Andreas Gabalier, der «VolksRock’n’Roller»: «Egal, ob auf der Bühne oder beim Sport: Der Dampf muss raus!»

Voll Dampf! «Vor der Show noch einen Glühwein»

Andreas Gabalier gibt auf der Bühne gerne die Rampensau. Jetzt freut er sich aufs «SnowpenAir» und Skifahren auf der Kleinen Scheidegg.

Andreas Gabalier, was bedeutet es Ihnen, beim «SnowpenAir» auf der Kleinen Scheidegg vor der Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau aufzutreten?
Ich freue mich riesig darauf, weil es ganz etwas anderes ist als alle herkömmlichen Hallen- oder Stadion-Open-Air-Konzerte. Letztes Jahr spielten wir an der Winterparty in Seefeld/Tirol, wo den ganzen Tag eine wunderbare Stimmung herrschte, und an der Closing Party in Montafon. Die Bühne mitten im Schnee und das traumhafte Wetter lockten 20’000 Besucher an, was die Lifte an ihre Kapazitätsgrenzen brachte.

Sind Winter-Open-Airs für Sie eine besondere Herausforderung?
Wenn es kalt ist, ist es ein Schmarrn, weil die Finger beim Gitarrenspielen mit der Zeit steif werden. Deshalb muss ich vor der Show einen Glühwein mehr trinken, damit sie gut durchblutet sind! (Lacht.)

Nutzen Sie diese Konzerte, um Wintersport zu betreiben?
Ja, die Skier sind immer in meinem Auto. Letztes Jahr stand ich mindestens 40 Mal auf den Brettln.

Hätten Sie das Zeug zum Schrecken der Schweizer Skination gehabt?
Da hätte ich dieses Hobby noch intensiver ausüben müssen. Meine Cousine fuhr zusammen mit Anna Fenninger im österreichischen Kader. Mit 18 hängte sie jedoch das wettkampfmässige Skifahren an den Nagel, um die Schule fertig machen und Jura studieren zu können. Der Aufwand im Rennsport ist enorm.

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Ich musizierte als Schüler mit der Gitarre, wenn ich keine Lust aufs Lernen hatte.»

Stand die Musik bei Ihnen immer an erster Stelle?
Nein, gar nicht! Schule und Uni waren ihn meiner Jugend wichtiger. Die Musik steht es erst seit sieben Jahren im Vordergrund. Vorher war sie ein ganz kleiner Begleiter, weil jedes von uns Kindern ein Instrument lernen musste. Mit 14 gab ich das Klavierspielen auf und kaufte mir eine Gitarre. Nur so zum Spass. Es war nie mein Ziel, auf einer Bühne zu stehen. Ich musizierte, wenn ich keine Lust zu lernen hatte oder sang um Mitternacht für einen Freund, der Geburtstag hatte, zwei, drei Lieder.

Ihr Vater und Ihre Schwester haben sich das Leben genommen. Welche Rolle spielte die Musik bei der Verarbeitung dieser Schicksalsschläge?
Die Lebensfreude, die ich beim Musizieren wieder tanken konnte, der Trost, den Lieder wie «Amoi seg’ ma uns wieder» spenden, und der Erfolg haben mir geholfen. Ich spürte, dass das Leben eine neue Aufgabe für mich bereit hat. Und so, wie sich das Ganze in letzter Zeit entwickelte, bin ich auf dem richtigen Weg.

Haben Sie von Anfang an sich geglaubt?
Nein, das waren zuerst Leute in meinem Umkreis. Meine ganze Verwandtschaft kannte mein Lied «So liab hob i di», das ich für meine verflossene Freundin geschrieben hatte, und drängte mich, es im Radio zu präsentieren.

Danach ging es mit Ihrem ersten Album ganz schnell. Wie war das möglich?
«Da komm’ ich her» besteht ausschliesslich aus vertonten Gedichten, die ich während meines Militärdienstes im Bundesheer geschrieben habe. Dort mussten wir den ganzen Tag die grüne Grenze zu Ungarn und Tschechien beobachten. Das liess viel Zeit für Kreativität. Ich hatte immer eine schwarze Ledermappe für meine Texte und Zeichnungen bei mir.

