Voll satt!

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Schreiber: «Kannst du bitte mal herkommen?», ruft Schneider aus der Küche. Ich sitze gerade an meinem Schreibtisch vor dem Computer und erledige Mails. «Was Wichtiges?»

«Sehr!»

«Was denn?»

«Du musst herkommen», sagt er erneut, etwas ungeduldig.

Na gut, dann halt, denke ich, und stehe auf. Bis in die Küche sind es acht Schritte, ich blicke um die Ecke. Schneider steht vor dem offenen Kühlschrank. «Da war jetzt aber nicht die ganze Zeit die Tür offen, oder?»

Schneider schüttelt den Kopf: «Darum geht es nicht. Schau mal.»

In den Kühlschrank? Ist etwas ausgelaufen? Ein Tablar zerborsten? Ich gucke, kann aber keine Katastrophe erkennen.

«

Er ist ja der Erste, der sauer wird, wenn die Milch fehlt.»

Schneider offenbar schon: «Siehst du, wie voll der ist?»

«Klar, ich war heute Morgen einkaufen. Leckere Sachen!»

«Das ist zu viel. Viel zu viel.»

«Quatsch, das wird schon alles weggefuttert. Und du bist der Erste, der sauer wird, wenn die Milch fehlt.»

«Das ist kein Kühlschrank, das ist ein Supermarkt. Nahrungsmittel für drei Monate!»

Schneider übertreibt.

«Wer soll das alles essen?», fragt er säuerlich.

«Na wir. Und du. In ein paar Tagen ist er wieder leer, keine Sorge.»

Und dann wird mir klar, was Schneiders wirkliches Problem ist: Er ist zum Platzen satt.

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Schneider: «Na ja, die Mädchen wachsen, die futtern viel und …», Schreiber tätschelt meinen Bauch, «… es wäre mir neu, dass du auf einmal weniger essen willst. Das müsstest du mir schon mitteilen.»

Ich blicke starr in den Kühlschrank. Er ist voller als sonst, aber nun merke ich, dass es nicht jene Völle ist, die mich ärgert. Es ist meine eigene.

Seit Dezember esse ich zu viel. Das schlechte Gewissen schleicht sich seit Längerem an und und stupft, aber ich stopfe mich weiterhin voll wie eine Mastgans. «Sehe ich aus wie eine Mastgans?», frage ich Schreiber.

«Äh, wie meinst du das? Was würdest du gerne hören?»

«Dass ich nicht wie eine Mastgans aussehe.»

«

Ich esse zu viel, stopfe mich voll. Das ärgert mich.»

«Tust du nicht, die haben weisse Federn. Aber du hast genug, gell?»

«Ja. Es reicht. Tut mir leid wegen dem Kühlschrank. Ich bin noch voller als der. Ich muss was unternehmen!»

«Abnehmen?», fragt Schreiber freudig. «Da mach ich mit, das täte auch mir gut!»

Doch ich merke: Es geht mir nicht ums Abnehmen. Ich will leer sein. Leer wie ein abgetauter Kühlschrank. «Ich glaube, ich werde fasten. Eine Saftwoche machen oder so», sage ich. «Saftwoche?», fragt Schreiber. Dann murmelt sie: «Also dann bin ich doch nicht mit dabei, in Ordnung?»

Die Kolumnisten sind am 27. April, Olten, Schützi, bei «knapp live» mit auf der Bühne. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 03.04.2017, 00:00 Uhr

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