«Ich würde mich dem Wahlvolk nie zumuten». Politiker zu werden ist für Viktor Giacobbo keine Option.

Viktor Giacobbo: «Ich bin ein sehr Süsser»

Kabarettist und Entertainer Viktor Giacobbo (66) redet über tierische Vorlieben, gibt Einblick in seinen Kühlschrank und stellt klar, wie man seinen Namen wirklich ausspricht.

Als Basisdemokraten lassen wir Sie entscheiden, über welche drei Themen Sie mit uns sprechen werden. Zur Auswahl stehen «tierisch», «eidgenössisch», «kulinarisch», «freudig» und «verrockt».
Dann nehmen wir doch «tierisch», «kulinarisch» und «verrockt» …

… wobei zu ergänzen ist, dass wir bei «freudig» auch über Paartherapien reden würden – also das, was Sie seit 5. April mit Mike Müller auf der Bühne durchmachen. So gesehen wäre es wohl sinnvoll, «verrockt» durch «freudig» zu ersetzen.
Den finde ich gut. (Lacht.) Sie lassen mich zuerst wählen, um mir dann zu sagen, über was Sie lieber reden wollen. Dann stellen Sie doch gleich Ihre Fragen, die Ihnen am besten passen!

Haben Sie ein Haustier?
Ich hatte zwei Katzen. Nun wohne ich an einem Ort, der nicht katzengerecht ist. Also lassen wir es bleiben. Ich bin ein tierisch grosser Tierfreund und engagiere mich bei der Paneco-Stiftung, die sich für die Auswilderung von Orang Utans in Sumatra einsetzt und verhindern will, dass auch noch der letzte Regenwald dem Palm­öl geopfert wird.

Lesen Sie hier die lange Fassung des Interviews

Viktor Giacooooobbo - so spricht man ihn richtig aus - hat zu jedem Thema tierisch viel zu erzählen.

Viktor Giacooooobbo - so spricht man ihn richtig aus - hat zu jedem Thema tierisch viel zu erzählen.
http://www.coopzeitung.ch/Viktor+Giacobbo_+_Ich+bin+ein+sehr+Suesser_ Viktor Giacooooobbo - so spricht man ihn richtig aus - hat zu jedem Thema tierisch viel zu erzählen.

Waren Sie schon dort?
Ja, und diesen Sommer möchte ich zur dortigen Quarantäne-Station zurückkehren. Solche Stationen sehen teilweise wie Kinderspitäler aus. Es bricht einem das Herz, wenn man all die jungen Affenwaisen sieht. Ihre Mütter werden erschossen, weil sie sich dagegen wehren, dass ihr Wohnraum auf den Bäumen abgeholzt wird. Die Stiftung hat nun ein riesiges Stück Urwald gekauft, der nicht abgeholzt werden darf. In diesem Orang Utan Haven, wie wir ihn nennen, wachsen die Tiere geschützt auf.

Hat ein Orang Utan Humor?
Ich glaube ja, auch wenn seine intellektuellen Fähigkeiten sicher nicht so ausgeprägt sind wie bei uns Menschen. Die meisten Tiere sind ja verspielt, wenn sie noch jung sind. Ohne dieses Verspielte ist Humor nicht möglich. Humorlose Menschen haben nie gespielt. Die waren auch als Kinder nie richtige Kindsköpfe. Als Komiker musst du auch im hohen Alter noch ein richtiger Kindskopf sein.

Wenn Sie als Tier wiedergeboren würden, dann als welches?
Ich wäre gerne eine wohlgenährte Hauskatze bei einem lieben Menschen. Katzen sind die einzigen Haustiere, die ganz alleine bestimmen, ob sie dort leben wollen oder nicht. Sie sind die Chefs, nicht ihre Besitzer. Diese machen ja alles, um die Gunst ihrer Katze zu erwerben. Sie knien sich hin, kraulen und verwöhnen sie. Doch wenn es ihr gerade nicht passt, schmiert sie ihnen eine.

Wäre es nicht auch reizvoll, ein Faultier zu sein?
Ja, wobei das Faulsein auch anstrengend sein kann. Man muss es organisieren, dann verträgt es sich mit dem, was man sonst noch tut. Am Morgen gehe ich es immer ganz langsam an. Kaffee trinken, gemütlich News lesen … was leider nicht immer geht. So wie heute Morgen. Bereits um neun Uhr musste ich hier sein, was eine Unverschämtheit ist. Das späte Aufstehen kann ich mir deshalb leisten, weil ich oft bis tief in die Nacht arbeite.