Im Interview wirken Sie völlig ruhig, fast brav. Dagegen sind Sie auf der Bühne eine veritable Rampensau. Lieben Sie die Extreme?
Egal, ob auf der Bühne oder beim Sport: Der Dampf muss raus, und wenn der einmal abgelassen ist, kann ich die restlichen 22 Stunden mit einem Ruhepuls von 40 durchs den Tag gehen. Ich bin tatsächlich sehr entspannt, zufrieden und ausgeglichen. Deshalb putsche ich mich vor der Show mit guter alter Rockmusik von Tina Turner oder AC/DC und einer gehörigen Portion Liegestützen auf. Danach dusche ich, nehme noch ein, zwei kleine kühle Bierchen mit der Band und gehe dann hochmotiviert auf die Bühne.

Nervosität kennen Sie überhaupt nicht?
Ich nenne es Vorfreude. Das Adrenalin, das durch meinen Körper fliesst und mir das Gefühl gibt, ungeduldig auf den Moment zu warten, endlich von den Ketten gelassen zu werden.

Wie schwierig ist es, später wieder herunter zu kommen?
Wenn man auf einer Hallentour ist und drei Abende hintereinander aufgetreten ist, sehne ich mich nach dem Hotelbett, weil ich kaputt bin. Bei Highlights wie letztes Jahr im Münchner Olympiastadion reisten zwei Busse mit Freunden und Bekannten von daheim an. Da gab es eine tolle Aftershowparty im Fernsehturm - von Mitternacht bis sechs Uhr morgens. 70‘000 Konzertbesucher, das musste gebührend gefeiert werden!

Wie gross war der Unterschied zwischen diesem Konzert und dem für Ihre aktuelle CD aufgezeichneten «MTV Unplugged» mit 200 Zuhörern?
Riesig! Wir haben alle Lieder umarrangiert, manche wegen dem Orchester in anderen Tonarten gespielt und neue Akkorde eingebaut. Das erforderte selbst bei Songs, die ich quasi blind spielen konnte, viel Denkarbeit. Da war auch etwas Nervosität mit im Spiel, weil ich mir nicht die Blösse geben wollte, aufs Klavier- oder Gitarrespielen zu verzichten. Plötzlich stand meine über die Jahre aufgebaute Selbstsicherheit auf wackligen Beinen. Der intime Rahmen war jedoch ein Hochgenuss. So machen wir nun um Ostern eine kleine «MTV Unplugged»-Tour, um den Fans dieses Erlebnis in ein paar weiteren schönen Konzerthäusern zu bieten.

Apropos Intimität. Wo setzen Sie im Kontakt mit den Fans die Grenzen?
Die Bühnenkante liegt hoch genug, mittlerweile bei vier Metern! (Lacht.) Ich bemühe mich dafür, den Kontakt via Facebook zu pflegen. Auf den Flughäfen lese ich oft Fanpost und gebe die eine oder andere Antwort. Natürlich ist es nicht in jedem Fall möglich.

Auf welche Art drücken Ihnen die Fans sonst noch Ihre Zuneigung aus?
Es warten immer eine Menge Hasen in den Hotelfoyers. Ich bekomme herzzerreissende Briefe mit Fotos von kleinen Kindern, die in Dirndlkleid oder Lederhose auf einen Traktor gesetzt werden, oder von Altenheimbewohnern, die sich im Fasching alle als Andreas Gabalier verkleidet haben.

Ist es in Sachen Eifersucht von Vorteil, dass Ihre Freundin Silvia Schneider als TV-Moderatorin Verständnis für den Rummel um Ihre Person hat?
Ja, das passt.

Können Sie noch ein normales Leben führen?
Wenn ich nach Hause komme, bin ich nicht der Superstar. Da bin ich einfach der Andi. Ich sauge mein Haus durch, wasche die Wäsche, hänge meine Unterhosen auf und meine Nachbarin brät ein Schnitzel für mich. Drei alten Freunde wohnen direkt neben mir. Wenn einer von uns im Garten grillt, setzen sich die anderen dazu, oder wir tragen den Fernseher hinaus und schauen zusammen Fussball. Gerne gehe ich auch in meine Stammbeisl, die ein Motorradfreund gleich um die Ecke führt, und esse bei ihm Käsekreiner oder eine Eierspeis.

Sie haben weder eine Villa noch einen Supersportwagen?
Nein, ich liebe meine beiden Motorräder, eine BMW 1200R und eine umgebaute Ducati. Das ist meine Leidenschaft, aber sonst ist alles normal.

Die Nachrichten werden von Themen wie Krieg, Terror, Klimawandel und Flüchtlingselend dominiert. Macht Ihnen das Angst?
Es fällt schon schwer, mit Optimismus in die Zukunft zu blicken. Traurig empfinde ich auch die Spaltung im eigenen Land. Die Politiker geben den Ton vor. Der Respekt vor dem Leben, vor dem anderen, lässt zu wünschen übrig. Wie in den sozialen Netzwerken anonym und respektlos auf alles eingehackt wird, was nicht dem eigenen Geschmack entspricht, ist traurig.

