Voll geschlaucht

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Schneider: Die Benzinanzeige leuchtet orange. «Die Reserve reicht für 80 Kilometer», beruhige ich Schreiber auf dem Beifahrersitz.

«Wir sollten trotzdem möglichst bald tanken», sagt sie. An der nächsten Tankstelle fahre ich aber vorbei.

«He! Warum bist du nicht abgebogen?»

«Drei Rappen mehr pro Liter als an der
letzten.»

«Drei Rappen? Es wird viel teurer, wenn wir liegenbleiben.»

Sie und ihre Panik.

«

Hauptsache, Schreibers Sorge bleibt auf der Strecke.»

In Ordnung, nehme ich eben die nächste, egal welcher Preis, Hauptsache, Schreibers Sorge bleibt auf der Strecke. Ich setze den Blinker, die Anzeige haut mich um: fünf Rappen mehr! Wahnsinn! Ich stoppe links von der Tanksäule. «Unser Tank ist auf der anderen Seite», flüstert Schreiber. Stimmt! Habs vergessen, sag ich aber nicht, sondern: «Da drüben war aber kein Platz», dann steige ich aus, schiebe eine Fünfzigernote in den Automaten, greife nach dem Dieselstutzen und will das Auto umrunden.

Mist. Auf Höhe Rückschild blockiert der Schlauch. Zu kurz! Muss eine Lösung finden, sonst frisst der Automat das Geld womöglich einfach so!

Ich entscheide mich blitzschnell für den Weg übers Dach, greife nach dem schwarzen Schlauch, um diesen mit Schwung übers Auto zu wuchten – da rollt unser Bus weg!

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Schreiber:  Was für ein Murks! Erst bockt Schneider, fährt und fährt, die Warnmeldung meldet sich im Minutentakt, bloss weil er ein paar Rappen sparen will. Dann steuert er die falsche Seite der Tanksäule an und jetzt sehe ich im Rückspiegel, wie er vergeblich am Schlauch zerrt. Mir schwant Übles: Will der allen Ernstes den Schlauch über unser schönes Auto stemmen?

Gehts noch!

Der wird das Dach zerkratzen oder eindrücken oder Benzin drüberkippen oder alles miteinander. Dachseitig tanken! Statt einfach zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hat, macht er jetzt alles nur noch schlimmer!

«

Er hat gemerkt, dass meine Idee besser ist.»

Ich sehe den Schlüssel im Zündschloss. Muss sofort handeln, schnalle mich ab, hechte auf den Fahrersitz, starte den Motor und fahre los. Im Rückspiegel wird Schneider kleiner.

Ich wende sportlich und parke unseren Bus präzise vor Schneider in der Gegenrichtung, sodass diesmal der Tank auf der richtigen Seite ist.

Schneider hält den Stutzen immer noch in der Hand und guckt muffig. Wahrscheinlich hat er gemerkt, dass meine Idee besser ist als seine. Um seinen Stimmungspegel wieder zu erhöhen, lasse ich das Fenster runter und sage: «Einmal Diesel bitte! Voll, bis unters Dach!» Da gelingt ihm doch tatsächlich ein Lächeln.

 (Coopzeitung Nr. 49/2016) 

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Mittwoch 07.12.2016, 23:00 Uhr

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