Vaters Erbe

Er: Für mich ist es nicht immer einfach in den Sommerferien. Denn Schreibers Vater muss ein Profi gewesen sein im Aufstöbern der  schönsten Badeplätze des Mittelmeers, und das erst noch ganz exklusiv für seine Familie. So jedenfalls scheint es mir, wenn sich Schreiber seufzend an ihre Kindheit erinnert: «Mit Papi waren wir immer in den schönsten einsamen Buchten.»

 
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Schreiber behauptet, dass sie von mir nicht verlange, in die riesigen Fussstapfen ihres Vaters zu treten. Darüber bin ich froh. Ich gehe nämlich gar nicht so gern ans Meer: dieser Sand überall und dieses viele Salz … Dafür bildet Schreiber sich ein, in dieser Angelegenheit genauso talentiert zu sein wie ihr Vater. Deshalb fahren wir jetzt über die Küstenstrasse der Halbinsel Argentera, wo es, so hat Schreiber irgendwo gelesen, herrliche, menschenleere Badebuchten geben soll. Wenn man das, so denke ich, irgendwo lesen kann, haben das bestimmt auch drei Millionen andere Menschen gelesen. Aber das lässt Schreiber nicht gelten, genauso wenig, dass jetzt Mittag ist und die Sonne mörderisch vom Himmel brennt, als sie weit unten eine Bucht ausmacht, aufjuckt und voller Begeisterung sagt: «Anhalten! Die ist es!»

«

Dieser Sand überall und dieses viele Salz …»

Nützt es, Wertsachen zu Hause kreativ zu verstecken? Weil Diebe ja überall suchen. Oder nützt es doch nichts, denn Profis sind ihren Opfern eh immer eine Nasenlänge voraus. Wer hat die besseren Argumente? Stimmen Sie unter neben stehendem Link ab.

Sie: Der Abstieg war lang und steil, das gebe ich zu, und was von oben leider nicht auszumachen war, ist, dass bereits zweihundert Italiener in dieser idyllischen Bucht liegen. «So viel zum Geheimtipp», brummt Schneider, dem Sturzbäche von Schweiss vom Kopf rauschen. «Immerhin sind wir die einzigen Touristen», antworte ich, während die Kinder ihre Taucherbrillen aufsetzen und sich ins türkisblaue Wasser stürzen, um zu schnorcheln. Toll!

«

Schneider leidet –und mosert herum.»

Wie wir damals! Mein Vater wäre stolz auf mich! «Willst du nicht hinein?», frage ich Schneider, der immer noch reglos dasteht. «Ich weiss jetzt, wie sich eine Bohne im Dampfkochtopf fühlt!» «Dann geh doch ins Wasser, das tut gut.» «Ich kann mich nicht bewegen in dieser Bruthitze. Wir sind auf dem Grund eines Kessels. Kein Wind! Gleich verdampft mein Blut!» Er leidet extra! Dass es heiss ist, weiss ich. Es ist ja Sommer, und wir sind in Italien ... «Und dieser Dreck. Überall liegt Abfall herum!», mosert Schneider und ergänzt: «Also hier bleiben wir nicht lange.» Ich seufze. Ich habe es eindeutig schwerer als mein Vater. Denn: Schöne Buchten zu entdecken, ist das eine. Aber ein dankbares Publikum dafür zu finden, ist offenbar noch viel schwieriger.

 (Coopzeitung Nr. 34/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 17.08.2015, 00:00 Uhr

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