«

Humorlose Menschen waren auch als Kind nie richtige Kindsköpfe.»

Viktor Giacobbo, 66

Sind Sie ein Angsthase?
Nein, gar nicht. Angst habe ich höchstens vor Naturkatastrophen, Krankheiten und dass es morgens für den Cappuccino keine Milch mehr im Kühlschrank hat. Das wäre eine Katastrophe für mich.

Das passt zum nächsten Thema: «kulinarisch». Wie sieht Ihr Kühlschrank aus?
Nebst der Milch braucht es Nature- jogurt, Ahornsirup fürs Müesli, Gin für Gin Tonic, Weisswein und Bier. Der Kühlschrank von Mike Müller ist da um einiges üppiger ausgestattet.

Sind Sie ein Süsser?
Ja, sogar ein sehr Süsser. Ich komme kaum an einer guten Bäckerei vorbei, ohne dass ich dort irgendeine süsse Schweinerei kaufe. Im Restaurant des Casino-Theaters erlaube ich mir als Verwaltungsratspräsident, immer von den selbst gemachten Läckerli oder den Guetzli an der Theke zu naschen, die es sonst für die Gäste zum Kaffi gibt. Ich weiss, dass ich damit eine klare Grenze überschreite. Ich kann aber nicht anders.

Stehen Sie mit Ihren italienischen Wurzeln auch auf die dortigen extrem süssen Schleckereien?
Ja, aber das hat nichts mit meinen Wurzeln zu tun. Auch wenn es cool klingen würde, wenn ich jetzt auf meine mediterrane Herkunft hinweise. Schon mein Vater wurde in der Schweiz geboren. Der Name ist längst eingeschweizert worden. Viel Italienisches steckt nicht mehr in mir, ausser dass ich gerne nach Italien reise und dort viele Menschen kenne. Umso mehr bin ich entsetzt, dass das Land politisch so vor die Hunde geht.

Giacobbo ist eingeschweizert worden – wie das?
Man muss es Giacobbo aussprechen – mit der Betonung auf dem ersten o …

… also phonetisch Giacoooobbo.
Genau. Darum schreiben es die meisten Leute auch falsch, weil wir es falsch aussprechen.

«

Persönlich verstehen wir uns gut, aber sonst hat er sich verrannt.»

Viktor Giacobbo über Berufskollege Andreas Thiel

Ihr Vater war Metzger.
Er träumte vom eigenen Geschäft, blieb aber lebenslang angestellt. Am Ende war er Filialleiter bei Bell. Der Geruch einer Metzgerei erinnert mich an meine Kindheit. Meine Mutter war Kleiderverkäuferin. Ich war ein typisches Schlüsselkind und konnte ein- und ausgehen, wann ich wollte. So wurde ich früh selbstständig.

Reden wir noch über «freudig».
Genau, wie ich es gewünscht habe!

2017 hörten Sie freudig nach neun Jahren mit der SRF-Show «Giacobbo/Müller» auf. Wann kamen die ersten Entzugserscheinungen?
Nie, weder im richtigen Leben noch in unserem Theaterstück. Wir behaupten darin, unsere Therapeuten hätten gesagt, wir müssten diese Therapie machen, um das selbst initiierte Ende der Fernsehsendung überwinden zu können. Das würde uns helfen, von den Fernsehzuschauern und der Fernsehdramaturgie wegzukommen und uns dafür der Bühne und dem Theaterpublikum wieder anzunähern.

Haben Sie den freiwilligen Verzicht auf die TV-Plattform nie bereut?
Nein, wir sind immer noch beide der Ansicht, dass es der richtige Zeitpunkt war. Wir machten unsere Late-Night-Show sehr gerne bis zur letzten Minute, freuten uns aber auch wieder auf andere Projekte. Obwohl wir schon vorher die unabhängigsten Fernsehmacher aller Zeiten waren, denn der Deal war, dass uns niemand reinreden darf.

