SIE: in St. Gallen, Stadt der Treppen. 

Unterwegs im Voralpenexpress 

Schreiber gesteht ihre Liebe zur sanften Hügellandschaft der Ostschweiz, während Schneider sich als Bücherwurm outet. Und als Modelleisenbähnler.

ER: im roten Wohnzimmer St. Gallens.

ER: im roten Wohnzimmer St. Gallens.
http://www.coopzeitung.ch/Unterwegs+im+Voralpenexpress ER: im roten Wohnzimmer St. Gallens.

ER: Dieses rote Wohnzimmer mitten in St. Gallen ist grossartig!

SIE: Ja, finde ich auch. Eine Meisterleistung von …

ER: … Pipilotti Rist.

SIE: Du weisst das?

ER: Natürlich! Tu nicht immer so, als wäre ich ein Kunstbanause.

SIE: Eigentlich sollte jede Stadt ein farbiges Lümmeltrottoir haben.

ER: Tolle Idee! Der Paradeplatz in Zürich ganz in Violett.

SIE: Der Bundesplatz in Bern in Grün.

ER: Der Barfüsserplatz in Basel in Rotblau.

SIE: Rotblau?

ER: Schon gut. Ich erklärs dir ein andermal. Ich gehe jetzt in die Stiftsbibliothek.

Voralpenexpress beim Weissenbachviadukt.

Voralpenexpress beim Weissenbachviadukt.
http://www.coopzeitung.ch/Unterwegs+im+Voralpenexpress Voralpenexpress beim Weissenbachviadukt.

SIE: Schneider ziehts magisch zu Büchern – mich zum Wasser. Auch St. Gallen hat seine Seen, die «Drei Weiern», hoch über der Stadt. Ich fahre steil hi-nauf mit der Mühleggbahn, die seit mehr als hundert Jahren St. Georgen mit der Stadt verbindet. Die idyllischen Seen und das nostalgische Badehaus stammen aus einer anderen Zeit. Früher herrschten hier strenge Regeln: Es gab einen Frauen-, einen Buben-, einen Mannenweier und versteckt im Wald gar einen Altmannenweier. Schwimmen wäre jetzt etwas ungemütlich, drum spaziere ich über zahlreiche Treppenstufen und mit wunderbarem Blick wieder runter in die Stadt.

ER: Schreiber verpasst wieder mal etwas. Was für eine Bibliothek! Über dem Eingang zum schönsten Barockzimmer der Schweiz steht geschrieben: «Heilstätte der Seele.» 160 000 Bücher, über 2000 Handschriften und 1650 Druckwerke aus dem Spätmittelalter finden sich hier. Es ist wie ein Kopfsprung in Dagobert Ducks Geldspeicher – nur besteht der Schatz hier aus klugen Gedanken und nicht aus Goldtalern. In der Kathedrale verrät mir der Audioguide, wo der Himmel aufgeht. An der Decke nämlich. Und dass ich mit einem Blick in den Taufstein symbolisch dort hinaufreisen kann. Fantastisch! Kein Wunder, ist dieser Klosterbezirk Unesco-Welterbe!

SIE: Mein Bücherwurm Schneider hat zum Glück die Zeit nicht vergessen. Er kommt pünktlich zum Bahnhof, weiter gehts mit dem Voralpenexpress.

ER: Schon nach wenigen Minuten fahren wir über den Sitterviadukt, 1910 gebaut und 99 Meter hoch. Nach Herisau folgt der Weissenbachviadukt, fast 300 Meter lang und 64 Meter hoch.

SIE: Ach, wie mir diese Landschaft gefällt: sanfte Hügel, Wälder, Wiesen, kleine Dörfer. Schnuckelig.

ER: Im nächsten Jahr feiert der Voralpenexpress seinen 25. Geburtstag. Seit 1992 verbindet der Zug St. Gallen mit Luzern über eine Strecke von 125 Kilometern. In Lichtensteig sind nur 1,3 Kilometer Gleise verlegt – aber die haben es in sich. Darum stoppen wir hier: Ich will die grösste Modelleisenbahnanlage Europas in Spur 0 sehen.

SIE: Hattest du als Kind auch eine Modelleisenbahn?

ER: Klar! Mit Kehrtunnel, Rangiergleis und vielen Häuschen. Wie hier.

SIE: Ehrlich gesagt, ist diese heile Welt faszinierend und irritierend zugleich.

ER: Mann, was hier an Arbeit und Leidenschaft drinsteckt! Ich könnte stundenlang …

 

SIE: umgeben von alten Töffs in Lichtensteig.

SIE: umgeben von alten Töffs in Lichtensteig.
http://www.coopzeitung.ch/Unterwegs+im+Voralpenexpress SIE: umgeben von alten Töffs in Lichtensteig.

SIE: Tja, Männer und Maschinen. Mir dauert das aber zu lang, ich schau mir mal die Puppen und die Töffs an.

ER: Jetzt hetz doch nicht so!

SIE: Schneider war kaum aus dieser Erlebniswelt Toggenburg rauszukriegen. Ich wäre lieber länger durchs Städtchen Lichtensteig gebummelt, aber jetzt müssen wir uns beeilen, um den Zug nach Rapperswil zu erwischen.

ER: Nach dem acht Kilometer langen Rickentunnel öffnet sich eine andere Welt: Im Obersee spiegelt sich der Himmel, im Hintergrund ragen Alpengipfel in die Höhe.

