Bäche und Teiche sind oft stark mit Pestiziden belastet. Hauptschuld trägt die Landwirtschaft. Dabei ginge es auch anders.

Unsichtbar – Pestizide in Schweizer Gewässern

Bio-Bauer Manfred Wolf verzichtet bewusst auf Pestizide – auch weil ihm sauberes Wasser am Herzen liegt. 

Es ist ein heisser Tag in Ried bei Kerzers FR. Die Sonne scheint auf die Felder, das Gemüse wächst, als wäre es Unkraut. Dazwischen schwadern Enten in kleinen Teichen, Bäche plätschern erfrischend durch die schmalen Kanäle.

Doch der Schein trügt. Nicht alles ist so idyllisch. Die vermeintlich sauberen Gewässer sind in Wirklichkeit stark mit Pestiziden belastet. Diese kommen hauptsächlich aus der Landwirtschaft, wie eine Studie der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) zeigt. 2014 konnten die Experten insgesamt 104 Pestizide in den untersuchten Gewässern nachweisen. Bei 31 Substanzen wurden die Grenzwerte  teilweise überschritten.

Pestizide haben Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt (siehe Grafik).  «Je nach Art der Gewässerorganismen, Konzentration und Wirkung der Gifte, können diese tödlich sein. Zum Beispiel für Bachflohkrebse», weiss Marcel Liner (47), Landwirtschaftsexperte bei Pro Natura. Nur jene Pflanzen und Tiere überleben, die toleranter gegenüber den Pestiziden sind.

Keine Pestizide bei Bio

Und: «Es gibt Gifte, die sich etwa im Organismus von Amphibien auf deren Hormonhaushalt auswirken, ihre Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen oder das Immunsystem schwächen. Alles Faktoren, die zum weiteren Rückgang der Biodiversität beitragen.» Auch über die Wechselwirkung der einzelnen Stoffe ist erst wenig bekannt. Die Schweizer Bauern greifen übrigens – im Vergleich zum Ausland – häufiger auf Pestizide zurück. Pro Jahr werden über 2100 Tonnen davon verkauft.

Dabei wäre das gar nicht nötig, wie die Bio-Bauern beweisen. Sie dürfen keine chemisch-synthetischen Pestizide einsetzen. «Es ist schon aufwendiger, ohne Pestizide zu produzieren, aber es lohnt sich», sagt Knospe-Bauer Manfred Wolf (46) aus Ried. Er baut auf seinen 40 Hektaren ausschliesslich Bio-Gemüse an. «Ich wusste schon während der Lehre, dass ich den Hof auf Bio umstellen will. Mir war klar, dass Landwirtschaft, so wie sie damals in den 80er-Jahren betrieben wurde, einfach nicht nachhaltig ist.»

Kein Raubbau

Beim Thema Wasser wird der Bauer fast philosophisch. «Wir haben doch kein Recht, etwas zu verschmutzen, das der Allgemeinheit gehört. Und zwar nicht nur uns Menschen, sondern auch den Tieren.» Sein Ziel sei es, keinen Raubbau zu betreiben, damit die Erde auch für seine Kinder und Enkelkinder erhalten bleibt. «Ich bin aber kein Weltverbesserer», scherzt er. Als Bio-Bauer gehört Wolf in der Schweiz noch zur Minderheit. Hierzulande setzen erst 13 Prozent aller Bauern auf biologischen Anbau. Im Flachland sind es sogar nur acht Prozent.

Wolf kann dieses Jahr auf 25 Jahre Bio-Landwirtschaft zurückblicken. «Für mich stimmt es so», sagt er. «Auch die Nachfrage nach Gemüse aus biologischem Anbau steigt ständig.» Er ist der Beweis, dass rentables Bauern und Gewässerschutz Hand in Hand gehen können. lBio-Bauer Manfred Wolf verzichtet bewusst auf Pestizide – auch weil ihm sauberes Wasser am Herzen liegt.

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Deborah Lacourrège

Redaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 10.07.2017, 10:00 Uhr

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