Freudig wechseln immer mehr Aushängeschilder von SRF ins Bezahlfernsehen. Wie finden Sie diese Entwicklung?
Das hat es schon immer gegeben. Dass Roman Kilchsperger zu Teleclub wechselt, ist doch eine dick aufgebauschte Nach-No-Billag-Geschichte! Mit seiner erfolgreichsten Sendung, dem «Donnschtig-Jass», bleibt er dem SRF ja erhalten! Für mich ist er ein sehr guter Boulevard-Entertainer. Wie er allerdings die Frage stellen konnte, welches Model die grösste Oberweite habe, verstehe ich nicht. Ebenso wenig, dass die Redaktion sie ihm auch noch durchgehen liess. Das kannst du heute einfach nicht mehr machen! Es war ja auch nicht komisch. Man darf Regeln verletzen, aber dann muss es saulustig sein.

Viktor Giacobbo möchte selber nicht Politiker werden, hat aber höchsten Respekt vor ihnen: «Sie müssen huere viel Pflichtstoff bewältigen.»

Viktor Giacobbo möchte selber nicht Politiker werden, hat aber höchsten Respekt vor ihnen: «Sie müssen huere viel Pflichtstoff bewältigen.»
http://www.coopzeitung.ch/Viktor+Giacobbo_+_Ich+bin+ein+sehr+Suesser_ Viktor Giacobbo möchte selber nicht Politiker werden, hat aber höchsten Respekt vor ihnen: «Sie müssen huere viel Pflichtstoff bewältigen.»

Welches war Ihr lustigster Hänger?
Bei der Komödie «Achtung Schwiiz» gab es eine Szene, in der ich ganz nahe am Publikum sitzen musste. In einer ruhigen Passage bekam ich mit, wie ein Mann zu seiner Frau sagte: «Schau mal, er hat den Hosenschlitz offen.» Ich dachte: «Schwätzer.» Ich schaute an mir runter, und tatsächlich: Der Kerl hatte recht! Und dies, obwohl Mike und ich uns vor dem ersten Auftritt immer ansehen und an den Hosenschlitz tippen, um zu zeigen, dass wir ihn kontrolliert haben.

Wie haben Sie reagiert?
Ich überspielte es, musste aber fast heraus­lachen, was die Konzentration aufs Wesentliche natürlich stark erschwerte. Im Dialog mit meiner Bühnenpartnerin musste ich immer daran denken, wie ich ihr nachher davon erzählen würde.

Das klingt fast schon nach #MeToo.
Man kommt sich beim Spielen schon sehr nahe und macht die dümmsten Witze. Und zwar nicht nur die Männer gegenüber den Frauen, sondern auch umgekehrt. Aber: Bei uns gibt es kein Machtgefälle. Das habe ich auch schon anders erzählt bekommen: Wie Intendanten oder Regisseure ihre Machtposition gegenüber Frauen gnadenlos ausgenutzt haben. Die Namen sind in der Branche bekannt. Dabei ging es nicht nur um sexuelle Übergriffe, sondern oft um pure Demütigung.

In den USA, Italien und Island haben Komiker die Wahlen gewonnen. Viele nähmen freudig zur Kenntnis, wenn auch Sie kandidieren würden.
Das würde ich mir selber und dem Wahlvolk nie zumuten! Ich bin nicht konkordanzfähig, zudem respektiere ich die Arbeit der Politiker, obwohl ich nicht im­mer mit ihnen einig bin. Ich zähle nicht zu den Satirikern, die alle Politiker dumm und korrupt finden. Sie müssen huere viel Pflichtstoff bewältigen.

Wäre Politiker nicht ein Job für den arbeitslosen Satiriker Andreas Thiel?
Da warte ich drauf, dass er mal eine SVP-Liste ziert … Persönlich verstehen wir uns gut, aber sonst hat er sich verrannt.

Finden Sie es richtig, dass er keine Auftritte mehr bekommt?
Einerseits hat eine spiessige, alternative Theaterszene einem seiner Kritiker nachgeplappert, er sei ein Rassist. Andi ist wirklich vieles: ein Rechter, ein Libertärer, aber ein Rassist ist er sicher nicht. Sein Problem als Satiriker ist, dass man ihn nicht mehr als Komiker, sondern als verbissenen Politiker wahrnimmt. Schade! Das ist wie mit Roger Köppel. Der war früher einmal ein interessanter Journalist, jetzt ist er nur noch ein Parteifunktionär.

Spielplan für das Casinotheater Winterthur

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Text:
Andreas W. Schmid und Reinhold Hönle
Foto:
Lea Hepp
Veröffentlicht:
Montag 09.04.2018, 15:47 Uhr

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