Manche scheinen auch Sie zu hassen ...
Nicht die Leute draussen im Volk. Es sind nur ein paar Medienschaffende, die nichts mit meiner Musik anfangen können, und Leute aus der Musikszene, die selbst nicht vom Erfolg verwöhnt wurden, die gegen mich schiessen. Die sind mir jedoch ziemlich wurscht. Auf der anderen Seite stehen 600‘000 zahlende Konzertbesucher, denen wir viel Freude bereiteten. Einen solchen Erfolg kann man nur haben, wenn man polarisiert oder emotional berührt.

Manche Leute kennen vielleicht nur Ihr Image ...
... oder ein Lied aus dem Fernsehen, wenn’s hoch kommt. Andere stört es, dass ich keine politischen Stellungnahmen abgebe. Weil ich mich nicht – wie die meisten anderen Künstler – für die Linken stark mache, werde ich ins rechte Eck gestellt. Dabei will ich das Volk einfach nicht bevormunden. Jeder, der wählen geht, weiss genau, wo er sein Kreuz macht.

Sie bezeichnen sich als VolksRock’n‘Roller. Wie kam es dazu?
Die ersten zwei Jahre wurde ich in den Zeitungen Schlagerstar, Austropopper oder Volksmusikant genannt. All diese Bezeichnungen nervten mich, da nichts davon auf mich zutraf. Ich suchte einen Überbegriff, der zu meiner Marke werden konnte. Weil die Mädels an meinen Konzerten schon damals – wie bei Elvis – reihenweise in Ohnmacht fielen und ich wirklich rockige und traditionelle Elemente zeitgemäss verpacke, fand ich VolksRock’n’Roller ein geiles Wort.

Haben Sie diesen Begriff tatsächlich schützen lassen?
Ja, das war zwingend notwendig, sonst macht es jemand anders und verklagt uns wegen Diebstahl geistigen Eigentums, wenn ich ihn auf Fanartikeln verwende. Momentan haben wir ein Problem mit «Mountain Man», das wir in der Schweiz nur beschränkt schützen konnten. Offenbar gab es bei euch irgendwann einen Berglauf, von dem ich nichts wusste.

Wie gut kennen Sie Ihr Schweizer Pendant Trauffer, das ebenfalls am «SnowpenAir» auftreten wird?
Wir hatten ihn letztes Jahr bei unseren Schweizer Konzerten im Vorprogramm. Ein lieber Kerl, super Typ, coole Sache, aber in Österreich nicht wirklich ein Hit.

Trauen Sie ihm den internationalen Durchbruch noch zu?
Ich würde es ihm gönnen. Neid kenne ich nicht. Was ich selber erleben darf, wünsche ich anderen auch. Doch da ist das Problem mit seinem Dialekt…

Andreas Gabalier (32) ist innert sieben Jahren von der «Musikantenstadl»-Entdeckung zum erfolgreichsten österreichischen Musiker im deutschsprachigen Raum avanciert. Die Mischung aus Volksmusik und Rock’n’Roll, für die er den Begriff Volks-Rock’n’Roll prägte und als ehemaliger Jurastudent auch schützen liess, und seine leidenschaftlichen Live-Auftritte kommen nicht nur beim jüngeren Publikum sehr gut an.

Das liegt bestimmt an seiner offenen, bodenständigen Wesensart und dem Respekt, den es weckt, wie er seine schmerzliche Familiengeschichte verkraftet und verarbeitet hat. 2006 hatte sein Vater ohne erkennbaren Grund Selbstmord begangen, zwei Jahre später seine jüngere Schwester. Gabalier, der seit der Single «I sing a Liad für di» und der zweiten CD «Herzwerk» mit jedem Album Platz 1 der österreichischen Hitparade und Platin-Status erreicht hat, erklomm mit «Mountain Man» erstmals auch in Deutschland und der Schweiz die Spitze.

Der Grazer, der seit 2013 mit der österreichischen TV-Moderatorin Silvia Schneider liiert ist, tritt auf der «MTV Unplugged»-Tournee am 31.3. im Luzerner KKL (ausverkauft) sowie auf der «elektrischen» Tournee am 9.4. am Snowpenair in Lauterbrunnen-Scheidegg und am 17.6. Open-Air in Birrfeld AG auf.

www.andreas-gabalier.at

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