ER: beim Bahnhof Sachseln am Sarnersee.

Visionen

Schreiber tut sich schwer mit zwei Schweizer Eigenheiten: Mundart und Schiessen. Aber Bruder Klaus soll sogar von einem deutschen Bundeskanzler verehrt worden sein.

ER und SIE: im Bourbaki-Panorama in Luzern.

ER und SIE: im Bourbaki-Panorama in Luzern.
http://www.coopzeitung.ch/Visionen ER und SIE: im Bourbaki-Panorama in Luzern.

SIE: Schau mal, da auf dem Bahnhofsschild steht Horw. Horwwww? Das kann man ja gar nicht aussprechen.

ER: Deshalb sagt man es auch nicht so.

SIE: Sondern?

ER: Horb. Man sagt Horb.

SIE: Aber am Schluss steht doch ein «w».

ER: Aber mit «w» ist es unaussprechbar. Hast du selber gesagt. Mit «b» klingt es gut.

SIE: Schweizer sind schon besonders ...


ER: Zugegeben, unsere Mundart ist vielfältig und ungewöhnlich. So kürzt ZB auch nicht nur «Zum Beispiel» ab, sondern auch «Zentralbahn», in der wir gerade sitzen. Dass die Schweiz besonders ist, haben wir überdies am Morgen erlebt: im Bourbaki-Panorama in Luzern. Das dreidimensionale, 112 Meter lange Rundbild erinnert an die erste und grösste Handlung unseres Landes in Sachen Menschlichkeit. 87 000 französische Soldaten fanden damals im kalten Januar 1871 schnell und unbürokratisch Asyl in der Schweiz.

SIE: Ein Besuch im Bourbaki-Panorama müsste für alle im Lande Pflicht sein. Denn auf die damalige Hilfsaktion darf die Schweiz stolz sein. Toll auch, wie das Museumsteam die Geschichte lebendig macht: Mittels elektronischem Tablet tritt man in Kontakt mit den Figuren von damals. Spannend, kurzweilig und wunderbar berührend.

ER: Bei Alpnachstad fahren wir an der Talstation der steilsten Zahnradbahn der Welt vorbei. Sie ist dem genialen Ingenieur Eduard Locher zu verdanken. Er zog engere Kurven, verschmälerte die Spur und schaffte es 1889, auf rund 4 Kilometern Länge mit einer Steigung von bis zu 48 Prozent die Bahn auf den Pilatus zu führen. Visionär!

SIE: Wir sind weiteren Wundern auf der Spur und besuchen in Sarnen die Kirche des Frauenklosters. Dort steht das grün gekleidete Sarner Jesuskind, erschaffen im 14. Jahrhundert, 50 Zentimeter hoch. Vor 400 Jahren veränderte das Jesuskind vor den Augen einer erkrankten Ordensfrau seine Gestalt: Seither ist ein Beinchen angewinkelt und eine Hand zum Herz gewandt.

ER: An der Klosterpforte kann man Bitten ans Jesuskindchen übergeben. Wir setzen uns auf eine Bank und schreiben einen Brief für Menschen, die wir lieb haben und die in stürmischen Zeiten leben.

SIE: Ich rolle das Papier zusammen, knote ein Bändelchen darum und bringe es zur Pforte. Vielleicht passiert ja ein Mirakel!

ER: sonnt sich auf der Bank des Wohnhauses von Bruder Klaus in Füeli-Ranft.

ER: sonnt sich auf der Bank des Wohnhauses von Bruder Klaus in Füeli-Ranft.
http://www.coopzeitung.ch/Visionen ER: sonnt sich auf der Bank des Wohnhauses von Bruder Klaus in Füeli-Ranft.

ER: Für Mysterien sind wir hier richtig, denke ich, als wir in den Bus nach Flüeli-Ranft steigen, der Heimat von Bruder Klaus. Die Schweiz feiert in diesem Jahr seinen 600. Geburtstag.

SIE: Im sonnengeschwärzten Haus haben er und seine Frau Dorothea mit ihren 10 Kindern gelebt, bevor er einige Hundert Meter unterhalb in die Einsiedelei ging. Warum liess ihn Dorothea ziehen? Aus Liebe? Weil sie seine Kraft als Heiliger ahnte?  

ER: In den Kapellen bei der Klause liegen Bücher auf. «Lieber Bruder Klaus, hilf mir bitte, die Gymi-Prüfung zu bestehen», beginnt ein Eintrag, ein anderer endet mit: «Lieber Bruder Klaus, danke, dass wir sorgenfrei leben dürfen.»

