Philomena naomi Om-Chanti Cosma Ruben Rahel Anastasia Schwab, Game-Entwicklerin.

Verspielt: «Die Party musste bis zum nächsten Tag warten»

Philomena Schwab, Spiele-Entwicklerin aus Zürich, gehört laut «Forbes» zu den 30 besten Tech-Jungtalenten Europas.

Nach einem harten Arbeitstag hat mich diese Mail so richtig aufgestellt», blickt die Zürcher Spiele-Entwicklerin Philomena Schwab zurück. Die Erinnerung an den Tag, an dem sie jüngst von «Forbes» in die Liste der 30 besten Tech-Jungtalente in Europa aufgenommen worden war, zaubert immer noch ein halb stolzes, aber auch halb ungläubiges Lächeln auf ihr Gesicht. Kein Wunder: Wer vom renommierten amerikanischen Magazin ausgezeichnet wird, hat in seinem beruflichen Leben ziemlich viel richtig gemacht.

Wirklich abgezeichnet hatte sich das im Vorfeld nicht. Zwar informierte «Forbes», dass sie zu den Nominierten gehört – wie viele Konkurrenten zu diesem Zeitpunkt aber noch im Rennen waren, blieb offen. Umso grösser war die Freude, als die Nachricht die 27-jährige Schwamendingerin erreichte. Zu einer spontanen Feier kam es allerdings nicht mehr: «Es war schon nach 23 Uhr, alle haben bereits geschlafen.» So musste dieser Teil bis am nächsten Tag warten.

Die Auszeichnung ist der Lohn für die Entwicklung des Videospiels «Niche – A Genetics Survival Game», das als Bachelor-Arbeit im Studiengang Games Design an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) begann und jetzt in der eigenen Softwareschmiede mündete. Im Mittelpunkt steht die Biologie, eines der Lieblingsthemen der Schweizerin. Dabei geht es darum, das Überleben und die Entwicklung einer Population von knuddeligen Kreaturen mithilfe der Evolutionstheorie zu ermöglichen. Ziel ist es, die Gene durch gezielte Paarung, Emigration oder mithilfe von neuem Wissen zu optimieren und so die Eigenschaften der einzelnen Individuen zu verbessern beziehungsweise zu ergänzen. Es gilt dabei, Feinde abzuwehren und ökologische Nischen mit vielen genetisch unterschiedlichen Populationen zu besiedeln.

Dokumentarfilme als Inspiration

Diese sehr ungewöhnliche Spielthematik ist nicht zufällig. «Wir schauen uns sehr viele Dokumentarfilme an», erklärt Philomena Schwab, «daraus versuchen wir dann, spannende Games-Inhalte zu kreieren.»

In ihrem Fall war das spannend genug, um die «Forbes»-Redaktion zu überzeugen. Und auch das Entwickler-Mekka im amerikanischen Silicon Valley wurde auf die Zürcherin aufmerksam. Ein Job-Angebot von dort schlug sie aber sofort aus. «Ich möchte in der Schweiz bleiben und mein Games-Studio mit meinem tollen Team weiterentwickeln», begründet Schwab ihre Entscheidung, die wohl viele anders getroffen hätten.

Doch ihr Entscheid passt zur Lebenseinstellung Schwabs und zu ihren Projekten. Vieles bei ihr dreht sich um das Weiterbringen einer Gemeinschaft. In diesem Fall die Schweizer Entwicklerszene, die international gesehen bis auf wenige Ausnahmen noch keine grosse Rolle spielt. Das soll sich ändern. Die Zürcherin organisiert Events, an denen sich die Entwickler persönlich treffen und sich austauschen können. Zudem kümmert sie sich als Vorstandsmitglied des Schweizer Spielentwickler-Verbandes SGDA (Swiss Game Developers Association) um die Belange der Branche. Dienstreisen sind dabei an der Tagesordnung.

Fürs Zocken am Bildschirm bleibt bei so vielen Tätigkeiten nicht viel Zeit übrig. «Manchmal mache ich das schon noch», sagt Schwab schmunzelnd, «ich tarne das dann jedoch als Recherche.» Bei ihrem vollen Zeitplan ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass es derzeit keinen Partner an ihrer Seite gibt. Und längerfristig – kann sie sich vorstellen, eine Familie zu haben? «Zurzeit ist das wie gesagt noch kein Thema», so Schwab, «erst wenn ich mit meinem Studio eine Familie ernähren könnte, kommt das infrage.» Bis zu ihrem 30. Geburtstag, so der Plan, soll das Studio aber ein regelmässiges Einkommen generieren, das für eine Familie reichen sollte.

Luxus braucht sie nicht, in ihrem Leben spielen Statussymbole keine Rolle. Eine Wohnung oder das Büro direkt am See bringen für sie keinen Mehrwert gegenüber bescheidenen Räumen in der Stadt. Viel wichtiger ist ihr, dass sie das verwirklichen kann, was ihr Spass macht. «Wenn ich für eine Familie einen normalen Bürojob annehmen müsste, würde ich es mir wohl zweimal überlegen.» Keine Frage: An erster Stelle steht bei Schwab die berufliche Erfüllung.

Sagenhaft langer Vorname

Dabei möchte sie dem Indie-Genre treu bleiben. Also an kleineren Produktionen mitwirken, bei denen sie unabhängig von anderen Firmen arbeiten kann. «Je weniger Leute an einem Game arbeiten, desto mehr spürt man die Seele darin», begründet sie ihre Vorliebe für die kleinen, aber feinen Produktionen.

Nicht klein hingegen ist ihr voller Name, der sage und schreibe sieben Vornamen beinhaltet: Philomena Naomi Om-Chanti Cosma Ruben Rahel Anastasia. «Alle in der Familie wollten sich dabei ein bisschen einbringen», so Schwab lachend, «und am Ende kam eben das dabei heraus.»

 

Das sind meine Lieblingsgames

«Animal Crossing»: Gleiche Zeit und Saison wie im echten Leben – einfach genial.

«Creatures»: Man kann sich die digitalen «Gehirne» der Kreaturen ansehen – kreativ.

«Don’t Starve»: Mein Favorit unter den Survival Games – Unterhaltung ohne Ende.

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