SIE: Schade. Im Frühling nisten hier Störche. Jetzt sehe ich keinen einzigen.

SIE  : im Baummuseum Rapperswil.

SIE  : im Baummuseum Rapperswil.
http://www.coopzeitung.ch/Unterwegs+im+Voralpenexpress SIE  : im Baummuseum Rapperswil.

ER: In Rapperswil steigen wir in den Bus, der uns in neun Minuten zum Baummuseum Enea bringt.

SIE: Gärten schaut man sich wohl eher im Sommer an, aber als wir durch die Allee schreiten, die zum Museum führt, wird mir klar: Die Natur ist einfach zu jeder Jahreszeit grandios. Kahle Äste greifen wie dürre Finger nach den Wolken, das Laub am Boden wird zum Teppich.

ER: Eigentlich bevorzuge ich einheimische Pflanzen, weil sie auch für die Tierwelt von Nutzen sind. Hier wachsen viele von weit her gereiste Bäume. Aber ökologischer Nutzen hin oder her: Dieser Schaugarten begeistert mich!

SIE: Eine Eibenhecke geschnitten wie Wellen, eine blaue Gartenbank vor einer Steinmauer und daneben ein knorriger Stamm. Mit jedem Schritt verändert sich der Blick.

ER: Was mir besonders gefällt, sind zwei Hasen aus Bronze, wo der eine, wie im Zirkus die Akrobaten, auf den Händen des anderen den Handstand macht. Hat nichts mit Bäumen zu tun, aber mit Kunst.

ER: im Baummuseum mit (Glücks-)Pilzen in Rapperswil.

ER: im Baummuseum mit (Glücks-)Pilzen in Rapperswil.
http://www.coopzeitung.ch/Unterwegs+im+Voralpenexpress ER: im Baummuseum mit (Glücks-)Pilzen in Rapperswil.

SIE: Ich dirigiere Schneider zu einer Gruppe überdimensionierter, bunt schimmernder Pilze und fotografiere ihn. Gewissermassen um festzuhalten, dass er ein Glückspilz ist. Schliesslich hat er mich. Apropos Kunst: Als Nächstes legen wir einen Stopp im Kunsthaus Rapperswil ein, das hier Kunst(zeug)-haus heisst.

ER: Welch gelungener Umbau!

SIE: Was ist ein Zeughaus genau?

ER: Da wurde das Militärzeug gehortet: Von der Wintermütze bis zur Feldküche, einfach alles, was eine Armee braucht.

SIE: im Kunstzeughaus in Rapperswil.

SIE: im Kunstzeughaus in Rapperswil.
http://www.coopzeitung.ch/Unterwegs+im+Voralpenexpress SIE: im Kunstzeughaus in Rapperswil.

SIE: Ich finds besser, dass nun kein Kriegsmaterial mehr hier drin lagert, sondern Schweizer Kunst. Und dazu noch gute.

ER: Unglaublich, was dieses Ehepaar Peter und Elisabeth Bosshard alles gesammelt hat! Die hatten ja gar keine Zeit mehr, um zu arbeiten.

SIE: Die sind bestimmt ein starkes Team. In diesem Punkt sind wir vielleicht ein bisschen wie sie.

ER: Warum? Du findest doch, dass ich nichts von Kunst verstehe.

SIE: Ich meine, dass sie ihre Leidenschaft teilen und daraus Kraft schöpfen. Sie sammeln, wir schreiben. Das war jetzt übrigens eine Liebeserklärung an dich.

St. Gallen

  • Ab 1945 unter Mithilfe von Schülern aufgebauter Botanischer Garten mit 8000 Pflanzen.
  • Der Wildpark Peter und Paul feiert 2017 sein 125-jähriges Bestehen.
  • Lichtensteig
  • Typisch Schweiz: In Lichtensteig kann man sich im Fabrikladen durch das Kägi-fret-Sortiment degustieren.

Rapperswil

  • Schloss und Hirschpark mit über einem Dutzend Damhirschen zur Erinnerung an die Stadtgründung. 
  • Schiffsfahrt auf dem winterlichen Zürichsee: täglich ab 15.30 Uhr Kursschiff nach Zürich.
     

Wildhaus

  • Zweistündige Schnupperkurse auf dem Curling-Rink ab 8 Personen.

Unsere Kolumnisten Sybil Schreiber und Steven Schneider sind unterwegs in der Schweiz. Sie folgen der Grand Train Tour und berichten einmal im Monat über Bekanntes und Unbekanntes. Heute: Folge 4 von St. Gallen nach Rapperswil.

Links zur dritten Etappe

Stiftsbibliothek St. Gallen
Lichtensteig
Voralpen-Express
Erlebniswelt Toggenburg
Baummuseum Rapperswil-Jona
Kunstzeughaus Rapperswil-Jona
Die ganze Grand Train Tour of Switzerland
Tickets für die Grand Train Tour
Portal zu allen weiteren touristischen Infos

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Sybil Schreiber und Steven Schneider
Veröffentlicht:
Montag 26.12.2016, 16:00 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Susi antwortet vor zwei Tagen
Schreiber vs. Schneider: Du?
Ein wunderbarer Beitrag - ganz ... 
Sybil Schreiber antwortet vor 2 Monaten
Schreiber vs. Schneider: Der WM-Sommer
gell, das wäre was! Jetzt hat ... 
Dipl.-Ing. Norbert Derksen antwortet vor 2 Monaten
Die Welt verändern
«Erlaubte Höchstgeschwindigkei ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?