anschluss an Frau und Kinder nicht zu verlieren.

«

Ich weiss nicht mal richtig, was eine App ist.»

Schreiber staunte, als ich sagte, ich würde mir nun doch ein Smartphone anschaffen. Nun wird sie noch mehr staunen, wenn sie sieht, wie ich diesen Anschluss schaffe.

«Tata! Schau mal, mein neues Teil!», sage ich zu ihr, als ich nach Hause komme und lege ein schickes schwarzes Smartphone auf den Tisch.

Sie schluckt. «Ist das echt?»

«Was denn sonst! Habe ich mir zu Weihnachten geschenkt! Hilfst du mir beim Start?»

«Du weigerst dich jahrelang – und dann kaufst du dir das grösste Modell überhaupt?» Sie schüttelt den Kopf und sagt dann etwas, das ich irgendwie nicht verstehe, nämlich: «Weisst du, schon bei den Sauriern hat die Grösse allein nichts genützt.»

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 04.12.2017, 10:01 Uhr

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