Rückhalt in der Familie: Dass Verena Snowboarderin wurde, liegt an ihrem Vater Martin Rohrer.

Verena Rohrer: «Eigentlich ist mein Dad Schuld …»

2014 wurde sie Juniorenweltmeisterin und nahm an den Olympischen Winterspielen in Sotschi teil. Nun hat die Snowboarderin die WM im Visier.

Mit gerade einmal 18 Jahren gilt Verena Rohrer als eine der grossen Nachwuchshoffnungen in der Halfpipe. Dabei wird die sportlich und schulisch begabte Schwyzerin durch ihre Familie und viele Förderer unterstützt. Nachdem sie 2014 im italienischen Valmalenco Juniorenweltmeisterin wurde, möchte sie nun in der kommenden Woche auch bei den «Grossen» an der WM in Kreischberg (Österreich) mitmischen.

Was hat der Titelgewinn im vergangenen Jahr bei Ihnen verändert?
Nichts Weltbewegendes! Meine Umgebung behandelt mich noch genauso wie früher, und ich bin auch dieselbe geblieben. Ich habe einfach schöne Erinnerungen an jenen Tag und es fühlt sich cool an, sagen zu können: «Ich bin Weltmeisterin!»

Welcher Moment hat sich Ihnen besonders eingeprägt?
Zuoberst auf dem Treppchen zu stehen, war ein überwältigendes Gefühl. Vor allem, weil die Bedingungen schwierig waren und es nach der Qualifikation nicht nach einem Sieg ausgesehen hatte. Als dann zum ersten Mal überhaupt für mich die Schweizer Nationalhymne gespielt wurde, sind vor Glück und Dankbarkeit die Tränen geflossen.

Wie haben Sie den Titel gefeiert?
Wir gingen mit dem ganzen Team, das mich toll unterstützt hatte, fein essen. Danach musste ich gleich zum nächsten Training weiterreisen. Um Party zu machen, blieb da nicht viel Zeit.

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Der McTwist macht mir am meisten Spass. »

Nimmt das Dorf Notiz von Ihrer Leistung?
Ja, meine Mutter richtet mir oft Grüsse oder Glückwünsche aus. Und die Sportlerehrung an der 1.-August-Feier freut mich auch jeweils sehr.

In der Skihochburg Sattel sind Sie eher die Exotin. Wie kamen Sie zum Snowboard?
Eigentlich ist mein Dad schuld! (lacht) Ich fand Snowboarder früher doof, weil sie auf dem Hochstuckli, wo ich das Skifahren gelernt habe, immer den Schnee von der Piste rutschten. Als mein Dad mit dem Snöben begann, probierte ich es auch und fing sofort Feuer. Damals war ich zehn. Zwei Jahre später trat ich dann in den Snowboard-Club Schwyz ein.

Sind Sie mit den Skifahrerinnen, für die Sattel bekannt ist, in Kontakt?
Wenig. Sie sind älter als ich und trainieren an anderen Orten. Mit Nadia Styger habe ich öfter gesprochen, weil sie ein Fitness-Studio führt, in dem ich trainieren darf.

Bei jedem Wettbewerb dabei: Der Glückskäfer ist ein Geschenk der Familie.

Bei jedem Wettbewerb dabei: Der Glückskäfer ist ein Geschenk der Familie.
Bei jedem Wettbewerb dabei: Der Glückskäfer ist ein Geschenk der Familie.

Die Familie spielte offenbar eine wichtige Rolle auf Ihrem Weg zum Leistungssport?
Ja! Mein Bruder Jan, der beim FC Aegeri Fussball spielt und Basel-Fan ist, bekam ebenso wie ich immer die finanzielle und mentale Unterstützung, die wir brauchten. Die Eltern haben uns mit ihrer Sportbegeisterung angesteckt, aber es war nie ein Müssen. Wir durften viel ausprobieren: Leichtathletik, Klettern, Schlittschuhlaufen, Reiten, Golf …

Haben sich die Eltern nie Sorgen um Ihre berufliche Zukunft gemacht?
Nein, ich war immer eine recht gute Schülerin. Im Sportgymnasium Engelberg konnte ich sogar die 8. und 9. Klasse innerhalb eines Jahres machen.