SIE: Was mich sehr beeindruckt ist, dass er und seine Frau stets Kontakt zueinander hatten, sie soll auch an seinem Sterbebett gewesen sein.

ER: Als er starb, soll er 19 Jahre lang gefastet und nur Wasser zu sich genommen haben.

SIE: Wusstest du, dass der erste deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, sein grosser Bewunderer war?

ER: Nein, aber dass 1940 eine leuchtende Hand am Himmel über Waldenburg in Baselland erschien, von der die Menschen glaubten, es sei die schützende Hand von Bruder Klaus. Man glaubte an ein Wunder und die Schweiz wurde vom Krieg verschont.

SIE: auf der Mörlialp, zeigt Richtung Tal und Sarnersee.

SIE: auf der Mörlialp, zeigt Richtung Tal und Sarnersee.
http://www.coopzeitung.ch/Visionen SIE: auf der Mörlialp, zeigt Richtung Tal und Sarnersee.

SIE: Während der Weiterfahrt Richtung Brünigpass reden wir über Liebe, Freiräume und Ideale. Als realen Höhenflug legen wir in Giswil einen Abstecher ein und tuckern mit dem Skibus auf die Mörlialp.  

ER: Bei unserem Ausflug kommen wir oben mit einer Familie aus Kleinteil ins Gespräch, einem Ort unten im Tal. «Kein Teil wie Kleinteil», sagen sie, und ich muss sagen, Obwalden trumpft mit grossartigen Kleinteilen auf, samt traumhafter Aussicht auf den Sarnersee.

SIE: Von himmlischen Höhen steigen wir nun hinab ins Innere eines Felsens. In Lungern steht der Brünig-Park auf unserem Programm: ein gigantisches Schiess-Sport-Zentrum tief im Berg.

ER: Instruktor Bat Vogler führt uns durch die Stollen. Doch nicht überall wird geschossen. In der International Fire Academy üben Tunnelfeuerwehren den Ernstfall. Bis 400 Grad heiss wird es an der Tunneldecke, während die Feuerwehrleute versuchen, Dummys aus den Autos zu ziehen.

SIE: Ganz schön gruselig, wenn ich mir so eine Übung vorstelle. Ganz schön lecker ist hingegen das Gourmet-Restaurant unter Tage, die Cantina Caverna. Und dass vielleicht eines Tages die Vision von einem unterirdischen Eishockeystadion Realität werden soll, gefällt mir besser als die Schiesserei.

ER: Im 50-Meter-Schiessstand trainieren grad die Geschwister Beyeler, beides Mitglieder der Nationalmannschaft. Ich bin sofort Feuer und Flamme, wie immer, wenn es um Spitzensport geht. Faszinierend, wie sie hoch konzentriert und regungslos zielen und ins Schwarze treffen! Etwas, das wir selber jetzt gleich im sogenannten Schiess-Kino üben dürfen.

SIE: Huch, das ist aber schwer, dieses Gewehr. Und damit soll ich jetzt auf diese bunten Ballons schiessen?

ER: Probiers mal. Ich glaube ja, dass es ein Wunder wäre, wenn du triffst.

SIE: Wenn du dich da mal nicht täuschst! Ich kann besser zielen, als dir lieb ist.

Luzern
Natur und Poesie im Gletschergarten.

Sachseln
Visionenweg von Flüeli nach Sachseln.

Giswil
Strophe für Strophe des «Schacherseppli» auf Naturwegen erleben.

Unsere Kolumnisten Sybil Schreiber und Steven Schneider sind unterwegs in der Schweiz. Sie folgen der Grand Train Tour und berichten einmal im Monat über Bekanntes und Unbekanntes.
Heute: Folge 7 von Luzern nach Giswil.

Links zur siebten Etappe

www.zentralbahn.ch
www.bourbaki-panorama.ch
www.gletschergarten.ch
www.pilatus.ch
obwalden-tourismus.ch
www.frauenkloster-sarnen.ch
www.sakrallandschaft-innerschweiz.ch
www.bruderklaus.ch
www.mehr-ranft.ch
www.giswil-tourismus.ch
www.schacherseppli.ch
www.bruenigpark.ch
www.cantina-caverna.ch
Die ganze Grand Train Tour of Switzerland
Tickets für die Grand Train Tour
Portal zu allen weiteren touristischen Infos

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Sybil Schreiber und Steven Schneider, Heiner H. Schmitt; Karte Loris Succo
Veröffentlicht:
Montag 03.04.2017, 10:00 Uhr

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