War es für Sie schwierig, mit 14 Jahren auf ein Internat zu wechseln?
Als meine damalige Trainerin den Vorschlag machte, konnte ich es mir zuerst nicht vorstellen, aber dann hat sie mich überzeugt, in Engelberg wenigstens einmal zu schnuppern. Als es mir dort gefiel, zögerten meine Eltern noch. Einerseits fragten sie sich, ob es für mich nicht zu früh wäre, so lange von zu Hause weg zu sein. Während der Saison kann es schon mal vorkommen, dass ich zusätzlich mehrere Wochenenden weg bin. ZUnd dann war ich damals das einzige Mädchen dieser Sportart an der Schule … Schliesslich haben wir uns jedoch gemeinsam dafür entschieden und ich habe es nicht bereut.

Welche Ziele haben Sie neben dem Sport?
Ich habe eben meine Matura-Arbeit abgeschlossen und hoffe, die Prüfungen bis im Juni bestanden zu haben. Danach möchte ich in England das Sprachdiplom machen, das ich für die Ausbildung zur Lehrerin brauche. Die will ich an der Pädagogischen Hochschule Schwyz in Goldau machen, die offen ist für Teilzeitstudierende und Spitzensportlern ein spezielles Programm anbietet.

«Boards mit der für dich richtigen Krümmung zu finden ist nicht leicht.»

«Boards mit der für dich richtigen Krümmung zu finden ist nicht leicht.»
«Boards mit der für dich richtigen Krümmung zu finden ist nicht leicht.»

Sie bezeichnen sich selbst noch nicht als Snowboard-Profi. Was fehlt Ihnen dazu?
Ein Profi ist für mich jemand, der sich mit dem Snowboarden schon selbstständig finanzieren kann. Das ist bei mir noch nicht der Fall. Ich habe aber auch noch ein paar Jahre Zeit.

Halfpipe-Snowboarder wirken meistens total locker. Sind sie es auch?
Wir sind schon etwas entspannter als die Alpinen, aber manche tun auch nur so, weil es zum Image gehört! (lacht) Ich zum Beispiel bin immer mega nervös und meine Knie zittern. Ich will aber auch zeigen, was ich kann – wir betreiben ja Leistungssport.

Und welches ist Ihr Style?
Der ändert sich ständig. Ich beobachte, was in der Gruppe angesagt ist, versuche mir aber treu zu bleiben und nur anzuziehen, was mir gefällt. Momentan ziehe ich dunklere Farben vor und den Skinny-Look. Es gibt zwar immer noch Fahrer, die alles weit und die Hosen an den Knien unten tragen, aber mir ist diese engere Form lieber.

Welches ist Ihr Lieblingstrick?
Der McTwist, den ich im letzten Frühling gelernt habe. Das ist ein Frontflip (Vorwärtssalto, Anm. d. Red.) mit einer halben Drehung. Man darf dabei nicht die Orientierung verlieren und die Bewegungen müssen ineinanderfliessen. Ich beherrsche ihn noch nicht sehr gut, er macht mir aber Spass.

Wie gut müssen Sie da stürzen können?
Das ist sehr wichtig! (lacht) Es gibt kein Training ohne Sturz. Wenn man mit Verletzungen ausfällt, wird man nicht besser. Deshalb automatisieren wir das Abrollen im Sommer in der Akrobatik und beim Trampolinspringen.

Dennoch haben Sie sich schon Verletzungen zugezogen.
Den Fussbruch, wegen dem 2011 ich die Jugend-Olympiade verpasste, holte ich mir bei einer Kollision mit einem Skifahrer auf dem Weg ins Restaurant, bei der ich mich für unschuldig hielt. Diesen Sommer habe ich mir beim Wakeboarden das Kreuzband angerissen und meinen Miniskus kaputt gemacht, kam jedoch um eine Operation herum.

Stationen im Leben von Verena Rohrer


1996 Sie kommt am 8. April in Alosen/Oberägeri im Kanton Zug zur Welt.

2008 Im Snowboard-Club Schwyz nimmt sie das regelmässige Training auf.

2013 Erster Sieg an der World Snowboard Tour und Silber an der Junioren-WM.

2014 Olympiateilnehmerin, Juniorenweltmeisterin und Schweizermeisterin.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 05.01.2015, 15:00 Uhr

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